Edeka will mit Weihnachtsspot für Vielfalt werben – Rassist*innen rasten aus

„Lasst uns froh und bunter sein“, lautet die Message der neuen Edeka-Kampagne, erdacht von Jung von Matt. Eine schöne Message, gerade zur Weihnachtszeit. Die bisherigen Reaktionen auf das 30-Sekunden-Video machen leider alles andere als froh.

Worum geht es in dem Clip? Familie Müller (Mann, Frau, ältere Tochter) sinnieren an der Fleischtheke darüber, welche Nationalküche dieses Weihnachten aufgetischt wird. Die letzten Jahre war es Japanisch und Marokkanisch – weil die Tochter erst einen japanischen und dann einen marokkanischen Freund hatte.

Der Verkäufer an der Theke ist italienischstämmig, die Tochter schaut ihn schockverliebt an. Es wird dieses Jahr also Parmaschinken mit Weißweinsoße geben.

Berechtigte Kritik

„Wir lieben Lebensmittel und ihre Vielfalt, deshalb ist unser Weihnachtsangebot so bunt wie unsere Gesellschaft“, heißt es am Ende. Die Tochter sucht sich jedes Jahr einen neuen Lover mit einem anderen kulturellen Background und das soll diese Botschaft unterstreichen? Schwierig.

Anfänglich richtete sich die Kritik deshalb vor allem gegen diese seltsame Logik. „Hier werden Menschen auf ihr Herkunft herabgesetzt und daraufhin mit Essen verglichen“, lautet etwa ein Youtube-Kommentar. Das sei „purer Rassismus“, schreibt ein anderer.

Es wurde sogar extra eine Petition namens „Wir sind keine Exoten und kein Trend“ gestartet. Edeka und Jung von Matt sollen sich besser mit dem Thema auseinandersetzen und keine rassistischen sowie sexistischen Klischees bedienen.

Rassistische Kritik

Angesichts des Inhalts der Mehrzahl der anderen Kommentare wirkt diese Kritik schnell wie – nun ja – überkorrekte Pingeligkeit.

Natürlich, man kann den Macher*innen des Spots fehlendes Verständnis vorwerfen. Wer aber wissen will, wie unverhohlener Rassismus aussieht, der muss auf Youtube nicht auf „Play“ drücken, sondern einfach nur runterscrollen.

In viel zu vielen Kommentaren wird von der „Vermischung der Völker“ gewarnt, der Clip als „anti-Weiß“ beschimpft und übelster Antisemitismus gezeigt. Das alles passiert sowohl auf Deutsch und seltsamerweise auch sehr viel auf Englisch.

Was sagt Edeka dazu?

Watson hat bei Edeka nachgefragt, wie sie auf das negative Feedback reagieren. Allerdings geht es dabei nur um die rassistischen und sexistischen Vorwürfe gegenüber des Clip-Inhalts und nicht um das rassistische Feedback.

Daher erklären sie lediglich nochmals die eigentliche Botschaft: „So bunt wie unsere Gesellschaft, so bunt und vielfältig ist das Angebot bei Edeka.“ Zusätzlich zur Kampagne gebe es eine Spendenaktion. Edeka spende 50 Cent für jede verkaufte Suppe „Appetit auf Vielfalt“ an die Deutschland Stiftung Integration.

Eine schöne Geste, es wäre vielleicht aber auch mal angebracht, in den Kommentaren für löschende Ordnung zu sorgen. Rassismus und Antisemitismus sind schließlich weder Kritik noch Meinung.


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