Personal Finance Das Fintech Inyova ermöglicht Impact-Investing ganz ohne Börsen-Knowhow

Das Fintech Inyova ermöglicht Impact-Investing ganz ohne Börsen-Knowhow

Ein Phänomen der vergangenen Jahre: Plattformen für Privatanleger:innen gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Kauf einzelner Aktien, ETFs, Sparpläne – kennt man, kennt man, kennt man. So richtig unterscheidbar ist das Angebot der einzelnen Apps eigentlich nicht mehr. Die nächste Phase der Innovation sieht nach dem gelernten Prinzip nun vor, dass sich die einzelnen Player:innen in Ausrichtung und Philosophie abheben und allein über die Positionierung im Markt einen Mehrwert bieten. Etwa der Schweizer Anbieter Inyova, das auf Investments in nachhaltige Unternehmen setzt.

Der Name ist dabei Programm: Inyova ist die Kurzform für „Invest in your values“. Die Plattform basiert auf dem Kerngedanken des Impact-Investing. Der unternehmerische Ansatz: „Wenn du die Welt retten willst, dann musst du eine bessere Party schmeißen als diejenigen, die sie kaputt machen“, wie es CEO Tillmann Lang formuliert. Er gründete das Fintech vor vier Jahren in Zürich. Seit Juni 2021 ist die Plattform auch in Deutschland aktiv.

Wähle weise

Das Prinzip von Inyova sieht vor, dass man nach der Anmeldung Werte auswählt, die einem persönlich wichtig sind. Zur Verfügung stehen etwa Gleichberechtigung, Tierschutz oder erneuerbare Energien. Diese Werte nennt Lang den „Handabdruck“ – gemeint sind die Produkte und Dienstleistungen der jeweiligen börsennotierten Firmen. Anschließend sucht die Software aus 350 Aktien zu den ausgewählten Werten passende Aktien. Heraus kommt ein personalisiertes Portfolio aus 40 Einzelaktien. Wie das Geld in die einzelnen Aktien investiert wird, erfolgt risikooptimiert durch einen Algorithmus. Starten kann man ab 100 Euro. Das Portfolio kann jederzeit von den Kund:innen angepasst werden.

„Es ist der große Plot-Twist in meinem Leben, dass ich jetzt Asset-Manager geworden bin.“

Tillmann Lang

Interessant bei der Ausrichtung ist die Vorauswahl von Inyova: Welche Aktien werden zur Verfügung gestellt, wer kommt rein, wer fliegt raus? Denn was für den einen Anleger schwere Vergehen gegen Recht und Natur bedeuten mag, führt bei einer anderen Anlegerin vielleicht maximal zu Achselzucken – vor allem dann, wenn reizvolle Renditen locken. Lang macht es an einem Beispiel deutlich: „Tesla landet bei uns wegen der arbeitsrechtlichen Probleme nie automatisch im Portfolio.“ Will man Elons Batteriekarre trotzdem im Depot haben, fügt man Tesla mit einem Klick hinzu, der Algorithmus wird dann dementsprechend angepasst. Und sorry, Bootsschuh-Bruder: Hebel kann man nicht setzen. Auch klar: Rüstungsaktien wie Smith & Wesson sucht man vergeblich.

Lang studierte Mathematik und Informatik, arbeitete in der Wissenschaft und bei McKinsey. „Ich habe immer gesagt, dass ich nie in der Finanzbranche arbeiten will. Es ist der große Plot-Twist in meinem Leben, dass ich jetzt Asset-Manager geworden bin“, sagt er.

©Inyova

ETF – WTF?

Dass ihn der Karriereweg dann ausgerechnet zum Gründen einer Investmentplattform geführt hat, lag an der Lücke im Markt, die sich ihm gezeigt hat. Im Prinzip ist das, was Inyova macht, eine personalisierte Form von Direct Indexing – in den USA bereits eine gängige Anlagestrategie. In Europa hingegen gibt es noch jede Menge Luft nach oben im Markt für Kleinanleger:innen. Wie überhaupt das ganze Investment-Game auf Smartphones erst seit rund drei Jahren heftig um sich greift.

Kleinanleger:innen setzten zuletzt am liebsten auf ETFs, das mittlerweile anerkannte Allheilmittel für relativ sicheren, stetigen Wertzuwachs. Und wer eben auf nachhaltige Investments setzen will, dem bietet Inyova den Vorteil der Transparenz. Denn wer sich umfassend darüber informieren will, welche Positionen genau in seinem schönen Ruhestands-ETF stecken, darf erst mal eine Weile googeln. Inyova nimmt einem in der App die Mühe ab, beschreibt und bewertet die einzelnen Aktien. Lang sieht das langfristige Potenzial der Impact-Transformation: „In zehn Jahren wird es keine Geldanlagen mehr geben, die keine Impact-Mechanismen haben“, sagt der CEO.


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