Leadership & Karriere Post von Czaja: Inspiration und Vermächtnis

Post von Czaja: Inspiration und Vermächtnis

von Dominic CzajaMitgründer und CEO von DOJO

Eingängig im Abgang: Auch eine Serie in Business Punk kommt irgendwann an ihr Ende. Davor hat Kolumnist
Dominic Czaja aber noch jede Menge Ratschläge parat

Liebe Lesende, ich mach mich vom Acker. Ziemlich genau zwei Jahre habe ich an dieser Stelle des Magazins meine Gedanken umgepflügt und versucht, Inspiration zu säen. Dabei habe ich mir immer Mühe gegeben, meine aktuellen Beobachtungen und Erlebnisse einfließen zu lassen, um euch daran teilhaben zu lassen – aber auch, um mich selbst zu reflektieren, um besser einzuordnen, was um mich herum passiert.

Als ich den „Job“ Anfang 2020 antrat, konnte ich nicht ahnen, wie viel passieren würde. Ich konnte nicht ahnen, wie sehr sich alles verändern würde, wie sehr es auch mich verändern würde: Die Krise hat mich zum Chef gemacht. Ich war auch schon vorher Chef – als Gründer quasi per Geburt –, aber jetzt eben völlig anders. Meine Sicht hat sich geändert. Ich sehe nicht mehr nur Gegebenheiten, ich sehe Zusammenhänge. Ich habe ein besseres Gefühl für Menschen. Ich sehe ihre Nuancen, ich sehe ihre Fähigkeiten und akzeptiere ihre Schwächen, so wie ich auch meine zu akzeptieren lerne. Ihr seht, mir sind ein paar Lichter aufgegangen. Wer auch ein bisschen Licht abhaben will, kann jetzt hier seine Laterne entzünden an dem, was mein Vermächtnis an euch sein soll:

Über allem, was eure berufliche Aktivität ausmacht, steht euer eigener Anspruch. Der Sinn des Lebens ist leben, aber der Sinn des Arbeitens ist nicht arbeiten, sondern die Bedingungen zu schaffen, die das Leben lebenswert machen. Beantwortet euch früh und dann im Abstand von zwei Jahren immer wieder die Frage, warum ihr arbeitet. In welchem Verhältnis stehen der Wunsch nach Geld, Umfeld, Impact, Status und Erfüllung? Aber bedenkt, dass Kurswechsel immer nur bei ruhigem Wasser vollzogen werden sollten – nie bei Sturm.

Falls ihr selber Chefin oder Chef seid, ist euer Job übrigens zusätzlich, die Bedingungen zu schaffen, die das Arbeiten arbeitswert machen. Dazu gehört in erster Linie, dass ihr eurer Vision treu bleibt und nachvollziehbar macht, was in eurem Kopf vorgeht. Und auch im Bauch. Den Kopf könnt ihr verlieren, den Bauch nicht. Wenn der aber trotzdem mal Schmerzen bereitet, versucht, positiv zu bleiben. Grade in kreativen Unternehmen muss das Umfeld angstfrei und ehrlich sein. Jeder Mitarbeitende muss sich eingeladen fühlen, konstruktive Gedanken aussprechen zu können. Dazu gehören ein respektvoller Umgang und eine Dialogfähigkeit, die immer weiter entwickelt werden müssen.

Wir haben hierzu beispielsweise eine Fehlerkultur-Institution ins Leben gerufen, das Mask Off, bei dem sich alle Beteiligten nach einem Projekt gegenseitig Feedback geben und sich so selber weiterbilden. Die Erkenntnisse dieser Selbsthilfegruppen werden im Anschluss auch dem unbeteiligten Teil des gesamten Teams zur Verfügung gestellt. Lasst euch Zeit mit Veränderung, aber lasst sie nicht zu lange vor der Tür stehen. So schnell, wie sich alles bewegt, neigt man häufig dazu, einfach aus Trotz stehen zu bleiben.

Man muss bestimmt nicht jede Welle surfen, die einem die internetisierte Welt entgegenschlägt, aber zumindest sein Brett in die richtige Richtung stellen. Bei all dem Wahnsinn, der um uns herum passiert, ist es von essentieller Wichtigkeit, einen klaren Kopf zu bewahren. Achtet auf eure psychische Gesundheit. Achtet auf die psychische Gesundheit eurer Mitarbeitenden. Genießt bewusst die Zeit, in der es euch besonders gut geht, und fragt euch, was ihr denen geben könnt, denen es nicht so besonders gut geht. Wer sich das alles bewusst macht, kann einen Unterschied machen. Ja, auch du. Wir sehen uns in der Zukunft. <3

Das ist ein Text aus unserer Ausgabe 6/2021: Außerdem findet ihr darin 100 spannende Menschen, von denen wir im neuen Jahr Großes erwarten. Wir haben die Musik-Chefin von Youtube Deutschland im Berliner Google-Büro getroffen. Und der CEO von Reddit war in der Redaktion zu Gast und hat mit uns über Memes und WallStreetBets diskutiert. Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

Das könnte dich auch interessieren

Warum Narzisst:innen Gift für die Fehlerkultur in Unternehmen sind Leadership & Karriere
Warum Narzisst:innen Gift für die Fehlerkultur in Unternehmen sind
Wie wird man auch nach 18 Jahren als Startup wahrgenommen? Der Fritz-Kola-Gründer erklärt seine Strategie Leadership & Karriere
Wie wird man auch nach 18 Jahren als Startup wahrgenommen? Der Fritz-Kola-Gründer erklärt seine Strategie
„Ich kämpfe für Frauen im Rap“ – Badmómzjay im Interview Leadership & Karriere
„Ich kämpfe für Frauen im Rap“ – Badmómzjay im Interview