Kolumne: Das Teilen von Daten ist unsere Pflicht – im Sinne der Weltgesundheit

Einmal im Monat versorgt euch unsere Kolumnistin Céline Flores Willers mit hilfreichen Tools und wichtigen Learnings aus dem Innovations-, Entrepreneurship- und Tech-Bereich.

„Not macht erfinderisch“ oder „Jede Krise birgt eine Chance“ – das sind meine zwei wichtigsten Devisen, um gestärkt aus der Corona-Krise herauszutreten. Für mich und meine Company, aber auch für das Land, in dem ich wohne. Konkret: Für Deutschlands Umgang mit Daten und Technologie zur Krisenbewältigung im Gesundheitssektor. Ich persönlich war auch schon vor der Pandemie Befürworterin eines liberalen Umgangs mit Daten. In der aktuellen Situation ist das für mich aber keine diskutable Frage mehr, sondern eine Notwenigkeit! Anonyme Daten – das heißt Daten, die nicht direkt auf eine Person zurückzuführen sind – einzusetzen und bewusst freizugeben, gehört für mich genauso zum solidarisch sein wie #zuhausebleiben. Mehr noch: Ich bin der Meinung, dies sollte verpflichtend für jede*n Bürger*in gelten.

Ein Blick nach China

Alipay Health Code heißt die chinesische App, die die Ausbreitung des Coronavirus‘ eindämmen soll und Nutzern aufzeigt, wie sie sich verhalten sollen. Ihnen wird ein grüner, gelber oder roter QR-Code zugewiesen. Mit dem grünen Code haben User die Erlaubnis sich weiterhin frei zu bewegen, rot schreibt eine zweiwöchige Quarantäne vor. Im Anmeldeprozess müssen Nutzer unter anderem Namen, Identifikationsnummer und Daten zum Wohlbefinden angeben. Außerdem machen sie Angaben über ihre Aufenthaltsorte in den letzten zwei Wochen. Die QR-Codes haben sich zu einer Art Eintrittskarte für Restaurants, Supermärkte und auch den Arbeitsplatz entwickelt: Nur mit grünem Code, kommst du rein.

Auch wenn die Herangehensweise der chinesischen Regierung sehr effektiv ist, weisen Kritiker auf eine zunehmende, systematische Überwachung durch den Staat hin. Zurecht: Die erhobenen Daten können einer realen Person direkt zugeordnet werden. Das bedeutet die Behörden wissen zu jederzeit, wo du dich mit wem befindest. Die Lösung liegt in meinen Augen deshalb im Teilen von anonymen Daten.

Status quo Deutschland

Aktuell werden die Kontakte eines Infizierten innerhalb der letzten 14 Tage festgestellt und die Kontaktpersonen dann manuell gewarnt. Abgesehen von dem exorbitanten Aufwand, lassen sich auch Zufallskontakte z.B. in Bus und Bahn nicht zurückverfolgen. Um die Ausbreitung einzudämmen, muss eine automatisierte Lösung her. Das hat man bereits eingesehen. Daher wird nun voraussichtlich Mitte April auch in Deutschland eine neue Digital Health App gelauncht. Diese soll der Ansteckung mithilfe von Standort- und Kontaktdaten vorbeugen. Die Installation? Freiwillig.

Und genau da liegt das Problem: Je mehr Löcher das Netz durch nicht installierte Apps aufweist, desto schwerer wird es, Infektionsketten tatsächlich nachzuvollziehen. Für mich ein Sinnbild für die gesamte Datenschutz-Debatte: Wie viel Freiheit und Sicherheit gibt jeder von uns auf, damit Nutzen aus den Daten gezogen werden kann? Für mich ist das bezüglich anonymer Daten in Zeiten von Corona überhaupt keine Frage mehr.

Weltgesundheit im Mittelpunkt

Im August 2019 habe ich für meinen LinkedIn Channel zu Innovations- und Tech-Trends Dominik Pförringer interviewt. Der Unfallchirurg setzt sich intensiv mit der Digitalisierung der Gesundheitsbranche auseinander und hat mir damals im Interview gesagt: „Datenschutz ist nur was für Gesunde“. Denn spätestens in dem Moment, in dem eine Person erkrankt und mit dem Teilen seiner persönlichen Daten sich selbst zu einer besseren Therapie und Diagnostik verhilft, setzt der Schwerkranke seine Daten gerne ein.

Ich spinne den Gedanken weiter: Vielleicht liegt genau in dieser Einstellung das Problem. Viele sind nur dann bereit ihre Daten zu teilen, wenn sie einen persönlichen Vorteil daraus ziehen können. Da kann ich nur sagen: Deutschland, wake up! In der aktuellen Krise geht es beim Teilen der Information „Corona positiv Ja/Nein“ um den Schutz von uns allen, um die Weltgesundheit. Das anonyme Teilen von Gesundheitsdaten in Echtzeit muss verpflichtend für jeden von uns werden, damit es auch über diese Krise hinaus zur Selbstverständlichkeit wird.  


Céline Flores Willers

Miss Universe Germany und Gründerin - geht nicht? Doch, das geht! Generell ist Céline davon überzeugt, dass Vieles geht mit einem starken Willen. Sie gehört zu den bekanntesten deutschen Influencern auf LinkedIn. Für ihre Beiträge zu den Themen Innovation, Entrepreneurship und Zukunftstrends wurde sie 2018 und 2019 als LinkedIn TopVoice ausgezeichnet. In ihrer monatlichen Kolumne für den Business Punk berichtet sie von Tech-Lösungen und Use-Cases, die ihr wahrscheinlich noch nicht auf dem Schirm hattet.

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