Productivity & New Work Entscheider: Soll man wichtige Projekte outsourcen?

Entscheider: Soll man wichtige Projekte outsourcen?

Ja

Grundsätzlich sage ich: Trag lieber zu große als zu kleine Schuhe. Heißt: der großen, schwierigen Aufgabe ins Auge blicken und dann ran an die Arbeit! Denn mit herausfordernden Aufgaben wächst man. Nur so lernt man seine Kolleginnen und Kollegen so richtig ungeschönt kennen, rückt noch näher zusammen. Der Nebeneffekt: Alle können endlich die jahrelang aufgestaute Arbeitsfrustration rauslassen. Und wenn alles gut läuft und die schwierige Aufgabe erfolgreich gemeistert wird, verdient das Business (also deine gehassten Vorgesetzten, der Konzern oder die mittelmäßige Agentur) richtig gut Schotter damit. Also warum diese einmalige Chance auf kostenfreies Team-Building, Schweiß, Tränen und Geld vertun? Lohnt sich doch – nein, eben nicht. Denn sind wir mal ehrlich: Es geht schon damit los, dass die neue Aufgabe von Vorgesetzten als gute, erfreuliche Nachricht ans Team überbracht wird. Als könne man sich geehrt fühlen, damit beauftragt zu werden. Und danach ist stets erst mal komplettes Chaos im Team angesagt: Keiner weiß so recht, wer für was zuständig ist. Dafür ist allerdings allen klar, dass das Timing so eng ist wie manch eine Jeans nach dem dritten Lockdown. Den großen Schuh will sich eigentlich niemand anziehen, keiner hat „Kapa“, alle haben ohnehin viel zu viel auf dem Tisch. Die Jobbezeichnung „Projektmanager:in“ bekommt plötzlich einen bitteren Beigeschmack – müsste man dafür nicht eine Art Lizenz erwerben oder zumindest einen Stresstest absolvieren, bevor man sich so nennen darf? Die ersten Tränen fließen, die Stimmung ist mies. Geluncht (und gelästert) wird nur noch in kleinen Gruppen. Alle hoffen, dass diese verdammte Aufgabe endlich für immer durch ist. Also: Erspart dem Team diesen Horror, werft einfach Geld auf das Problem, und gebt die Aufgabe raus.

Verena Hodapp

Nein

Es heißt ja, dass der Mensch erst nach und nach seine wahre Bestimmung findet – das Leben als gemächliche Schnitzeljagd nach sich selbst. Bei mir hingegen vollzog sich der Wandel vom bedenkenlos Geld rauswerfenden Hallodri zum knickerigen Cent-Umdreher rapide. Wenn man vom einen auf den anderen Tag Projekt- und Budgetverantwortung hat, bestimmt besonders eines die Entscheidungen: die nackte Angst vor der roten Zahl. Und es ist natürlich nicht gerade glorios, wenn man sich dabei ertappt, darüber nachzudenken, ob die Kolleg:innen wirklich so viele Zettel verbrauchen müssen. Man schrammt gefährlich nah an diesen Non-Lifestyle heran, wo man sich am Ende unbedingt selber die Haare schneiden will. So. Das alles als recht lange Vorrede dafür, dass am internen Lösen von neuen und schwierigen Aufgaben kein Weg vorbeigeht. Nur so können sich im Team Unterforderte aufschwingen und neue Seiten an sich entdecken. Wer spontan aufpoppende und herausfordernde Aufgaben nicht zu seinem Ding machen will, hat entweder tatsächlich schon gut genug zu tun oder ist leider einfach nicht zu begeistern. In-House-Ackerei ist also keine Strafe, sondern dient der Kontrolle, ob unternehmerisches Denken im Team vorherrscht. Wo sind in der Gruppe die noch unentdeckten Intrapreneur:innen? Gibt es da jemanden, den man noch nicht als Leistungsträger auf dem Zettel hat? Welche Wege gehen Menschen in ihnen noch fremden Situationen? Wer solche Aufgaben rausgibt, verschwendet Chancen auf die Zukunft. Also: Ich bin nicht geizig – ich bin bloß ein Fan von Innovation. Hey, das klingt eigentlich ziemlich gut. Catchy. Würde ich mir auf ein T-Shirt drucken – selber, versteht sich.

Alexander Langer

Im Dossier der vierten Ausgabe beschäftigen wir uns mit dem Thema Sales & Retail. Mit Blick auf unsere Titelgeschichte sei gesagt: Wir brauchen eine OnlyFans-Strategie! Außerdem ist es eine sehr musik- und kunstlastige Ausgabe geworden: Drangsal, Kool Savas, Ju Schnee, Simon Lohmeyer, Rapperin Little Simz – alle dabei. Dies und noch viel, viel mehr gibt es am Kiosk eures Vertrauens – oder wie immer hier im Aboshop.

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