Damit es strafbar wird: Studentin startet Petition gegen Catcalling

Sexuelle Belästigung ist in Deutschland nur Straftatbestand, wenn es zu körperlicher Berührung kommt. Antonia Quell will das ändern.

„Hey Süße, heute schon was vor?“ – wer diesen Satz schon mal gehört hat, hebe die Hand. Er kommt häufig in Begleitung von Kussgeräuschen, Pfiffen oder anderen ein- bis zweideutigen Angeboten. Dabei ist es egal, was man gerade trägt, ob man lange Haare hat oder geschminkt ist. Meist reicht es, von Männern als weiblich gelesen zu werden, damit die sich das Recht herausnehmen, wildfremde Frauen* zu catcallen.

Laut Urban Dictionary werden Catcalls als übergriffige, sexuell aufgeladene Kommentare von Männern gegenüber Frauen bezeichnet, die ihnen im öffentlichen Räumen begegnen. Oft spielen Catcalls auf Körper und Aussehen der Frau an. Eigentlich also sexuelle Belästigung vom Feinsten.

„Kss, Kss, Süße, bleib mal stehen“ – Catcalling ist verbale sexuelle Belästigung

Und doch gibt es bisher keinen geeigneten Weg, darauf zu reagieren. Augen verdrehen, ignorieren, etwas sagen oder weitergehen – für mehr fehlt bisher jegliche Handhabe. Verbale sexuelle Belästigung – Catcalling – fällt in Deutschland nicht unter einen Straftatbestand, kann demnach also nicht geahndet werden. Die Voraussetzung von sexueller Belästigung schließt Körperkontakt mit ein.

„Das heißt also, sexuelle Belästigung ohne Anfassen ist in Ordnung?“, fragt Antonia Quell und gibt auch gleich die Antwort. Ist es natürlich nicht, weshalb die Medienmanagementstudentin aus Würzburg eine Petition gestartet hat. In ihr fordert sie, dass Catcalling in Deutschland strafbar werden soll. Ihre Idee: Fälle verbaler sexueller Belästigung könnten wie Ordnungswidrigkeiten geahndet und mit einem Bußgeld bestraft werden. Da Ordnungswidrigkeiten einfacher zu bearbeiten seien, hätte man so eine größere Chance auf Erfolg, schreibt sie in ihrem Instagram-Post zur Petition.

In Ländern wie Belgien (seit 2014), Portugal (seit 2015) und den Niederlanden (seit 2017) ist Catcalling bereits gesetzlich verboten. Auch Frankreich verabschiedete einen solchen Gesetzesentwurf, und ahndet verbale sexuelle Belästigung seit 2018 mit einem Bußgeld von bis zu 750 Euro. Wichtiger noch als die Geldstrafen ist Antonia, ein Bewusstsein zu schaffen. Dafür, dass die verbale sexuelle Belästigung einer anderen Person falsch ist.

Dieser Artikel von Sophia Zessnik ist zuerst auf ze.tt erschienen. Hier könnt ihr ze.tt auf Facebook folgen.


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