„Feedback ist essentiell“ – Benjamin Roth von Urban Sports Club im Interview

Eine einzige monatliche Flatrate für Yoga, Bouldern und Kickboxen? Urban Sports Club macht‘s möglich. Das Berliner Startup sorgt in vielen Städten in Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Portugal dafür, dass sich Mitglieder in über 50 Sportarten austoben können.

Dieses Jahr will Urban Sports Club erstmals das „sportlichste Unternehmen 2019“ mit dem WorkOUT Life Balance-Award küren. Unternehmen sollen ausgezeichnet werden, die ihre Mitarbeiter*innen mit Firmensport-Angebot motivieren.

Aber wie sorgt Urban Sports Club eigentlich selbst dafür, dass das Team glücklich bleibt? Wir haben mal bei Benjamin Roth nachgefragt, dem CEO und Mitbegründer von Urban Sports Club. Außerdem erzählt er, welchen Fehler er mit Urban Sports Club bereits gemacht hat, was er daraus gelernt hat und was die Vorteile einer Team-Gründung sind.

Du hast mit deinem Kumpel Moritz Kreppel das Startup Urban Sports Club gegründet. Was ist deine Lieblingssportart?

Fußball ist nach wie vor meine Nummer eins. Ansonsten Bootcamps generell. Functional Training mag ich im Sommer vor allem im Park, außerdem Klettern und Schwimmen mit meinen Kindern. Grundsätzlich bin ich offen und würde gerne noch viel mehr Sport machen, wenn ich es neben der Arbeit schaffen würde und mein Tag mehr Stunden hätte.

Welche Fehler habt ihr am Anfang der Gründung gemacht? Was habt ihr daraus gelernt?

Wir dachten, dass wir uns als ehemalige Berater in alle Themen schnell einarbeiten und aus Kostengründen alles selbst machen können. Wir haben Urban Sports Club ja anfangs zwei Jahre aus eigener Tasche finanziert. Erste Fehleinschätzung. Sich Unterstützung von erfahrenen Gründern oder Experten zu holen ist essentiell. SEO oder SEM muss man nicht selbst nebenher machen.

Zweitens: Wir haben fast zu lange gewartet, bis wir Investoren an Bord geholt haben. Die zwei Jahre Bootstrapping, unser Leben und die Finanzierung aus den Gehältern unserer vorherigen Jobs war extrem anstrengend. Auf der anderen Seite hat uns auch niemand reingeredet und wir können wirklich mit Stolz sagen, dass wir das Produkt selbst entwickelt haben.

Wenn ich nicht nur den Anfang betrachte, sondern die letzten zwei Jahre, könnten Moritz und ich vielleicht sagen, dass wir unser HR-Department noch schneller hätten ausbauen können. Wir wachsen gerade sehr stark und stellen überall in unseren europäischen Ländern ein, dafür brauchen wir auch mehr Recruiter und generelle HR-Unterstützung für die Abteilungen. Wir haben übrigens noch viele Job-Positionen offen und freuen uns über Bewerbungen.

Warum würdest du empfehlen, immer als Team zu gründen und nicht alleine?

Um sich gegenseitig zu stützen, Misserfolge besser und schneller zu überwinden, zu reflektieren und – ganz wichtig – Erfolge zu teilen und gemeinsam zu feiern. Feedback ist essentiell, in jedem Stadium, in dem dein Business sich befindet.

Bei Moritz und mir war es so, dass wir vor der Gründung schon befreundet waren. Von Investoren habe ich oft gehört, dass man sich einen Gegenpart aussuchen soll: beispielsweise einen IT-Spezialisten in Kombination mit einem BWLer. Moritz und ich sind uns eigentlich sehr ähnlich, aber bei uns ist es ein Vorteil. Wir sind beide Teamplayer. Wenn er in einem Meeting sitzt, kann ich mich darauf verlassen, dass seine Entscheidung in unserem Sinn ist. Wir sind auf einer Wellenlänge und wissen, dass wir ein Backup haben. Das erlaubt es uns, schnell zu sein und ist gleichzeitig sehr beruhigend.

Moritz Kreppel & Benjamin Roth (von links nach rechts). Foto: Sarah Zahn

Wie sucht ihr die Studios aus, die bei euch im Portfolio sind?

In einer neuen Stadt gehen wir strategisch so vor: Wir suchen nach Studios oder möglichen Partnern mit guter Reputation, guter Lage im Zentrum und schauen nach den Nutzer-Reviews. Wir schauen die Vorlieben unserer Mitglieder an und fragen uns: Können die Partner die beliebtesten Sportarten bei Urban Sports Club abbilden oder müssen wir noch suchen? Danach gehen wir in die Randbezirke und suchen nach ausgefalleneren Sportarten.

In Frankreich und Deutschland kannst du mit deiner Mitgliedschaft zum Beispiel zum Eislaufen einchecken und in Spanien zum Reiten. Wir hören auch auf Empfehlungen von Mitgliedern oder Firmenkunden. Ein Grund, warum wir uns mit Interfit zusammengeschlossen haben war auch, dass wir kleinere Städte und ländliche Regionen besser abdecken wollten für unsere Mitglieder.

Habt ihr auch schon mal einem Studio abgesagt bzw. es nicht ins Portfolio aufgenommen? Wenn ja, warum?

Ziel ist es, eine sehr vielfältige Plattform aufzubauen, die unseren Mitgliedern auch geographisch die volle Flexibilität ermöglicht. Wir haben jetzt über 50 Sportarten im Portfolio und versuchen, unseren Mitgliedern für jede Laune und jedes Wetter etwas anzubieten, damit wirklich jede*r etwas für sich findet. Wir haben bisher nur so etwas wie beispielsweise Bowling oder Games wie Lasertag außen vor gelassen. Letztendlich entscheiden ja unsere Mitglieder, wo sie gerne einchecken und trainieren möchten. Ob das nun Volleyball, Yoga oder Surfen in deinem Urlaub in Portugal ist, entscheidest du. Wir wollen es unseren Mitgliedern leicht machen, ihre Liebe zum Sport zu finden und Spaß an der Bewegung zu haben.

Wie stellt ihr neue Leute ein? Worauf achtet ihr?

Unser Hauptaugenmerk liegt auf der Mischung aus der richtigen Person für die Rolle in dieser Phase des Wachstums und kultureller Übereinstimmung. „Cultural Fit“ bedeutet für uns: „Kann diese Person hinter unserer Mission stehen, Menschen zu inspirieren, ein gesundes und aktives Leben zu führen?“ Wir sind sehr zielgerichtet in der Art und Weise, wie wir arbeiten, und es ist wichtig, dass jede Person sich wirklich damit identifizieren kann.

Wie sorgt ihr dafür, dass die Leute bei euch im Team happy sind? Bestimmte Benefits, Urlaubsregelung, flexible Arbeitszeiten?

Wir haben eine Reihe von Benefits, die sich auf das Wohlbefinden unseres Teams konzentrieren, zuletzt auch eine Kooperation mit Headspace. Wir haben flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit, Home-Office zu machen oder von den Büros der anderen Länder aus zu arbeiten. Für Portugal hat das im Winter hohen Anklang gefunden! In den ersten vier Jahren, in denen du bei Urban Sports Club bist, bekommst du für jedes Jahr einen Urlaubstag mehr.

Einer meiner Lieblingsbenefits ist aber natürlich, dass wir allen Mitarbeiter*innen eine kostenlose große L-Mitgliedschaft geben. Die kann man bei uns für die vielen sportlichen Teamevents aber auch gut gebrauchen. Unser Motto lautet „WorkOut Life Balance“ und das soll sich im Leistungspaket widerspiegeln! Daher kommt auch der neue Workout Life Balance Award. Wir wollen andere dafür auszeichnen, die sich wie wir für Bewegung und ein aktives und gesundes Leben der Mitarbeiter*innen einsetzen.

Am Ende, glaube ich, sind es aber nicht nur die Benefits, die Employee Happiness ausmachen. Den Leuten muss es Spaß machen, für die Firma und ihre Produkte zu arbeiten. Das versuchen wir mit einer – Achtung noch mehr Denglisch – Employee-Centric Company Culture zu erreichen. Jeder muss seinen Beitrag zum Gesamterfolg spüren und sich aktiv einbringen können. Gleichzeitig stehen wir füreinander ein, kümmern uns gegenseitig umeinander und stellen in der Kommunikation Ehrlichkeit und Offenheit in den Vordergrund. Wir wollen damit Vertrauen schaffen und glauben, dass nur ein solches Umfeld das Potenzial des Einzelnen voll entfalten lässt.


Business Punk Redaktion

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