Nachhaltiges Online-Shopping: Ist das überhaupt möglich?

Das Bewusstsein für nachhaltigen und umweltfreundlichem Konsum in der Bevölkerung wird immer größer. Doch häufig steht der gute Wille für mehr Nachhaltigkeit im Konflikt mit unseren langjährig gepflegten Gewohnheiten.

Hand auf’s Herz: Wer hat nicht schon aus Bequemlichkeit Kleinigkeiten wie Ladekabel oder Adapter per Amazon-Prime-Lieferung zu sich nach Hause liefern lassen, anstatt einfach in das nächstgelegene Elektronikfachgeschäft zu radeln?

Da stellt sich die Frage, ob es nicht auch ökologischere Möglichkeiten für’s Online-Shopping gibt. Die beste Alternative ist natürlich das Shoppen vor Ort, aber was, wenn man einfach nicht mobil genug dafür sein kann?

Nachhaltige Online-Shops verwenden

Wer nach nachhaltigen Alternativen zu Amazon und Co. sucht, stößt im deutschsprachigen Raum schnell auf den Avocadostore, wenn es um nachhaltige Lifestyle-Produkte wie Klamotten, Bürozubehör oder Pflegeprodukte geht. Auf der Plattform werden nur Produkte angeboten, die laut dem Store nachhaltiger sind als konventionelle Produkte. Eine weitere nachhaltige Alternative zu Amazon ist die Webseite Memolife. Auch hier gibt es ähnlich wie beim Avocadostore viele nachhaltige Lifestyle-Produkte. Unter anderem auch Naturkosmetik, Möbel oder Bio-Lebensmittel.

Screenshot Avocadostore

Dabei stellt sich natürlich die Frage, ob es in den nachhaltigeren Online-Shops alle Produkte gibt, die unser Online-Shopping-Herz so begehrt, ob das Ganze teurer wird als in herkömmlichen Online-Stores und wie genau die Endkonsument*innen die Nachhaltigkeit der bestellten Ware überprüfen können. Wir haben das für euch getestet.

Der Praxistest

Um das Prinzip des nachhaltigen Online-Shoppings zu testen, haben wir uns eine Liste an Produkten zusammengestellt, die wir über die zwei Amazon-Alternativen zu bestellen versuchen.

Auf unserer Online-Shopping-Liste befinden sich folgende Produkte:
– ein Kochbesteck-Set
– ein Roman
– ein Parfüm
– ein iPhone-Ladekabel
– ein Paar Socken
– eine Tasse

Beim ersten Online-Shop, dem Avocadostore, können wir alle gesuchten Produkte ohne Probleme finden. Insgesamt würde uns der Einkauf dort 80,89 Euro kosten. Zu jedem Produkt gibt es genaue Informationen zur Nachhaltigkeit und den Inhaltsstoffen. Außerdem gibt es die Möglichkeit, die Produkte zu bewerten, diese wird allerdings von anderen Kund*innen nur spärlich genutzt.

Ein großer Nachteil des Avocadostores: Alle Artikel in unserem Warenkorb werden von externen Händler*innen verschickt. Das sorgt zum einen für hohe Versandkosten und zum anderen für mehr Verpackungsmüll und höhere CO2-Belastung durch verschiedene Lieferwege.

Beim zweiten Online-Shop, Memolife, können wir leider weder ein Parfüm noch ein Roman, geschweige denn überhaupt ein Buch finden. Dafür gibt es eine deutlich größere Auswahl an Produktalternativen als Avocadostore. Mit einem Endbetrag von 47,30 Euro ist Memolife, auch mit Abzug des Buches und des Parfüms, knapp 14 Euro günstiger als Avocadostore. Dafür sind die Informationen zur Produktion und Nachhaltigkeit zu den jeweiligen Artikeln weniger umfangreich.

Screenshot Memolife

Alle Produkte werden wohl vom Shop selbst versandt, sodass kein extra Verpackungsmüll oder Lieferwege entstehen. Der Store bietet kostenlos zur Bestellung außerdem den eigenen Nachhaltigkeitsbericht an.

Bei Amazon hätte uns der gleiche Einkauf 54,30 Euro gekostet. Statt eines Paar Socken hätten wir sogar ein noch ein zweites bekommen. Durch die breite Auswahl auf Amazon hätte man den Einkauf bestimmt auch billiger gestalten können. Wir haben uns hier immer für vergleichbare Produkte zu den beiden nachhaltigen Online-Shops entschieden.

Nie wieder Online-Shopping?

Nach dem Test von zwei der größten nachhaltigen Online-Shops in Deutschland können wir sagen: Ja, nachhaltiger Shoppen im Netz ist möglich und muss nicht unbedingt teurer sein als konventionelles Online-Shopping.

Wer auf gewohnte Produkte verzichten kann, der kann mit Seiten wie Avocadostore, Laguna oder Memolife ein bisschen was für die Umwelt tun. Letztendlich ist der Gang in einen Store vor Ort natürlich immer die umweltfreundlichere Alternative – wenn man wirklich läuft oder radelt. Das sollte auch den größten Online-Shopping-Junkies klar sein.

Was man sonst noch beachten kann

Wenn wir schon unbedingt online Produkte bestellen müssen, dann ist es deutlich nachhaltiger, alle Produkte in einem Rutsch von einem Shop zu bestellen – völlig egal, ob das eine Produkt woanders aber drei Cent billiger ist.

Retouren vermeiden

Bei Modekäufen ist es manchmal schwer, auf Anhieb die richtige Größe zu bestellen. Das rechtfertigt allerdings nicht, sich jedes Teil in drei unterschiedlichen Größen liefern zu lassen, um dann mindestens zwei der Teile wieder zurückzuschicken.

Denn erstens bedeutet eine Retoure immer den doppelten Lieferweg (inklusive doppelte CO2-Emissionen) und zweitens wird ein Teil der Retouren von den Händler*innen direkt vernichtet, weil so teilweise Kosten für die Qualitätsprüfung eingespart werden können. Vor jedem Online-Kauf sollte man also überlegen, ob man die Produkte wirklich benötigt.


Michael Gnahm

Michael studiert Marketingkommunikation, weil er es mit klassischen Studiengängen wie Wirtschaftswissenschaften einfach nicht so hat. In den Journalismus ist er zufällig reingestolpert und mittlerweile voll in Love. In seiner Freizeit hört er gerne musikalische Kunstwerke aus dem Bereich des deutschen Sprechgesangs. Also komm ins Café, wir müssen reden!

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