Personal Finance Krypto für Dummies: Was kann Bitcoin, was klassische Währung nicht kann?

Krypto für Dummies: Was kann Bitcoin, was klassische Währung nicht kann?

Das Krypto-Game ist längst Teil der Startup- und Trading-Bubble. Dabei werfen jegliche Akteur:innen mit den wildesten Begriffen um sich. Und wer nicht als absoluter Idiot dastehen will, übernimmt diese Begriffe einfach, ohne eine Ahnung davon, was Blockchain und Co. überhaupt bedeuten.

Damit ihr euch auf Konferenzen und Business-Meetings zukünftig nicht als Krypto-Laie outen müsst, erklären wir euch die wichtigsten Fakten. Dafür haben wir 9elements-Gründer Sebastian Deutsch die banalsten Fragen zur Krypto-Welt gestellt. Gemeinsam mit Oliver Thylmann hostet Sebastian den Krypto-Podcast  “Die Crypto Nerd Show”. Hier sind seine Antworten:

Was kann Bitcoin, was Fiat-Währung (also klassische Währung) nicht kann? 

Bitcoin ist ein voll auditierbares and programmatisch definiertes Geldsystem bei dem es keine zentrale Bank gibt, der man vertrauen muss. Jeder darf ein Konto eröffnen und mit anderen Teilnehmern des Netzwerks Transaktionen durchführen.

Die Anzahl der existierenden Bitcoins ist komplett vorhersagbar und nicht inflationär. Dazu muss man zunächst wissen, dass es eine feste Anzahl von Bitcoins gibt. Es wird am Ende 21 Millionen Bitcoins geben. Nicht mehr, nicht weniger. Darüber hinaus ist jetzt schon bekannt, wann es wieviel gibt. Anders als bei Fiatgeld, wo neues Geld mit einem Federstrich durch die Zentralbanken geschaffen werden kann, ist Bitcoin jetzt schon klarer definiert und eine limitierte Ressource.

Bitcoin ist darüber hinaus pseudo-anonym, denn zur Erstellung einer Bitcoin Adresse muss lediglich die Software heruntergeladen werden. Im Gegensatz zur Eröffnung eines Kontos bei einer Bank benötigt man keinen Personalausweis und muss sich nicht identifizieren. Wir reden hier trotzdem nur über Pseudoanonymität.

Zum einen, wenn man Bitcoin in Fiat-Währung tauschen will, muss man an den Exchanges in der Regel doch ein Identifizierungsverfahren durchlaufen, da diese als Finanzinstitutionen den KYC-Regeln unterliegen. Weiterhin sind alle Transaktionen auf der Blockchain öffentlich einsehbar, das heißt, man weiß vielleicht nicht, wer sich hinter einer Bitcoin-Adresse verbirgt. Allerdings kann man sehen, mit welchen anderen Konten diese Adresse interagiert hat.

Wie wird der Wert von Bitcoins gebildet?

Der Wert eines Bitcoins wird durch den Markt gebildet, genauer aus Angebot und Nachfrage. Dies geschieht hauptsächlich auf zentralen Exchanges wie Coinbase oder Kraken. Dort gibt es Orderbücher, wo Personen, die Bitcoins besitzen diese zu einem bestimmten Preis anbieten und Leute, die Bitcoins kaufen möchten zu einem bestimmten Preis nachfragen können.

Kommt es bei Angebot und Nachfrage zu einem Kauf, dann wird der Preis durch diese Transaktion verändert. In den ersten Tagen und Monaten von Bitcoin gab es kaum Nachfrage und der Angebotspreis war hauptsächlich dadurch getrieben, dass die Miner ihre Hardware und Stromkosten kompensieren wollten. Bitcoins zu besitzen war tendenziell eher ein Spaß. Zum Beispiel hat ein Student eine Pizzalieferung mit 10.000 Bitcoins (ca. 382 Millionen Euro Stand heute) bezahlt. Doch mit weiteren Anwendungsgebieten stieg die Nachfrage an Bitcoins und somit auch der Preis.

Was ist Proof of Work und wie funktioniert das?

Der Proof of Work ist ein Mechanismus, der die Integrität der Blockchain sicherstellt. Um den Proof of Work besser zu verstehen muss man zunächst die folgenden Begriffe lernen und verstehen:

Hash Funktion: Eine Hash Funktion ist ein mathematische Einwegfunktion, mit der man schnell einen eindeutigen Fingerabdruck von beliebigen Daten berechnen kann. Die Berechnung wird auch Hashing genannt.

Nonce (number once): Eine Zahl, die nur einmal verwendet wird.

Der Prozess, eine Transaktion in die Blockchain aufzunehmen, sieht nun wie folgt aus:

  1. Mehrere Transaktionen werden zu einem Block zusammengefasst.
  2. Die Miner prüfen, ob die Transaktionen legitim sind, indem sie eine spezielle Information des Vorgängerblocks in der Blockchain zusammen mit dem zukünftigen Blockkandidaten hashen. Durch diesen Hashingprozess ist es zum Beispiel nicht möglich, eine Transaktion zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal abzuändern.
  3. Diesem berechneten Hash wird ein Nonce hinzugefügt und das wird wiederum gehashed. Beim Ergebnis wird geschaut, wie viele führende Nullen der Hash enthält. Ist die Anzahl der führenden Null größer als ein bestimmter Schwellenwert (das ist genau die Schwierigkeitsvariable des Netzwerks), dann wird dem Miner erlaubt, den Block der Blockchain hinzuzufügen. Sollte die Berechnung unterhalb des Schwellenwerts liegen, wird der Schritt mit einem anderen Nonce durchgeführt. 

Kann ein Miner dieses Rätsel lösen und darf somit einen Block an die Blockchain anhängen, so erhält er einen Block Reward (Stand heute 6.25 BTC) und alle Transaktionsgebühren, die mit den einzelnen Transaktionen verknüpft sind.

Was passiert nun, wenn zwei Miner gleichzeitig das Rätsel lösen? Dann entsteht ein Fork der Blockchain, das heißt es gibt zwei Enden der Ketten, die verschieden sind. Jetzt arbeiten verschiedene Miner mit verschiedenen Ketten und es gilt folgende Regel: sobald ein weiterer Block gefunden wird und damit eine Ketter länger als die andere ist, wird die kürzere Kette verworfen. 

Damit eine Transaktion wirklich als sicher (permanent und stabil) angesehen werden kann, muss sie über sechs Block-Bestätigungen verfügen.

Kannst du den Begriff 51%-Attack erklären?

Die 51%-Attacke ist ein Angriffsvektor, bei dem Angreifer:innen über 51% der Hashrate des Bitcoin Netzwerks verfügen. Wenn sie so viel Rechenkraft aufwenden können, dann sind sie zu folgenden Dingen in der Lage:

  • Sie können Bitcoin “double spenden”, indem sie bewusst einen Fork der Blockchain provozieren. Mit ihrer Hashpower betreuen sie solange beide Forks der Blockchain bis sie ihre Ziel erreicht haben (zum Beispiel Bitcoin in Fiat Währung umzutauschen).
  • Sie könnten auch gezielt Transaktionen zensieren, indem sie die Transaktionen in einem Fork der Blockchain gezielt aus den Blöcken entfernen.

Eine 51% ist gerade bei Bitcoin relativ unwahrscheinlich, da jemand sehr viel Energie aufbringen müsste. Stand heute bräuchte man 51% des Strombedarfs von ganz Italien. Deshalb gilt das Bitcoin Netzwerk als sehr sicher.
In der Vergangenheit hat es aber erfolgreiche 51%-Attacken auf diverse Altcoins gegeben.

Über Sebastian Deutsch

Sebastian Deutsch ist der Gründer von 9elements, einem Softwarestudio, welches sich auf die Implementierung von Webapplikationen spezialisiert hat. Sebastian Deutsch und Oliver Thylmann hosten seit über einem Jahr den Podcast “Die Crypto Nerd Show”, wo es um spannende und innovative Crypto-Projekt z.B. im Bereich NFTs oder Decentralized Finance geht.

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