Artist Manager Tobias Koppenhöfer: „Instagram ist eine Online-Visitenkarte“

Sie stehen meistens hinter der Kamera: Artist Manager*innen, die den Alltag von Künstler*innen und Influencer*innen organisieren und mit ihnen um die Welt jetten – so stellt man sich das zumindest vor. Was der Beruf so mit sich bringt, erzählt Tobias Koppenhöfer von tkCommuications im Interview. Er ist Artist Manager von Entertainer Riccardo Simonetti und TV-Moderatorin Vivanne Geppert.

Was hast du beruflich gemacht, bevor du Artist Manager wurdest, beziehungsweise wie bist du zu deinem jetzigen Job gekommen?

Bevor ich mich als Artist Manager selbstständig gemacht habe, habe ich fünf Jahre bei einem großen deutschen Medienkonzern gearbeitet. Zuerst in der Kommunikations-Abteilung, zuletzt dann als Senior Artist Manager in der Künstlermanagement-Agentur des Konzerns. Ich habe mich also auch schon zwei Jahre vor meiner Selbstständigkeit sehr ausgiebig dem Thema Artist Management gewidmet.

Was war die größte Herausforderung, als du dich dann selbstständig gemacht hast?
Im Nachhinein betrachtet war die größte Herausforderung, nie den Glauben an sich selbst zu verlieren. Denn in einer Branche, in der es im besten Sinne viele „alte Hasen“ gibt, muss man sich seinen Stand und den Respekt der anderen natürlich erst einmal verdienen. Zwar war ich schon die Jahre zuvor in der Branche tätig, das jetzt aber auf eigenen Beinen und unter eigenem Dach zu machen, war natürlich eine neue Situation. 

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Kein Tag sieht aus wie der andere. Und das ist es auch, was ich an meiner Arbeit liebe. Es gibt jeden Tag eine neue Herausforderung. Ich habe natürlich klassische Büro-Tage, an denen ich mich um Administratives und Vertragliches kümmere, ich bin aber auch sehr viel mit den Künstlern, mit denen ich arbeite, unterwegs und begleite sie, wo das entsprechend nötig ist.

Bist du für deine Artists ständig erreichbar? Oder hast du geregelte Zeiten?
Wenn man im Künstlermanagement tätig ist, sollte man kein Problem damit haben, dass man keinen klassischen Büro-Job hat, bei dem um 18 Uhr Schluss ist. Man sollte auf alle Fälle flexibel sein und das mögen, was man tut.

Wie hat sich dein Arbeitsalltag mit Plattformen wie Instagram, TikTok, Snapchat verändert?
Soziale Medien sind mittlerweile ein fester Bestandteil bei fast jeder Werbekampagne – ich würde also behaupten, dass es so gut wie keine*n Künstlermanager*in mehr gibt, der sich im Rahmen von Kundengesprächen nicht auch mit Instagram & Co. als Bestandteil einer Zusammenarbeit auseinandersetzen muss. Ein Großteil der Kampagnen ist Online- und teils sogar Social Media-only. Die Budgets für diesen Bereich werden immer größer. Das ist aber nicht nur bei Influencer*inen der Fall – egal ob Sportler, Sänger oder Schauspieler: Instagram ist eine Online-Visitenkarte, die natürlich einerseits für Werbetreibende relevanter ist denn je, andererseits aber auch klassische Kommunikationsmittel abgelöst hat. Heute verschickt ein Künstler beziehungsweise dessen Agentur keine Pressemeldungen mehr, er tweetet oder postet es bei Instagram. 

Wonach suchst du Unternehmen aus, die mit deinen Artists zusammenarbeiten?
Es ist in der Regel eine Mischung aus zwei Aspekten: Hat der Künstler Freude an der Zusammenarbeit mit einer Marke, also ist es ein Produkt oder ein Thema, für das er oder sie authentisch stehen kann und ein zweiter wichtiger Punkt ist die Perspektive der Zusammenarbeit. Ich bin ein Fan davon Künstler*innen und Marken langfristig zusammenzubringen und Kampagnen crossmedial umzusetzen: Auch wenn der Trend zu Social Media klar ist, sind für mich die Kampagnen am interessantesten, die von klassischen Werbemaßnahmen bis zu neuen Möglichkeiten alles abdecken – da bin ich wirklich oldschool.

Wie sagst du Unternehmen oder Kooperationspartnern ab, wenn die Konditionen nicht stimmen?
Immer höflich. Nein, im Ernst: Ich glaube, dass das Wichtigste ist, wie man miteinander spricht. Ich wertschätze es sehr, dass die Künstler*innen, die ich vertrete, jeden Tag so viele Angebote und Anfragen bekommen. Aber natürlich passt davon ein Großteil nicht – entweder ganz grundsätzlich oder zu dem jeweiligen Zeitpunkt. Und mitunter ist es natürlich auch eine Budget-Frage. Ich versuche hier einfach immer transparent zu sein – damit bin ich bisher ganz gut gefahren. Ich halte nichts davon um den heißen Brei zu reden, was aber eben nicht bedeutet, dass man das nicht immer auch nett machen kann. 

Was war die verrückteste Anfrage für einer deiner Artists, die du bisher bekommen hast?
Im Frühjahr dieses Jahres habe ich eine Anfrage für eine Social-Media-Kooperation zum Thema „personalisierte Särge“ bekommen. Ich will niemandem zu Nahe treten, weil ich weiß, dass auch hinter dieser Kampagne – wie so oft, mehr oder weniger – ein gut gemeinter Gedanke gesteckt hat. Und ich bin immer ein Freund von wirklichen Inhalten auf Social Media und weniger Eiffelturm- und Frühstücks-Bildern. Aber Särge sind dann doch nichts, was ich gerne auf Instagram sehen möchte.

Was sind typische Vorurteile, die mit dem Job eines Artist Managers einhergehen?

Letztendlich sind das vermutliche die gleichen Vorurteile, die so oder in abgewandelter Form auch den Künstlern gemacht werden. Und ich kann das ein Stück weit auch verstehen. Denn als Außenstehender sieht man natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Man sieht Reisen, Hotels und tolle Events. Dass dazu aber sowohl für die Künstler selbst als auch für die Manager sehr viel mehr dazu gehört, dass wissen viele nicht. Innerhalb der Branche stellt das aber, so meine Erfahrung, niemand in Frage. Ich sehe es aber auch nicht als meine Aufgabe an, jemanden darüber in Kenntnis zu setzen, wie mein Arbeitsalltag wirklich aussieht. Ich bin dankbar, für die Dinge, die ich in meinem Job erlebe, bin mir aber auch sicher, dass das Arbeits- und Belastungspensum ein ganz anderes ist, als viele zu wissen glauben. 

Was ist dein Tipp an alle, die in diesem Bereich arbeiten, beziehungsweise sich selbstständig machen wollen?

Man sollte auf alle Fälle eine Vision haben – vor allem natürlich für die Künstler, die man vertritt, aber nicht zuletzt auch für sich selbst. Zu glauben, dass man durch Mails und Meetings eine*n Künstler*in zum Star macht, stimmt nicht. Außerdem braucht man ein dickes Fell, Spaß an seiner Arbeit und Ausdauer.


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