Nett sein im Job? Zahlt sich immer aus

ein Gastbeitrag von Kevin Tewe

In der Geschichte erfolgreicher Unternehmen gibt es immer wieder CEOs, die durch einen besonders harten Führungsstil auffallen. Es gibt sogar Ratgeber, die Mitarbeiter*innen Tipps und Verhaltensregeln geben, wenn ihre Chef*innen Arschlöcher sind. In dieser meist rauen Welt bekommt man schnell den Eindruck, dass Arschlöcher womöglich schneller zum Erfolg kommen als nette Menschen. Ich halte das für falsch und glaube fest daran, dass man viel mehr erreicht, indem man anderen gegenüber nett und wertschätzend ist – mit klaren Regeln.

Ich habe angefangen genauer über das Thema nachzudenken, als mir ein Dienstleister dankte und schrieb, dass es nett sei, dass ich seine Rechnungen immer sofort bezahlen würde. Ich handhabe das immer so, denn es ist für mich ein Zeichen der Wertschätzung der Arbeit des anderen.

Mit jeder Person auf Augenhöhe

Dass ich immer sofort zahle, liegt an meiner grundsätzlichen Einstellung: Ich begegne jeder Person auf Augenhöhe. Egal ob Kund*innen, Mitarbeiter*innen, Künstler*innen oder Community: Wir sind alle Teil eines großen Ökosystems und ich weiß, dass man ganz alleine gar nicht oder nur schwer erfolgreich sein kann. Uns unterscheidet lediglich, dass wir in verschiedenen „Abteilungen“ arbeiten – aber ich gehe davon aus, dass jeder seinen Job bestmöglich machen möchte. Deshalb habe ich bei uns in der Agentur auch das Credo eingeführt: Seid nett zu jedem.

Kevin Tewe ist Gründer und Geschäftsführer von ALL IN Social, einer Artist-Management-Agentur | Foto: Viktor Strasse

In meiner Philosophie ist „Nettigkeit“ gleichzusetzen mit „Wertschätzung“ und das ist in der heutigen Arbeitswelt wichtiger denn je. Das bestätigen die Ergebnisse ​einer Umfrage​ aus dem Jahr 2017 des Personaldienstleisters ManpowerGroup: ​91 Prozent der Befragten finden es wichtig, dass ihre Leistung gewürdigt wird und sie konstruktive Rückmeldung erhalten. Zudem gaben 88 Prozent an, dass sie sich Interesse an ihrer Person wünschen, was einhergeht mit dem Wunsch steigender Eigenverantwortung und damit entgegengebrachten Vertrauen. Wer hier als Chef*in empathielos agiert, wird kurz- und langfristig ein Problem bekommen.

Nett sein, ohne ausgenutzt zu werden

Manch einer könnte nun sagen, dass Nettigkeit schnell ausgenutzt wird und man unbedingt Ellbogen in dieser Gesellschaft braucht, um erfolgreich zu sein. Meine Erfahrung ist aber, dass man auch mit Freundlichkeit sehr weit kommt, wenn man klare Regeln dafür definiert.

Dazu gehört eine klare, offene Kommunikation, die niemals unter die Gürtellinie gehen darf. Selbstverständlich gibt es auch in meinem Alltag Momente, in denen ich nicht der gleichen Meinung mit meinen Geschäftspartner*innen bin. Falsch wäre es hier, aus Nettigkeit nachzugeben. Stattdessen erkläre ich freundlich meinen Standpunkt und den Grund, warum ich den Sachverhalt anders sehe. Das wiederum öffnet den Weg zu einer Diskussion, aus der oft das beste Ergebnis hervorgeht, weil sich alle an die entsprechenden Regeln halten. Dazu gehört auch, offen für Kritik zu sein und diese auch anzunehmen.

Auch im Umgang mit den eigenen Mitarbeiter*innen läuft man mit klaren Regeln wenig Gefahr, ausgenutzt zu werden. Auch hier sorgen wir durch eine klare und stetige Kommunikation dafür, dass jeder seine Grenzen kennt, aber für das, was er leistet, wertgeschätzt wird. Das erfolgt bei uns natürlich durch Lob und Anerkennung, aber auch klare Freiheiten bei der Arbeit und gemeinsamen Events, wie z.B. Konzerte oder Reisen. Wertschätzen heißt bei uns auch, dass wir etwas zurückgeben.

Nettigkeit ist eine Stärke, keine Schwäche

Nettigkeit ist für mich daher keine Schwäche sondern eine klare Stärke in meinem Führungsstil und basierend auf den letzten Jahren haben sich drei klare Argumente herauskristallisiert, warum es sich lohnt, nett zu sein:

1. Nettigkeit multipliziert sich​. Egal, ob es meine Mitarbeiter*innen, Kund*innen oder die Bäckereifachangestellten sind: Nettigkeit greift auf andere Menschen über und sorgt für einen stärkeren Zusammenhalt.

2. Man sieht sich immer zwei Mal im Leben. ​Ein klassischer Elternspruch, der sich aber für mich schon des Öfteren bewahrheitet hat. Die Praktikantin von damals könnte heute der CEO einer großen Brand sein und mit wem arbeitet sie gerne zusammen? Richtig, mit einem Menschen, der auch damals schon nett zu ihr war.

3. Nett sein verändert das Gehirn und Aufgaben positiv. ​Egal ,wie turbulent die Zeiten sind, ein freundliches Danke in Kombination mit einem Lächeln kann unser Gehirn positiv verändern. Die Forscher Lioba Werth und Jens Förster veröffentlichten in ihrem Lehrbuch „Sozialpsychologie“ Studien zum Body-Feedback, also dem Einfluss von Körperhaltung, Bewegung und Gesichtsausdruck auf die eigenen Entscheidungsprozesse. Sie fanden heraus: Wenn zu einer Aufgabe ein positiver Körperausdruck (z.B. ein Lächeln) kommt, empfinden wir die Aufgabe als positiver.

In diesem Sinne: ​Die Welt ist – nicht nur in der aktuellen Zeit – ein rauer Ort, an dem man nur gemeinsam erfolgreich werden kann. Das funktioniert mit klarer Kommunikation und einer Menge Wertschätzung untereinander. Oder, um es kurz zu machen: Indem man einfach nett ist. Und kein Arschloch.


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