Bei diesem Spiel bewegt sich der Ball nur durch Kraft der Gedanken

Wer zu viele Sci-Fi-Filme gesehen hat, hat sicherlich schon mal seine Finger an die Schläfen gelegt, die Augen eng zusammengekniffen und versucht, mit Kraft der Gedanken irgendwelche Gegenstände zu bewegen – mit großer Ernüchterung. Logischerweise. Das muss allerdings nicht so bleiben, künstlicher Intelligenz sei Dank. Das französische Startup Mentalista ist dabei, das erste Ballspiel zu entwickeln, das allein durch Gedanken gesteuert wird.

Auch, wenn das Spielfeld stark an einen Fußballrasen oder an ein Eishockeyfeld erinnert, unterscheidet sich das KI-Spiel stark von dem, was wir üblicherweise darunter verstehen. Erstens: Gespielt wird mit dem Kopf und nicht mit den Beinen. Statt vollem Körpereinsatz, sitzen die Spieler an einem Mini-Spielfeld. Zweitens: Der Ball besitzt einen Motor. Drittens: Zur Grundausstattung gehört ein EEG-Stirnband, das die Gedankenströme aus dem visuellen Kortex (Hinterkopf) misst. So viel zu den Spielvoraussetzungen.

@Facebook/Mentalista

Wichtigstes Spiele-Skill: Konzentration

Wie steuert man den Ball ins Tor? „Man muss sich die Bewegung des Balles nach links oder rechts vorstellen. Wir raten den Spielern immer dazu, die Augen zu schließen und sich das Ganze als Video vor dem inneren Auge zu visualisieren, wie der Ball ins gegnerische Tor rollt“, erklärt Gille de Bast, CEO von Mentalista Foot. Dabei werden die Gehirnströme der Spieler in Echtzeit via Bluetooth an eine Datenbank gesendet. Mithilfe von Machine Learning werden die Gehirnströme übersetzt. Dafür werden sie mit jenen von anderen Spielern verglichen, die sich bereits vorgestellt haben, wie der Ball nach links oder rechts rollt. Sobald die Gehirnaktivität eines Teilnehmers mit einer der Personen in der Datenbank übereinstimmt, bewegt sich der Ball. “Dein Gehirn funktioniert nicht wie ein Controller, aber du kannst es trainieren, Automatismen zu schaffen, um es als Fernbedienung zu verwenden“, so de Bast.

@Facebook/Mentalista

Zugegeben: Das klingt alles erstmal kompliziert. Aber den Ball mit den Gedanken zu steuern kann jeder lernen. Manchen fällt es anfangs leichter als anderen, aber mit ein bisschen Übung kann jeder den Ball im gegnerischen Tor versenken. „Das Ziel von Mentalista ist es, unser Gehirn stetig zu trainieren. Es ist cool zu hören, wenn einige Spieler uns darauf hinweisen, dass sie durch unser Spiel abschalten können, und lernen, sich auf eine Sache zu konzentrieren“, sagt de Bast. Alles reine Übungssache.

Finger weg vor kognitivem Doping

Wie bei anderen Spielen, gibt es auch hier Spielregeln: Gespielt werden kann Eins gegen Eins oder als Multiplayer. Ein Torwart ist kein Muss. Ein menschlicher Schiedsrichter kann das Spiel pfeifen. Die Dauer des Spiels ist unterschiedlich und von der Leistungsfähigkeit der Spieler abhängig. Häufig liegt sie zwischen fünf und 25 Minuten. Fouls sind untersagt. Man darf die Spieler der gegnerischen Mannschaft nicht Schubsen, Kitzeln oder in die Seite kneifen, sodass sie abgelenkt werden. Je nach Schwere des Fouls wird sonst die Verbindung zwischen den EEG-Geräten und den Computer für fünf bis 25 Sekunden unterbrochen. Und übrigens: Kognitives Doping ist auch verboten. Das erkennt der Algorithmus.

Das Startup ist dran, das Spiel als Virtual- oder Augmented-Reality-Game auf den Markt zu bringen. Die Idee des Spiels wäre die gleiche, aber anstatt einem physischen Mini-Spielfeld mit Toren und Ball im Wohnzimmer, wird im virtuellen Raum gezockt. Gesteuert wird dennoch mit den Gedanken. Bis es so weit ist, hat Mentalista noch einige Herausforderungen in Sachen Programmieren, Machine Learning und Spieledesign vor sich.


Nicole Plich

Nicole studiert den Klassiker „Irgendwas mit Medien” und hat noch den idealistischen Anspruch mit Wörtern die Welt zu bewegen. Wenn sie im Internet mal nicht nach lustigen Donald Trump-Memes sucht oder Fantheorien zu Game of Thrones liest, interessiert sie sich für Popkultur, Wirtschaft und was im Bundestag so vor sich geht.

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