Leadership & Karriere Wie wird man auch nach 18 Jahren als Startup wahrgenommen? Der Fritz-Kola-Gründer erklärt seine Strategie

Wie wird man auch nach 18 Jahren als Startup wahrgenommen? Der Fritz-Kola-Gründer erklärt seine Strategie

2003 hat Mirco Wolf Wiegert mit einem Freund und Startkapital von gerade mal 7.000 Euro Fritz-Kola gegründet. Heute arbeiten fast 300 Menschen im Unternehmen.

Herr Wiegert, demnächst erscheint Ihr Buch „Fritz gegen Goliath“. Was macht die Fritz-Geschichte zu einer erzählenswerten Story?

Tatsächlich hatte ich die Idee schon viele Jahre. Einfach, weil ich die Geschichte so häufig erzähle und sich viele Menschen dafür interessieren. Ich werde oft gefragt, wie ich das mit der Gründung gemacht habe, wie das mit der Selbstständigkeit ist und wie alles lief. Mit dem Buch will ich diesem Interesse nachkommen und Einblicke in ein Startup und die Unternehmensgründung geben.Werfen wir einmal einen Blick auf die Gründungszeit.

Was wollten Sie damals bewusst anders machen?

Mit anderen Startups haben wir uns damals gar nicht beschäftigt, weil das Gründen auch noch nicht so hip war. Wir wollten uns selbstständig machen und lernen, wie das geht. Wir haben Ideen gesammelt. Und die beste Idee war für uns, Cola zu machen. Die gab es damals nur aus Plastikflaschen, und das hat mich schon immer gestört. Also wollten wir eine Cola in der Glasflasche machen, die der Gastronom nur noch kalt stellen und unfallfrei zum Gast bugsieren muss. Der Gast soll am Ende ein schönes Trinkgefühl haben. Wir haben mit 7.000 Euro angefangen und gesagt, wenn es nicht klappt, dann war es eine Erfahrung – und wenn’s funktioniert, umso besser.

Sie schreiben im Buch, dass Sie nach genau diesem Prinzip gelebt haben: erst mal machen und schauen, ob es klappt, und sich dann erst weiter Gedanken darüber machen. Handeln Sie immer noch so?

Ich versuche, bei Fritz immer alle zu ermutigen, das Motto „Der Weg ist das Ziel“ zu leben. Das ist nicht immer ganz einfach. Je größer man wird, desto mehr muss man aufpassen, nicht zu verkopfen.

Selbst nach 18 Jahren wird Fritz-Kola nach wie vor als Startup wahrgenommen. Warum?

Wir sind vom Geist her immer sehr jung, und das merkt man an vielen Stellen auch. Zum Beispiel daran, dass wir uns um aktuelle Themen mit Aktionen wie „Pfand gehört daneben“ oder „Mensch wach auf“ kümmern. Wir wollen relevant sein und bleiben.

Trotzdem: Was hat sich in den letzten Jahren bei Ihnen verändert?

Wir sind mit inzwischen 300 Leuten auf jeden Fall professioneller geworden. Gleichzeitig pflegen wir weiter einen unkonventionellen Umgang. Beim Sommerfest, das wir hoffentlich wieder machen dürfen, fahren wir beispielsweise alle mit dem Zelt raus. Bei uns ist es auch üblich, dass die Führungskräfte nicht mit dem SUV zur Arbeit kommen, sondern eher mit dem Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln.

Am Anfang haben Sie enorm gespart, auch das Logo selber gestaltet. Dazu passt, dass Sie im Buch schreiben, dass Sie immer dann Fehler gemacht haben, wenn genug Geld zur Verfügung stand. Welcher Fehler wurde zuletzt begangen?

Irgendwann war es so, dass unsere Vertriebler dann doch mit SUVs unterwegs waren. Das passt aber nicht zu uns, darüber haben wir uns geärgert und die Autos vor Auslaufen des Leasings zurückgegeben.

Größer betrachtet: Was hätten Sie in der Vergangenheit anders gemacht?

Ich würde mehr Austausch mit anderen suchen. Damals gab es noch keine Coworking-Spaces. Heute würd ich als Startup da direkt mit reingehen und mir kein eigenes Büro mehr mieten.

Diese Möglichkeit besteht ja nun. Sind Sie jetzt noch an einem Umzug interessiert?

Wir sind jetzt eine recht große Gruppe und haben unseren eigenen Space. Der wird gerade kollaborativ gestaltet.

Geben Sie uns noch ein paar Tipps: Wie schafft man es, Dinge so unkonventionell und persönlich anzugehen wie zur Anfangszeit?

Wir wollen nach wie vor eins zu eins ins Gespräch mit unseren Gastronomen im Ausland gehen. Vor ein paar Jahren haben wir die bereits angesprochene Initiative „Pfand gehört daneben“ übernommen, die von anderen Leuten gegründet wurde. Das wollen wir jetzt auch weiter ins Ausland tragen und den Ansatz dort verfolgen. Wir wollen darüber aufklären, wieso Mehrweg auch einen sozialen Aspekt hat, wenn man das Pfand spendet und damit Gutes tut.

Daran anschließend: Wie entwickelt man sich weiter und bleibt als Unternehmen unabhängig? Wie nimmt man immer noch alle mit?

Als mein Mitgründer 2016 ausgestiegen ist, war Unabhängigkeit ein großes Thema für mich, und ich habe mich gefragt, wie ich jetzt weitermachen will. Ich habe mir zwei Mitgesellschafter gesucht, die mit mir dieselbe Perspektive teilen und das Unternehmen als Indie-Brand weiterführen.

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