Leadership & Karriere Wie wird man auch nach 18 Jahren als Startup wahrgenommen? Der Fritz-Kola-Gründer erklärt seine Strategie

Wie wird man auch nach 18 Jahren als Startup wahrgenommen? Der Fritz-Kola-Gründer erklärt seine Strategie

Was genau bedeutet für Sie der Begriff Unabhängigkeit im Unternehmenskontext?

Unabhängigkeit heißt für mich, dass wir unser Ding machen. Damit sind wir nicht immer branchenkonform – wir machen zum Beispiel keine PET-Flaschen. Aber wir wollen uns lieber an Themen reiben und daran wachsen.

Apropos: Bei welchen Themenbereichen geben Sie noch immer die Zügel nur ungern aus der Hand?

Meine Rolle ist generell, die Fritzen zu begleiten. Im Großen und Ganzen bin ich immer involviert und steige bei Einzelthemen konkreter mit ein. Ein Beispiel: Wir haben uns viel mit Kühlschränken beschäftigt, die wir an Wiederverkäufer und die Gastronomie liefern. Ich habe immer darauf gedrängt, nicht die billigste Variante zu nehmen. Man muss sich auch fragen, wie nachhaltig so ein Gerät ist, welchen CO2-Footprint es hat. Ich bin dafür da, immer wieder die Organisation von Dingen zu challengen und manchmal auch zu nerven. Aber auch zu helfen und das große Ganze im Blick zu behalten. Am Ende wollen wir ja echt richtig gute Kola-Limonade herstellen und anbieten.

„Fritz gegen Goliath. Wie man aus dem Nichts ein erfolgreiches Unternehmen schafft“ ab 30. August im Ullstein Buchverlag, 304 Seiten, 20 Euro

Wie hat sich das Office-Leben durch Corona bei Ihnen verändert?

Wir sind jetzt seit über einem Jahr im Homeoffice. Das war natürlich ein Problem, weil sich die Unternehmenskultur ändert. Man sieht sich ja immer nur über Teams. Uns ist dadurch bewusster geworden, wie wichtig das Miteinander ist und dass man persönliche Treffen nicht immer durch eine Online-Session ersetzen kann. Deshalb gestalten wir unsere Bürofläche jetzt so um, dass es zwar Rückzugsbereiche gibt, man aber auch viel gemeinsam machen kann. Wir probieren da gerade viel aus.

Was sind für Fritz-Kola die größten Herausforderungen?

Die nächste große Herausforderung für uns ist, Mehrweg auf europäischer Basis durchzusetzen. In Österreich kommen wir da schon gut voran. In Italien ist Mehrweg beispielsweise ein verschwindend geringer Teil auf dem Getränkemarkt. Wir wollen die Verbraucherinnen und Verbraucher dahingehend aufklären, dass es etwas Gutes ist, wenn man Mehrweg kauft und nutzt. Damit werden wir uns in den nächsten Jahren beschäftigen.

Rein hypothetisch: Wäre es eigentlich immer noch möglich, mit den damaligen Ansätzen von Fritz-Kola erfolgreich zu werden?

Ich glaube, man muss immer mit der Zeit gehen. Wenn ich heute die jungen Gründer, Männer wie Frauen, sehe, dann gibt es bei ihnen einen total unkomplizierten, direkten Zugang und viel mehr Bereitschaft, sich selbst zu zeigen. Mir fällt es viel schwerer, mich vors Handy zu stellen, stundenlang zu quatschen und Content zu kreieren. Grundsätzlich möchte ich mit meinem Buch aber einfach allen sagen, dass man ruhig starten soll. Macht euch weniger Sorgen, denkt hauptsächlich: Let’s go.

Und was, wenn man scheitert?

Ich glaube, dass man im Leben immer ein gewisses Risiko hat, dass etwas nicht klappt. Man muss nur schauen, dass es für einen selbst nicht zu kostspielig wird. Und dann weitermachen.

Daran gleich angeschlossen: Was ist Ihrer Erfahrung nach der beste Tipp für mehr Initiative und Mut zum Gründen?

Wir leben hier in recht paradiesischen Zuständen für Gründer. Klar gibt es Verwaltungsquatsch und Leute, die einem Steine in den Weg legen. Trotzdem haben wir eine gute Infrastruktur, um zu gründen, um zu starten, sein Ding zu machen. Das sehe ich auch als Quintessenz unseres Interviews: die Ermutigung, es einfach zu probieren.

Im Dossier der vierten Ausgabe beschäftigen wir uns mit dem Thema Sales & Retail. Mit Blick auf unsere Titelgeschichte sei gesagt: Wir brauchen eine OnlyFans-Strategie! Außerdem ist es eine sehr musik- und kunstlastige Ausgabe geworden: Drangsal, Kool Savas, Ju Schnee, Simon Lohmeyer, Rapperin Little Simz – alle dabei. Dies und noch viel, viel mehr gibt es am Kiosk eures Vertrauens – oder wie immer hier im Aboshop.

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