Productivity & New Work Wie Firmen Eltern im Homeoffice unterstützen können

Wie Firmen Eltern im Homeoffice unterstützen können

Ein Gastbeitrag von Paul-Alexander Thies

Lockdown, Job, Kinder, Wirrwarr: Was im Jahr 2017 bei einem BBC Newsreporter noch für eine virale Sensation sorgte, gehört mittlerweile zum Alltag. Die Kinder von Arbeitnehmer:innen sind aus Videokonferenzen und Meetings nicht mehr wegzudenken. Doch auch hinter der Kamera ebbt die Doppelbesetzung nicht ab.

Die Kombination aus Homeoffice, weiterhin begrenzten Kita- und Schulgruppen zwingt Beschäftigte in den Spagat und bringt sie oftmals an den Rand ihrer Kapazitäten. Spätestens jetzt müssen Unternehmen Wege finden, den Druck ihrer Arbeitnehmer:innen abzufedern. So könnte das aussehen:

Empathie zeigen mithilfe von Care-Paketen

Der ultimative Hack, um zur sympathischen Führungskraft zu werden? Empathie! Gerade in Zeiten der Krise ist Verständnis und Zusammenhalt wertvoller denn je. Durch Care-Pakete, gefüllt mit Kaffee, Wein, Spielen und Malsachen für die Kinder, hallt dieses Statement noch lange nach. So können kleine Momente der Auszeit in vollen Zügen genossen werden.

Entlastung durch Zusatzservices

Noch frustrierender als die Doppelbelastung in den eigenen vier Wänden ist die Tatsache, dass für viele Menschen nach Feierabend die Arbeit weitergeht. Arbeitgeber:innen, die genau hier ansetzen und Hilfe zur Seite stellen, können nur positive Resonanz erfahren. Obgleich es sich um eine Putzkraft handelt oder die Mitarbeiter:innen einmal die Woche das Abendbrot für die ganze Familie zugeschickt bekommen.

Arbeitnehmer:innen können ihren Fokus durch die gewonnene Zeit wieder auf die Familie und die eigene mentale Gesundheit richten. Mittlerweile gibt es auch mehrere Startups, die einen Lieferservice von ganzen Mahlzeiten anbieten.

Finanzielle Hilfen für Familien

Ein kleiner Trost, aber dennoch ein Zeichen der Anerkennung: Arbeitgeber:innen können Eltern von unter 14-Jährigen bis zu 600 Euro zusätzlich im Kalenderjahr für kurzfristig zu organisierenden beruflich bedingten Betreuungsbedarf auszahlen. Die Auszahlung ist ebenso möglich, wenn es sich bei der Betreuung um pflegebedürftige Angehörige handelt. Diese Summe darf unversteuert bleiben.

Gemeinsam durch die Pandemie: digitale Kreativwerkstatt für die Kinder

Zwar intern mit deutlich mehr Aufwand verbunden, aber nichtsdestotrotz eine Überlegung wert, ist eine digitale Kurzzeitbetreuung der Sprösslinge. Denn eines ist ganz klar, egal ob es sich gerade um ein wichtiges Telefonat handelt oder eine anstehende Deadline immer näher rückt: Der Nachwuchs kennt keine Verschnaufpause und macht konzentriertes Arbeiten schlicht unmöglich. Der Tatendrang kann jedoch gebändigt werden.

Unternehmen können täglich für ein bis zwei Stunden eine digitale Kreativwerkstatt eröffnen, bei dem sich die Kinder voll und ganz auslasten können. Tanzkurse, Bastelstunden oder Vorleserunden – ein zuständiger Sozialarbeiter oder eine Sozialarbeiterin kann durch Einfallsreichtum die Kinder fördern und gleichzeitig die Eltern entlasten.


Paul-Alexander Thies – Ehemaliger Geschäftsführer von Billomat und Startup-Experte. ©Billomat

Post-Corona-Lösung: unternehmenseigene Kinderbetreuung

Eine betriebsinterne Einrichtung für die Kinderbetreuung ist sowohl eine kurz- als auch langfristige Lösung, um Mitarbeiter:innen zu entlasten und an das Unternehmen zu binden. Die Zeiten der Betreuung können idealerweise an die Arbeitszeiten angepasst werden, sodass Eltern deutlich gelassener arbeiten können. Auf lange Sicht gesehen bietet sich diese aufwendigere Lösung gerade für größere Unternehmen an. Dennoch kann auch schon eine kleinere, kostengünstigere Alternative große Wirkung zeigen.

Sollten Mitarbeitende an einzelnen Tagen aus unerlässlichen Gründen ins Büro müssen und das eigene Umfeld verhindert sein, kann eine zuständige Betreuungsperson in einem Raum des Unternehmens die Kinder beaufsichtigen. Alle Eltern, die das Angebot in Anspruch nehmen, sollten dann Spielsachen von zu Hause mitbringen, so dass sich ohne großen Aufwand ein Spieleparadies entwickelt.

Dies bietet sich insbesondere bei längeren Kitaschließzeiten an. In der jetzigen Situation mit gelegentlichen Besuchen in Kindergarten und Schule, sollte jedoch natürlich auf eine zusätzliche Durchmischung von Kontaktpersonen verzichtet werden.

Oberste Priorität für Unternehmen: Verständnis und Haltung zeigen

Ja, Kinder können anstrengend sein. Sie malen Wände an und haben ein lauteres Stimmorgan als jede Opernsängerin. Dennoch sind sie für Eltern von unermesslicher Wichtigkeit. So geben ihre Mitarbeitenden tagtäglich ihr Maximum an Energie und Fürsorge, um sowohl im Job als auch privat alle glücklich zu stellen. Arbeitgeber:innen sollten diese Umstände offen kommunizieren und loben.

Im besten Fall sollten die Kinder sogar Teil des Unternehmens werden, indem sie in Meetings begrüßt werden und Small Talk gehalten wird. So wissen Eltern, dass ihre Lieblinge nicht als die Übeltäter der ganzen Kinder-Homeoffice-Situation angesehen werden, sondern liebevoll akzeptiert werden.

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