MEET YOUR MENTOR: #5 Susan Danziger – Träume ermöglichen durch bedingungsloses Grundeinkommen

Interview geführt von Laura Lewandowski 
Zusammenfassung von Anna Franziska Schulze

Stell‘ dir vor, du würdest bis zum Rest deines Lebens jeden Monat 1000 Euro bekommen –  bedingungslos – wie hättest du dein Leben gelebt? Wärst du mehr gereist? Hättest du ein Unternehmen gegründet? Statt Ingenieur zu werden Theaterwissenschaften studiert? Wärst du in die Forschung gegangen? Hättest du dich sozial mehr engagiert? Mehr Zeit mit deiner Familie verbracht?

Als die amerikanische Unternehmerin Susan Danziger diese Frage auf Facebook postet, ist sie überrascht. Freunde der Gründerin und CEO von Ziggeo, einem Tech-Unternehmen, dass sich auf Video spezialisiert hat, erzählen davon, wie sie ihre Leidenschaften gegen finanzielle Sicherheit eintauschten. Ein digitales Logbuch aus geplatzten Träumen und verlorener Zeit entsteht in der Kommentarspalte. Es erzählt die Geschichten von Musikern, Philosophen, Malern, Schriftstellern und Architekten, die zu Anwälten, Bankfachkräften und Ingenieuren wurden. „Was mich am meisten verfolgt, sind die vielen verlorenen Jahre – Jahre in denen wir Neues schaffen und erforschen hätten können,“ resümiert die Forbes-Kolumnistin auf ihrem Blog. „Zeit ist das Wertvollste, das wir haben und genau das haben wir jahrelang kollektiv verschwendet.“ 

Danziger wurde aktiv. Sie engagiert sich gegen diese Zeitverschwendung und Traumverlust. Ihr Ansatz: bedingungsloses Grundeinkommen. Dafür fördert sie u.a. HudsonUP, ein Pilotprojekt im Bundesstaat New York, das 20 Menschen über fünf Jahre mit 500 Dollar pro Monat ausstattet. Bedingungslos. Soll heißen, die Menschen können mit dem Geld machen was sie wollen. Keine Erklärungen, keine Rechtfertigungen. Für Meet Your Mentor haben wir mit Danziger darüber gesprochen, warum sie sich für das bedingungslose Grundeinkommen engagiert, welche Hürden auch in Zukunft genommen werden müssen und weshalb ausgerechnet die Corona-Krise eine Chance sein kann, eine bessere Welt zu gestalten.

Privilegien weitergeben

Geld ist wichtig. Das ist Danziger bewusst. Wie wir unser Leben gestalten, hängt häufig von unserer finanziellen Sicherheit ab. Studien zeigen, dass finanzielle Sorgen unser Handeln einschränken. Unternehmen werden selten von Menschen gegründet, die von Paycheck zu Paycheck leben, sondern von Personen, die geerbt haben. Außerdem hemmen Existenzängste unsere Kreativität. Ohne Kreativität, keine Innovation. Im Interview erzählt die Unternehmerin von ihrem eigenen Glück. Sie selbst hatte eine Art bedingungsloses Grundeinkommen durch ihre Tante Ruth, die ihr einen Trustfund aufgesetzt hatte und ihr damit das Fundament ihres Erfolgs legte. „Das schenkte mir die Freiheit in meinen Zwanzigern zu reisen und Unternehmen zu gründen. Ich musste nicht arbeiten und mir keine Sorgen machen, wie ich Essen und Wohnung finanzieren sollte“, erzählt sie und betont, „das möchte ich zurückgeben.“

Mit dem Projekt HudsonUP, das auch von dem ehemaligen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Andrew Yang und seiner Stiftung Humanity Forward gesponsert wird, möchte sie genau das weitergeben. „Wir möchten einen Weg finden Menschen in ihrer Individualität zu würdigen und sie dabei befähigen ihre Träume zu leben,“ erklärt sie.

Sozialhilfe entstigmatisieren

Trotz dieses noblen Ansatzes ist das bedingungslose Grundeinkommen umstritten. Kritiker bezweifeln die Machbarkeit, sehen immense Kosten. Danziger ist überzeugt, dass es eine Lösung dafür gibt. Anstatt viel Geld in der Bürokratie versickern zu lassen, solle man lieber Menschen fördern. Sie betont: „Ich denke es gibt viele Wege wie wir ein bedingungsloses Grundeinkommen für alle umsetzen können und wir sollten uns nicht zu lange am Wie aufhalten.“ Auch die Stigmatisierung von Armut und Sozialhilfe sei ein riesiges Problem. Die Umstände in die wir geboren werden, haben wir, so Danziger, nicht unter Kontrolle. 

Corona-Krise als Chance

Die Corona-Krise sieht sie deshalb als eine Chance, staatliche Unterstützung zu entstigmatisieren. In den USA wurden Gelder an Privatpersonen und Unternehmen verschenkt. „Ich hoffe, dass die Menschen das zu schätzen wissen und das in Zukunft noch mehr einfordern.“

Danziger argumentiert weiter, dass der technologische Fortschritt unsere Gesellschaft zukünftig immer wieder vor ähnliche Herausforderungen stellen wird. „Viele Menschen, die in der Produktion arbeiten, werden durch Roboter ersetzt werden. Es wird eine Übergangsphase geben, in der genau diese Personen unsere Hilfe brauchen,“ erklärt sie. Ein bedingungsloses Grundeinkommen würde Sicherheit schaffen, wo derzeit keine ist. Das Pilotprojekt HudsonUP soll dabei zu einem Modell werden, dass auch von anderen genutzt werden kann. „Wir werden unsere Erkenntnisse als Open-Source-Material bereitstellen. So können andere Communities von unseren Learnings profitieren und das bedingungslose Grundeinkommen hoffentlich zu einem weltweiten Modell werden.“


Laura Lewan

Für “Meet your Mentor” sprechen Journalistin Laura Lewandowski und Schuldigitalisierungs-Experte Simo Azzaoui mit den Menschen, die uns im Leben wirklich was beigebracht haben. Eine Interview-Serie für die Pioniere von morgen. Für euch! Wer die Mentoren live und in Farbe sehen will, findet die Videos auf Instagram-TV und auf YouTube.


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