Leadership & Karriere Wie du als Startup damit umgehst, wenn deine Idee von etablierten Unternehmen kopiert wird

Wie du als Startup damit umgehst, wenn deine Idee von etablierten Unternehmen kopiert wird

Ein Gastbeitrag von Fritz Frey, Co-Gründer und Geschäftsführer der HYGH AG

Immer wieder werden Geschäftsideen von Startups durch etablierte Unternehmen kopiert, sobald diese sich fest am Markt positionieren. Nur kann man als Startup nicht nur von Ruhm und Ehre leben:

Wie alles begann

Ursprünglich wollten Vincent Müller, Antonius Link und ich 2017 digitale Außenwerbung zum Launch eines frisch gegründeten Unternehmens buchen. Ziemlich euphorisch wandten wir uns an die damaligen Platzhirsche der Außenwerbebranche. Doch dort wollte man für unter 50.000 Euro Außenwerbebudget nicht einmal mit uns reden.

Als überzeugte Unternehmer steckten wir diese Zurückweisung gut weg – und richteten unsere Aufmerksamkeit auf die sich eröffnende Marktlücke. Warum war es im Jahre 2019 immer noch nicht möglich, in Deutschland bezahlbare, frei skalierbare und unkomplizierte digitale Außenwerbung zu buchen? Unsere Antwort: Die Gründung der HYGH AG als AdTech-Unternehmen im Bereich DOOH (Digital-Out-Of-Home).  

Das zugrundeliegende Prinzip orientiert sich an der bekannten Funktionsweise von Google, Facebook & Co: Werbe-Einblendungen lassen sich exakt an die eigenen Wünsche und Budgets anpassen. 2020 konnten wir unser Business trotz Corona konsolidieren, 2021 ist für uns das Jahr der Expansionen. Wir haben uns erfolgreich am Markt positioniert und nun beginnen die Platzhirsche von damals, sich an unserem Geschäftsmodell zu orientieren – bzw. es einfach zu kopieren.

Wie reagiert man als Gründer:in auf Kopien?

Natürlich erhöht sich einerseits der wirtschaftliche Druck, wenn finanzstarke Konkurrenz auftaucht. Andererseits zeigt es aber auch, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet. Folgende Aspekte sollte man meiner Meinung nach als Gründer:in berücksichtigen, um gestärkt aus einer Copycat-Situation hervorzugehen:

Keep Calm & Carry On

Spätestens jetzt ist klar, dass man etwas ins Rollen gebracht hat – oder sogar eine Disruption der Branche anstoßen konnte. Die eigene Gründungs-Initiative wurde quasi durch die Nachahmung geadelt. Darauf kann man durchaus stolz sein und sollte mit frischem Elan weitermachen. Wir haben zum Beispiel in Pressemeldungen immer wieder SEO-wirksam das erst von uns im Kontext aufgebrachte Wort „hyperlokal“ integriert. 

Schutzrechte prüfen

Rechtlich lässt sich nur dann wirklich etwas machen, wenn Gebrauchsmuster- oder Patentschutz beantragt, im Rahmen einer vorherigen Zusammenarbeit mit dem kopierenden Unternehmen eine Verschwiegenheitsvereinbarung „NDA – Non-disclosure Agreement“ getroffen wurde (immer empfehlenswert), oder eine anderweitige Verletzung der EU-Know-how-Schutzrichtlinie nachgewiesen werden konnte. Die Geschäftsidee an sich lässt sich aber leider nicht schützen und daher ist es von hohem Belang, sich nie auf seinem Erfolg auszuruhen und eigene Ideen stetig weiterzuentwickeln.

Portokasse auffüllen, Allianzen festigen

Zugegeben: Alteingesessene Marktteilnehmer:innen verfügen nicht selten über eine gut gefüllte Kriegskasse, um ressourcenintensive Verdrängungswettbewerbe auszulösen und zu überleben. Wer als Startup-Gründer:in es also bis jetzt versäumt hatte, für ausreichende Finanzpolster zu sorgen, sollte spätestens jetzt damit anfangen.

Zudem wäre es auch sehr ratsam, sich nicht nur um Investor:innen, sondern um echte Geschäftspartner:innen zu kümmern. Unmittelbar nachdem sich die Copycats im neuen „innovativen“ Gewand auf dem Markt zeigen, sollte man proaktiv auf die Partner:innen zugehen, die Verbindungen weiter festigen oder gleich weitergehende Vereinbarungen treffen.

Flexibilität ausspielen

Als Startup muss man sich nicht mit Altlasten herumschlagen oder auf Interessengruppen Rücksicht nehmen, die sich über die Jahre im Unternehmen festgesetzt haben. Wir verfolgen zum Beispiel weiter unsere gesteckten Ziele und nehmen neue, vielversprechende Aspekte aus dem Tagesgeschäft direkt mit auf. Die Wettbewerber:innen hingegen müssen nun aber genau aufpassen, dass sie sich nicht selbst Konkurrenz machen oder unternehmensinterne Kannibalisierungsprozesse auslösen.  

Sich selbst disruptieren

Die einzige Konstante im Geschäftsleben ist die Veränderung. Wer als Disruptor:in bereits eine ganze Branche erfolgreich auf den Kopf stellen konnte, sollte sich selbst natürlich nicht außen vor lassen. Dementsprechend müssen Gründer:innen schon vor dem „Copy-Event“ kontinuierlich an der Weiterentwicklung der Ursprungsidee arbeiten – und danach noch intensiver.

Kommunikation anpassen

Machen Sie es wie Don Corleone: Nehmen Sie die Kopie-Aktion geschäftlich – und nicht persönlich. Dementsprechend bringen einen auch keine Presse- oder Social-Media-Schlachten weiter, sondern zerfasern nur die wertvollen Kreativitätsressourcen. Geh als Gründer:in lieber weiterhin professionell und respektvoll mit Wettbewerber:innen um.

Gemäß dem Sprichwort „Man sieht sich immer zweimal im Leben“, könnte sich in Zukunft ja durchaus eine neue Gelegenheit ergeben, um zusammenzuarbeiten. Nichtsdestotrotz kann man die Unternehmens- und Marketing-Kommunikation vielleicht mit einem kleinen ironischen Stupser aufpeppen, wer weiß?

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