„Laura Talks“: Laura Lewandowski im Interview mit Galerist Johann König

Besondere Zeiten erfordern besonders kreative Inhalte. Das hat sich auch Journalistin Laura Lewandowski gedacht und die Format-Reihe „LAURA TALKS“ gestartet, in der sie mit verschiedenen Protagonisten*innen und Stakeholder*innen über die Herausforderungen in dieser Zeit spricht.

Wir freuen uns, Content-Partner der Reihe zu sein und präsentieren euch hier die Interviews in schriftlicher Form. Wer lieber etwas fürs Auge will, kann sich gerne die Videos hier anschauen.

Johann, welchen Effekt hat das Coronavirus auf dein Business?

Wir haben das relativ früh mitbekommen, weil wir sehr global unterwegs sind. Wir haben zum Beispiel eine Galerie in Tokyo, die davon ziemlich früh betroffen war. Aber dass es in dieser Intensität einschlägt, ist für uns alle neu.

Und wie lange glaubst du, wird diese Situation noch anhalten?

Ich glaube, dass es dieses Jahr gar keine Kunstmesse mehr geben wird. Die Art Cologne wurde jetzt auch in den November verschoben und ich glaube, dass die ganzen Großveranstaltungen sich nachhaltig verändern werden. Es wird uns noch viele Jahre beschäftigen und wenn es überhaupt wieder eine totale Normalität gibt, wird es vielleicht ab nächstem Frühjahr so sein.

Wie wird man in dieser Zeit kreativ?

Mich energized das total. Ich habe angefangen, auf Instagram mit anderen Künstlern über Arbeiten zu reden, die in meinem Atelier präsentiert sind und woran diese Künstler gerade so arbeiten. Ich habe auch angefangen, Open Calls mit jungen und noch unbekannten Künstlern zu machen, um zu sehen, was es noch zu entdecken gibt. Auf die Idee wäre man sonst bestimmt auch gekommen, aber man hätte sich außerhalb dieser Isolation vielleicht nicht getraut es zu machen. Dadurch bietet die Isolation neue Möglichkeiten und macht auch irre Spaß.

Was bedeutet das konkret? Wer kann sich dafür jetzt an dich wenden?

Alle. Ich weiß dann auch nicht, wer da kommt. Wir nennen es „Ten A.M. Series“ – immer um zehn Uhr morgens, je nach Gesprächspartner. Wir machen auch jeden Tag eins um zehn Uhr morgens in Berlin. Wir waren etwa bei uns im Lager und haben hinter die Kulissen geguckt, wie ein Kunstlager funktioniert. Oder haben Erwin Wurm besucht. Um zehn Uhr morgens New Yorker-Zeit gehe ich auch immer mit dem Open Call live und gucke, wer Anfragen stellt, dann wähle ich jemanden aus – letztens war’s zum Beispiel eine super interessante Malerin aus den Niederlanden. Ich weiß nie, wer es ist. Jeder kann mitmachen. Mir war vor allem wichtig, dass wir eine gemeinsame Kunst-Community sind. Ganz egal, ob prekäre*r Künstler*in, erfolgreiche Galeristen oder Museen.

Hast du eine Morgenroutine, die dir auch wirklich etwas bringt?

Im Moment mache ich jeden Morgen mein Bett. Das ist eine Routine, die mir irgendwie hilft. Manchmal stehe ich auch einfach nur auf und gehe unter die Dusche, aber im Moment mache ich tatsächlich jeden Morgen das Bett.

Und wenn du dann Abends im Bett liegst, ließt du da ein Buch, das du empfehlen kannst?

Es gibt ein Buch, das wahnsinnig gut in die Zeit passt, das heißt „Die Wand“ von Marlen Haushofer. Da geht’s um eine Frau die plötzlich eingeschlossen wird. Mehr will ich gar nicht verraten. Aber es ist hervorragend.

Hast du für dich oder die Gesellschaft ein Learning, das du aus dieser Krise ziehen kannst?

Mein Learning ist, dass es verrückt ist, dass es immer so eine Krise braucht um neue Formate voranzubringen. Das ist zwar der Vorteil von solchen einschneidenden Ereignissen aber gleichzeitig fragt man sich, warum es erst dazu kommen muss. Wieso können wir nicht auch sonst noch stärker nach Alternativen suchen. Was ich über mich selber merke: Für mich ist das wie eine Challenge, mich motiviert es.


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