Life & Style „Ich habe immer das Notizbuch dabei“ – Musiker Monolink im Interview

„Ich habe immer das Notizbuch dabei“ – Musiker Monolink im Interview

Zwischen Folkmusik und Techno: Mit diesem außergewöhnlichen Mix wurde Monolink rasant einem internationalen Publikum bekannt. Vor kurzem ist sein zweites Album erschienen. Wir haben mit Monolink über den Beginn seiner Karriere, seine musikalische Entwicklung, sein Gulity Pleasure und natürlich über sein neues Album gesprochen.

Steffen, du bist seit einigen Jahren als Singer-Songwriter wie auch als DJ bekannt. Wie fühlt sich das an?

Am Anfang war es etwas skurril, und ich musste mich erst an die Kombination gewöhnen. Musik wie zum Beispiel die von Bob Dylan hatte für mich immer einen literarischen und musikalischen Anspruch. Techno schien da erst mal wie das komplette Gegenteil. Zwischenzeitig hatte ich sogar das Gefühl, ich würde mit der elektronischen Musik in meiner Entwicklung Schritte zurück gehen.

Aber du hast letztendlich einen Weg gefunden, beide Genres miteinander zu vereinen.

Ich habe schnell gemerkt, dass beide Genres voneinander profitieren können. An der elektronischen Musik mag ich die körperliche Klangerfahrung und die Art, wie mit Sequenzen gespielt wird. Das hat durchaus seine Berechtigung. An Folk mag ich das Storytelling.

Welchem der beiden Genres hast du dich zuerst angenähert?

Ich habe mit 15 Jahren angefangen, Gitarre in verschiedenen Bands zu spielen. Daraus hat sich irgendwann mein Wunsch ergeben, Folkmusiker zu werden. Ich hatte wie Bob Dylan ein Mundharmonika-Gestell vor mir und hab lange damit auf der Straße gespielt.

Und wann hat sich deine Leidenschaft für Techno entwickelt?

Als ich nach dem Abi nach Berlin gezogen bin, bin ich schnell in die elektronische Musikszene gerutscht. Diese Musik hat mich zu dem Zeitpunkt einfach genauso interessiert. Irgendwann habe ich angefangen, als DJ auf Partys aufzulegen, und habe mir selbst nebenbei das Produzieren beigebracht.

Wie ging es dann weiter?

Ich hatte während meiner Zeit als Folkmusiker schon einige Songs geschrieben, die ich dann neu elektronisch aufgenommen habe. Als DJ fiel mir schnell auf, dass ich dieses Material viel lieber live performen würde als nur abzuspielen. So entstand das Projekt Monolink: Es sollte klingen und sich anfühlen wie ein DJ-Set, aber live gespielt werden und Konzertcharakter haben.

Warum bist du dann nicht bei der klassischen Folkband geblieben. Das hat doch viel mehr Konzertcharakter, oder?

Ich habe es lange nur mit der akustischen Musik versucht, aber das hat mich irgendwann auch belastet. Wenn wir in Bars oder auf der Straße gespielt haben, musste ich gegen enorme Geräuschkulissen anspielen. Es kann so frustrierend sein, als Musiker nicht richtig wahrgenommen zu werden, aber gleichzeitig so viel von sich preiszugeben. Deshalb brauchte ich die elektronische Musik als eine Art Ausbruch.

Mittlerweile spielst du Hunderte von Gigs im Jahr. 2018 hast du auf dem Burning Man in Nevada gespielt. Wie war es für dich, dort aufzutreten?

Es war großartig. Ich war das Vorjahr schon mal da, aber 2018 durfte ich auf dem Mayan Warrior, dem für mich heiligen Gral des Burning Man, spielen. Das hat sich total surreal angefühlt. Ich wusste während meines Auftritts, dass ich gefilmt werde. Aber dass das Video mal so oft angeschaut werden wird, habe ich damals nicht gedacht.

Heute hat das Video auf Youtube elf Millionen Aufrufe. War dieser Gig vielleicht sogar der Auslöser für deinen internationalen Durchbruch?

Auf jeden Fall, gerade in den USA. Da bin ich normalerweise regelmäßig auf Tour. Dazu kommt noch ein Remix, der etwas später rauskam und zu einem Dancefloor-Hit wurde. Dadurch habe ich noch einmal viel Aufmerksamkeit bekommen.

Was ist das Geheimrezept für deinen Erfolg?

Gute Frage. Ich denke, ein Punkt ist, dass ich schon mein ganzes Leben Konzerte spiele und dabei gerne in Interaktion mit den Menschen trete. Wenn klassische DJs auftreten, passiert das eigentlich gar nicht. Ich rede sehr gerne mit meinem Publikum und beziehe es mit ein. Ich improvisiere viel auf jeder Show, mein Energielevel passe ich immer meinem Empfinden an. Ich bin frei und agiere spontan, das macht meine Gigs besonders.

Wovon lässt du dich beim Songschreiben inspirieren?

Ich habe immer mein Notizbuch dabei, weil ich schwer vorhersehen kann, wann ich inspiriert werde. Aber es gibt diesen einen Moment, den ich immer wieder abgefahren finde: Wenn ich ins Flugzeug steige, vom Boden abhebe und die Welt von oben sehe. Dann sind alle Menschen plötzlich so klein.

Lässt du dich auch von anderen Musiker:innen inspirieren?

In der elektronischen Szene ist Nicolas Jaar ein großes Vorbild für mich. Außerdem sind die Bands Moderat und Radiohead große Inspirationen. Beide haben unglaublich facettenreiche Elektrostücke geschaffen. Gleichzeitig habe ich immer wieder meine Beatles-Phasen. Musikgrößen wie Paul McCartney und John Lennon sind genauso Vorbilder für mich.

Welche aktuelle Musik hört denn ein Singer-Songwriter-DJ im Alltag?

Ich höre wirklich querbeet. Momentan viel von der Band Khruangbin, die Soul- und Funkmusik machen. Aber eben auch Nicolas Jaar oder die Beatles. Insgesamt höre ich gerne den Mix aus elektronischer und akustischer Musik. Musik, die beide Genres kombiniert, gibt es noch nicht sehr viel. Davon wünsche ich mir mehr.

Du hast doch sicher auch ein Guilty Pleasure.

Wenn ich einen sitzen habe, gebe ich mir manchmal richtig kitschige Popmusik, sofern sie gut gemacht ist. Zum Beispiel Sia oder Lady Gaga. Da finde ich es dann spannend, wie dieser Emotions-Imperialismus in den großen Popproduktionen einfach so gut funktioniert und mich dann doch mitreißt.

Wie entstehen Songs, die Singer-Songwriter-Elemente und Technobeats enthalten?

Manchmal habe ich nur die Idee für eine Songzeile, die nehme ich dann auf und baue alles andere darauf auf. In anderen Momenten habe ich erst die Melodien im Kopf und schreibe dann die Zeilen. Auf meinem ersten Album von 2018 waren beide Wege sehr ausgeglichen. 50 Prozent waren Gitarrensongs, bei denen ich die elektronische Musik später hinzugefügt habe. Bei den anderen hatte ich erst die elektronischen Klänge im Kopf.

Ist dieses Gleichgewicht auch auf deinem neuen Album „Under Darkening Skies“ zu finden?

Mein zweites Album ist auf jeden Fall songlastiger als mein erstes. Ich habe mit dem Album Ende 2019 angefangen und seitdem viel Zeit im Studio verbracht. Ich war natürlich traurig über meine abgesagten Shows, aber ich hatte auch mehr Zeit, um mich meinem Album zu widmen. Ich fand es ziemlich befreiend, meine Songs nicht mehr nur für meine Gigs schreiben zu müssen. Ich konnte endlich wieder mehr von meinem alten Folk-Ego zeigen.

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