Green & Sustainability Dieses Startup entwickelt ein Tool, das den CO2-Ausstoß von Kleidung ausgleicht

Dieses Startup entwickelt ein Tool, das den CO2-Ausstoß von Kleidung ausgleicht

Fast Fashion gilt als Klimakiller. Das Startup Coko will die Lösung haben: ein Tool, das den CO₂-Ausstoß von Kleidung ausgleicht.

Vier Milliarden Tonnen CO₂ – so hoch sind die Emissionen der globalen Textilindustrie jährlich. Mehr als die des internationalen Flug- und Schiffsverkehrs zusammen. Kein Wunder, wenn allein die Deutschen durchschnittlich 60 neue Kleidungsstücke pro Jahr kaufen. Shoppen tut eben der Seele gut – dem Planeten leider nicht.

Eine Idee für eine positive Veränderung hat Maik Martin: „Wir müssen genau jetzt damit anfangen“, sagt der Gründer und CEO von Coko. Das Hamburger Startup hat eine Technologie entwickelt, die CO₂-Emissionen von Kleidung ausgleichen soll.

Gründer und CEO Maik Martin

Martin lernte seinen Co-Gründer Philipp Gerbrand 2018 in einem Surfer-Hostel in Kolumbien kennen, wo sie auf Einheimische trafen. Die hatten durch den ansteigenden Meeresspiegel ihre Häuser verloren. „Da haben wir den Klimawandel noch mal ganz anders zu spüren bekommen“, sagt Martin.

Gegen den Klimakiller Fashion

Zurück in Hamburg, ließ sie das schlechte Gewissen nicht los. Martin und Gerbrand wollten ihr eigenes nachhaltiges Business aufbauen. Die erste Idee: in die Mikro-Mobilitätsbranche einsteigen. Der Markt war jedoch zu breit. „Der Mensch wird nicht ganz aufs Fliegen verzichten, aber er kann den entstandenen CO₂-Ausstoß kompensieren. Diese Logik haben wir auf eine andere Branche übertragen“, sagt Martin. Nämlich auf den großen Klimakiller Fashion.

Martin hatte bereits Expertise in Sales, Marketing und Kommunikation, Gerbrand in Daten, Controlling und Finanzen. Fehlte nur noch der Techie im Team: Im November 2020 kam dann Patrick Martin als CTO hinzu.

Mittlerweile zählt Coko sechs Mitglieder. Ihre Aufgabe laut CEO Martin: „Unsere Vision ist es, die Entscheidungen der Konsumentinnen und Konsumenten positiv zu beeinflussen. Damit der Erhalt unseres Planeten langfristig gewährleistet werden kann.“

Das funktioniert so: Coko berechnet also von jedem Kleidungsstück die CO₂-Emissionen in der Wertschöpfungskette. Dafür hat das Team eine eigene Datenbank und eine App entwickelt. „Die Berechnung ist unglaublich komplex. Deshalb haben wir uns zu Beginn über 200 Studien angesehen und arbeiten mit der größten Lebenszyklus-Inventardatenbank zusammen“, sagt Martin.

Das Asset: die eigene Datenbank

Coko nutzt alle Informationen, die es zum Produkt gibt: Kategorie, Name, Größe des Artikels und Material. Diese lassen sich dann mit der Datenbank abgleichen, sodass ein ziemlich genauer CO₂-Wert ausgerechnet wird. Beim Check-out zahlt man dann beim entsprechenden Onlinehändler einen daraufhin berechneten Minimalbetrag on top.

„Unser Asset ist unsere eigene Datenbank. Damit können wir immer wieder auf viele Produkte aus verschiedenen Shops zurückgreifen. Das wird mit der Zeit immer mehr und damit auch standardisierter“, sagt Martin. Und an welcher Stelle verdient Coko in diesem Prozess Geld? Zum einen zahlt jeder Shop einen Betrag an Coko für die CO₂-Berechnung und Integration des Tools, zum anderen nimmt Coko eine kleine Provision von jedem Umweltbeitrag, der gezahlt wird.

Was Coko von ähnlichen Anbieter:innen auf dem Markt abhebt: Das Startup macht Unterschiede bei den verschiedenen Größen. Außerdem gräbt Coko so tief, wie es nur geht, um alle Informationen zu erhalten. Martin erzählt, sie würden zum Beispiel mit den verarbeitenden Betrieben in Indien oder China in Kontakt treten, um von allen Beteiligten vor Ort Einblicke zu bekommen. „So schaffen wir mehr Genauigkeit und mehr Transparenz“, sagt Martin.

„Wir wollen gerade die Marken überzeugen, die bisher noch nicht nachhaltig sind.“

Er sehe Coko gerade noch in der Entwicklungsphase, ihre Technologie sei jetzt in über 30 Shops live. „Wir begrenzen uns momentan noch auf Marken, die meist eh schon nachhaltig produzieren oder Secondhandware verkaufen. Aber wir wollen gerade die Marken überzeugen, die bisher eben noch nicht nachhaltig sind“, sagt Martin. Der Haken: Aktuell kommen nur Shops infrage, die Shopify nutzen.

„Wir arbeiten daran, auch bald für andere Systeme eine Lösung zu entwickeln“, sagt Martin. Coko würde keinen Shop ablehnen. Martin: „Es hilft ja nicht, nur in der Nachhaltigkeitsbubble zu fischen. Von daher würde ich auch Ja zu den Großen der Branche sagen.“ Erste Gespräche dazu laufen bereits. „Wir wollen die Textilindustrie endlich ins 21. Jahrhundert holen“, sagt Martin. Wird auch Zeit: Vier Milliarden Tonnen CO₂ reduzieren sich schließlich nicht von allein.

Dies ist ein Text aus unserer Ausgabe 1/2022: In unserem Dossier beschäftigen wir uns mit dem Comeback des luxuriösen Lifestyles: reisen, speisen, residieren. Wir haben außerdem die Königsklasse der Fin-Meme-Bubble Papas Kreditkarte und Hedgefonds Henning zum Doppelinterview getroffen. Und mit Sony Musics GSA-CEO über seine Wurzeln gesprochen, über Dante Alighieri und darüber was ein Plattenlabel ausmacht, wenn es gar keine Platten mehr gibt. Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

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