Green & Sustainability Wie das Kölner Startup Nomoo zum Tesla des Eismarkts werden will

Wie das Kölner Startup Nomoo zum Tesla des Eismarkts werden will

Eine Sommernacht im Jahr 2016. Zwei Studierende sitzen in einer kleinen Gastroküche mitten in Köln, ganz in der Nähe des belebten Barbarossaplatzes. Die Küche befindet sich im Hinterhof, die befahrenen Straßen des dichten Verkehrsknotens hört man kaum. Während ihre Kommiliton:innen um diese Zeit trinken, feiern oder einfach nur schlafen, arbeiten Jan Grabow und Rebecca Göckel hier seit Wochen jeden Abend, immer bis zwei, drei Uhr morgens.

Sie arbeiten an einem Produkt. Einem Produkt, das den Lebensmittelhandel nachhaltig und grundlegend verändern soll. Das Produkt: klimapositiv und vegan. Die Zutaten: Mandelpüree und Kokosmilch. Viel mehr braucht es nicht. Die große Kunst ist es, die richtige Mischung der Zutaten zu finden – um das perfekte, pflanzliche Eis herzustellen.

Denn Grabow und Göckel, die beide erst 25 Jahre alt sind, wollten damals, 2016, genau das: Eis produzieren. Eis mit Impact. Das den Lebensmittelhandel und den Nahrungskonsum der Menschen beeinflussen soll. Angefangen hatte alles mit der Netflix-Dokumentation „Cowspiracy”, einem Film, der die Auswirkungen des Konsums von tierischen Produkten auf das Klima zeigt.

Das Eis mit Impact

Die Netflix-Doku ging damals viral und erhielt viel Kritik, positiv als auch negativ. Doch egal, wie groß der Anteil der negativen Kritik auch war, der Film hat mindestens in einem Menschen etwas ausgelöst. Denn Jan Grabow wurde zum Nachdenken angeregt. Und daraus wurde Handeln.

„In den Medien wird immer gesagt, man solle weniger Auto fahren und fliegen. Dabei sorgt der gesamte Agrarsektor für mehr CO-Emissionen als der Transportsektor“, sagt Grabow. Die Konsequenz: mehr pflanzliche Produkte, erzählt Grabow weiter: „Wir müssen ja nicht alle vegan werden, aber wir müssen den Konsum von tierischen Produkten reduzieren.“

Grabow und Göckel, die sich aus Studienzeiten kennen, mussten sich gezielt für ein Produkt entscheiden. „Unsere Wahl ist auf Eis gefallen, weil es in dem Bereich einfach noch nicht so viele pflanzliche Alternativen gab“, sagt Jan Grabow. Produkt und Ziel standen also fest, und an Motivation fehlte es den beiden auch nicht.

Sie konnten sich in einer kleinen Gastroküche einmieten, jeden Abend ab 20 Uhr. „Wir haben von null angefangen und einfach ein paar Sorten ausprobiert“, sagt Grabow. „Das war ein echter Knochenjob. Wir haben tagsüber studiert und nebenbei gearbeitet. Jan als Barkeeper, ich im Marketing. Nachts haben wir dann in der Gastroküche Eis produziert“, sagt Göckel. Den Knochenjob haben sie drei Semester lang durchgezogen, bis 2018.

„Alle großen Firmen haben damals in der Garage gestartet.“

Laut Göckel überwog immer die Zuversicht, auch wenn es viel Kraft und Zeit gekostet hat: „Alle großen Firmen wie Microsoft und Apple haben damals in der Garage gestartet, und so haben wir uns in der Küche gefühlt“, sagt sie. „Wir wussten: Das hier würde irgendwann etwas ganz Großes werden.“

Nach der Vorlesungszeit zogen Grabow und Göckel also jeden Tag in den Supermarkt, um sich für die nächtlichen Eis-Sessions einzudecken. Ihr Einkauf: 15 Packungen Kokosmilch und kiloweise Mandelpüree, jeden Tag. Am Point of Sale haben sie sich außerdem Inspiration gesucht, von anderen pflanzlichen Produkten und deren Zusammensetzung.

Foto: Nomoo

Und irgendwann fanden sie ein passendes Vorbild: den Sojajoghurt von Alpro, sagt Grabow: „Die Sorte Heidelbeere schmeckt einfach genau wie Joghurt aus Kuhmilch. Und da Joghurt und Eis nah beieinanderliegen, haben wir uns daran orientiert.“ Die ersten Ergebnisse haben Grabow und Göckel ihren Freund:innen in Tupperdosen präsentiert. Das Urteil: ein voller Genuss. Also machten die beiden weiter, deckten sich mit Thermoboxen ein und zogen damit durch Köln und verbanden Vertrieb und Marktforschung.

Erst lieferten sie nur an Menschen auf den Straßen, etwas später schon an kleinere Gastronom:innen. „Wenn uns ein:e Gastronom:in während der Vorlesung geschrieben hat, dass er/sie noch mal 20 Becher braucht, dann sind wir aus der Vorlesung raus zum Lager, haben die Thermobox befüllt und unsere Becher sofort ausgeliefert“, sagt Göckel. Schon während des Studiums hatte das Eis für sie höchste Priorität. Auch wenn für die beiden Gründer:innen dabei finanziell noch nicht viel heraussprang.

Bald mussten sie ihr Geschäft dringend aufstocken. Der nächste Step war ein eigenes Eisfahrrad, das Grabow und Göckel die Auslieferung größerer Mengen ermöglichte. Mit dem Rad standen sie auf Messen und fuhren zu Verköstigungen im Supermarkt. „Wir haben am Anfang alles selbst gemacht: Herstellung, Vertrieb, Social Media, Produktion, Logistik. Wir waren ehrgeizig und wollten weit nach vorne“, sagt Göckel.

Im Februar 2018 machten sie es dann endlich offiziell – nach Abschluss ihres Studiums gründeten sie Nomoo. Der Name ist ein Wortspiel: No Moo, also – na ja, man kann schon selbst drauf kommen.

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