Innovation & Future Versteckte Botschaften: Dieses Startup erweckt Oberflächen mit Augmented Reality  zum Leben

Versteckte Botschaften: Dieses Startup erweckt Oberflächen mit Augmented Reality zum Leben

Obwohl Augmented Reality schon weit ist, ist sie noch immer nicht alltäglich. Das Düsseldorfer Startup Getbaff will mit einer denkbar einfachen App die nächste Stufe der Verbreitung zünden.

Im Januar 2018 stehen Hendrik Gottschalk und Jan Owiesniak vor dem Legoland Discovery Center in Berlin. Ein Ort, an dem sich vor der Pandemie täglich unzählige Kinder und Tourist:innen tummelten, um Fotos mit einer gigantischen Lego-Giraffe zu machen. Am Center selbst hängen drei Werbeplakate von Lego. Zwei davon haben Gottschalk und Owiesniak mit ihrer Augmented-Reality-App Getbaff zum Leben erweckt. Die App ist zu diesem Zeitpunkt noch ein Prototyp, die Plakate sind ein Experiment.

Gottschalk und Owiesniak drücken Passant:innen ihr Smartphone in die Hand und bitten sie, es auf die Plakate zu halten. Zwei Sekunden, und ein Youtube-Video über Lego wird abgespielt. Als seien die Plakate zum Leben erweckt worden. Die Reaktionen der Passant:innen: Erstaunen! Freude! Verwirrung! Wie funktioniert diese Technik, bitte schön? Was unterscheidet die beiden Plakate vom dritten?, wird gefragt.

„Die Reaktionen haben uns das erste Mal gezeigt, dass es eine Begeisterung für Augmented Reality gibt“, sagt Gottschalk. Es war dieser magische Moment, in dem sein Co-Gründer Owiesniak und er verstanden, welch ein großes Potenzial in der Augmented Reality steckt. Und dass sie in diesen Markt unbedingt einsteigen mussten.

Die beiden Gründer Hendrik Gottschalk und Jan Owiesniak (r.) © getbaff

Ursprünglich waren Owiesniak und Gottschalk nämlich mit einer ganz anderen Businessidee gestartet. 2017 gründeten sie neben ihren Dayjobs als Programmierer und Grundschullehrer ein erstes Unternehmen namens Club 5000, eine Art Lifestyle- und Businessclub für Großstädter. Doch es brauchte nur ein kurzes Video und ein paar erstaunte Gesichter an einem Wintertag, um diese Idee wieder zu verwerfen. Und zwar komplett.

Kurz vor ihrem Experiment am Legoland Discovery Center fand Owiesniak durch Zufall ein kurzes Video, in dem ein Sticker mit einem Fußballspieler wie von Zauberhand zu sprechen begann. Es war eine App, die den Sticker mit einem Youtube-Video verknüpft hatte und den Fußballspieler so erlebbar machte. Gottschalk und sein Team waren verblüfft von der Technologie. Als sie dann wenige Wochen später in Berlin standen und ihre eigene Betaversion auf Zustimmung stieß, entschieden sie sich, in den damals neuen und boomenden Markt einzusteigen.

Die erste Hürde: Zunächst einmal mussten die beiden herausfinden, was Augmented Reality genau ist und wie sie funktioniert. Und dazu muss man erst einmal klären, was Virtual Reality genau ist. Eine 360-Grad-Technik nämlich, die das menschliche Auge Dinge wahrnehmen lässt, die eigentlich gar nicht existieren. Mischt man die virtuelle Realität mit der physischen Wirklichkeit, spricht man von Mixed Reality – oder auch von Augmented Reality.

Gottschalk erklärt es so: „Virtual Reality erschafft eine vollkommen neue, computergenerierte Welt, in die man mit einem Headset eintauchen kann. Augmented Reality hingegen erweitert die echte Welt durch computergenerierte Elemente, indem die Umgebung durch die Smartphone-Kamera aufgenommen und in Echtzeit mit digitalen Objekten angereichert wird.“ Also: durch Videos, Bilder, Texte und dreidimensionale Animationen.

Mehr als Monsterjagen

Die wohl bekannteste Augmented-Reality-Anwendung dürfte immer noch „Pokémon Go“ sein, der Gaming-Hit aus dem Jahr 2016. Durch das Smartphone-Game wurde AR erstmals öffentlich wahrgenommen. Seitdem ist die gemixte Realität bei den großen Techplayern schwer in Mode. Facebook, Apple und Google haben bereits Milliarden in verschiedene AR-Anwendungen investiert. Denn Augmented Reality könnte eine der relevantesten Technologien der Zukunft werden.

Mittlerweile wird AR über das virtuelle Monsterjagen hinaus in unterschiedlichen Branchen eingesetzt. In der Kunst, für Flugsimulationen, in der Architektur oder zur Navigation. Die Technik ist weit, es gibt jedoch einen Haken: Wir Menschen sind es noch nicht. Seit dem Hype um „Pokémon Go“ gab es keine AR-Anwendung, die im Alltag so präsent war und annähernd so viele Menschen mitgerissen hat. Genau das aber wollen Gottschalk und Owiesniak mit Getbaff ändern.

Nach der Aktion mit den Plakaten 2018 in Berlin beschließen sie also, das Projekt anzugehen. Während Owiesniak aus der Softwareentwicklung kommt und dem Thema damit nicht ganz fremd ist, gibt Gottschalk seinen Job als Grundschullehrer auf. Owiesniaks Aufgabe: die Idee der Augmented-Reality-App technisch umsetzen. Gottschalk ist für die Vision verantwortlich. Heute ist er Chief Executive Officer eines 15-köpfigen Teams, Owiesniak der Chief Technology Officer.

Wenn man die Funktionsweise beschreiben will, dann geht es um die Entwicklung von einer einfachen zu einer erlebbaren Oberfläche. Soll ein Bild erlebbar gemacht werden, wird die Datei auf die Plattform von Getbaff geladen. Die Bilderkennung analysiert die Datei und setzt sogenannte Trackingpoints. Das System verknüpft dann mit genau dieser Datei ein bestimmtes Video, das ebenfalls hochgeladen wurde. Wenn die App das Bild anhand der Trackingpoints erkennt, wird innerhalb weniger Sekunden das zugehörige Video abgespielt.

Die Besonderheit: Dafür muss die Oberfläche nicht mal mit einem QR-Code oder einem Chip versehen werden. Man braucht allein die App. Bloß einen Hinweis auf die integrierte Videobotschaft muss es trotzdem geben. Magazine können dies leicht handhaben, indem sie zum Beispiel auf der entsprechenden Seite ein Icon zeigen (wie zum Beispiel auch in dieser Ausgabe von Business Punk).

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