Life & Style Verabschiedet euch von der klassischen Businesskleidung – und zwar für immer

Verabschiedet euch von der klassischen Businesskleidung – und zwar für immer

Ein Gastbeitrag von Alexander Davaroukas

Wir alle arbeiten heute anders als noch vor einem Jahr. Das Homeoffice ist gekommen, um zu bleiben. Das Netzwerken findet digital statt. Meetings und Veranstaltungen ebenso. Die aktuelle Pandemie treibt uns alle vor den Rechner.

Wie wir dabei aussehen, scheint wohl maximal nur noch obenrum eine Rolle zu spielen. Aber wie fühlen wir uns denn dabei? Geht es uns damit gut, wenn wir uns keine Gedanken mehr um die Auswahl der richtigen Kleidung für unser Business machen müssen? Ist die klassische Businesskleidung, wie das Kostüm, der Anzug oder die Krawatte, vielleicht sogar passé?

Eines ist klar: Wir werden uns in unserem Business nie wieder so kleiden, wie wir dies vor der Pandemie getan haben. Alte Gepflogenheiten, etwa je höher die Position, desto dunkler der Anzug, das gehört langsam aber sicher der Vergangenheit an. Der gute alte HR-Dresscode ist – tot.

Die Jogginghose ist aber auch keine Antwort

Kleidung verleiht uns eine gewisse Sinnhaftigkeit. Sie bringt uns in einen bestimmten Modus. So kann uns Businesskleidung in unserem Berufsalltag stärken, Sicherheit geben und unser Erscheinungsbild positiv unterstreichen.

Im Homeoffice aber scheint der Griff zur Jogginghose so verlockend einfach. Wer aber konsequent in seiner Jogginghose bleibt, der könnte es mitunter schwer haben, in den gewünschten Modus zu kommen. Und das ist gerade in der heutigen Zeit wichtig.

Im Homeoffice sind die Grenzen zwischen “Sofa-mit-Decke-und-Kaffee-in-der-Hand-und-Laptop-auf-dem-Schoß” und dem “zum-Feierabend-auf-dem-Sofa-entspannen” fließend. Hier brauchen wir eine klare Linie, die uns der Jogger schlichtweg nicht geben kann. 

Trage, was du fühlst

Die Jogginghose ist also nicht die Lösung. Dennoch zeichnet sich ein Trend ab. Wir kommen immer mehr in die Richtung “Trag, wonach dir ist und wirf überholte Dresscodes über den Haufen”.

Niemand sollte sich heute mehr sagen lassen müssen, in welcher Situation welcher Stil angesagt ist. Wirklich niemand. Sich nach Vorgaben irgendwelcher Sesselpupser:innen kleiden zu müssen, dient weder der eigenen Persönlichkeitsentwicklung noch dem eigenen Erscheinungsbild.

Alexander Davaroukas, einer der drei Gründer von Monokel Berlin. Monokel Berlin ist ein Maßkonfektionär der neuesten Generation. ©Sebastian Donath

Wir befinden uns in einem Wandel der Kleidungsetikette im Berufsalltag – Berufskleidung und Alltagskleidung verschmelzen zunehmend miteinander. Wenn wir Modemacher:innen etwas aus der Pandemie und der neuen Art zu Arbeiten gelernt haben, dann dass wir heute im Business tragen sollten, wonach uns ist, wie wir uns heute fühlen und was wir heute kommunizieren wollen – und das eben auch nach Feierabend.

Die Klamotte ist dabei Mittel zum Zweck geworden. Sie schafft es, die Stimmung des Tages zu untermalen oder zu verändern. Die Frage, ob man im Zoom-Meeting over- oder underdressed ist, stellt sich nun nicht mehr. Sie ist also nicht gänzlich passé, die Businesskleidung. Sie ist nur anders, komfortabler, alltagstauglicher. Mit ihr schlüpfen wir nicht mehr in eine uns eigentlich fremde Rolle.

Im Gegenteil: Sie unterstützt die Persönlichkeit, die Individualität und gibt damit noch viel mehr Selbstbewusstsein und Authentizität. Das ist unser neuer Post-Corona-Dresscode für die Businesswelt. 

Komfortabel, bunt und kombinierbar

Dabei rückt sowohl bei Frauen als auch bei Männern der Komfort in den Fokus und der Stil pendelt sich je nach Gemüt zwischen Casual Friday und strengem Dresscode à la Pre-Corona ein. Zwar haben Frauen mit dem Wandel schon vor längerer Zeit begonnen und längst gibt es für Frauen nur noch einen einzigen Kleiderschrank für das Business und den privaten Bereich.

Dennoch geht der Post-Corona-Dresscode auch an ihnen nicht vorbei. Weichere Stoffe kommen zum Einsatz, buntere Farben, lockerere Schnitte. Kleidungsstücke, die sich in den Alltag integrieren und mehrfach kombinieren lassen. Stoffe, in denen wir uns wohlfühlen, die uns aber auch in den gewissen Modus bringen. 

Wenn du dich nach Anzug und Krawatte fühlst, trag es. Wenn du dich nach Chino und Jeansjacke fühlst, tag es. Wenn du dich nach Bleistiftrock und High Heels fühlst, trag es. Und wenn dir heute doch noch einmal jemand sagen sollte, wie du dich in einem bestimmten Meeting zu kleiden hast, kleide dich genau so eben nicht, sondern trage das, wonach dir ist. Und sei dir sicher, dir gebührt der Respekt. So einfach ist das heute in der neuen Arbeitswelt.

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