Leadership & Karriere „Ich kämpfe für Frauen im Rap“ – Badmómzjay im Interview

„Ich kämpfe für Frauen im Rap“ – Badmómzjay im Interview

Business School of Rap: Badmómzjay hat es als Newcomerin im Deutschrap innerhalb von zwei Jahren an die Spitze der deutschen Charts geschafft. Hier erklärt die Rapperin, wie man against all odds Erfolg hat.

• Hustlen lohnt sich!

„Gib mir noch bisschen Zeit und ich komm’ on top mit den Rhymes / Seid geschockt, weil ich dropp’ auf die Eins“ – diese Ansage macht Badmómzjay in ihrem ersten Solosong „24/7“ . Der Titel deutet schon darauf hin: Wer Erfolg haben will, muss alles geben. Auf Samtpfoten erklimmt keiner die Karriereleiter. Was die Rapperin zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnte: Nur zwei Jahre nach der Veröffentlichung landete sie gemeinsam mit Kasimir1441 den Nummer-eins-Hit „Ohne Dich“.

Doch das war nicht der Beginn ihrer Rap-Karriere. Die startete auf Instagram. Ihren ersten Text schrieb Badmómzjay 2018. Sie rappte ein paar Lines auf einen Beat von Nicki Minaj, filmte sich dabei und lud das Video auf Social Media hoch. Boom! Seither ging es aufwärts. Letztes Jahr erschien ihr erstes eigenes Album: „badmómz“.

Ihr Rezept: Selbstzweifel beiseiteschieben, sich auf das Talent fokussieren und immer dranbleiben, auch wenn es mal mehrere Monate nicht gut lief, wie sie sagt. „Du musst unfassbar an dich glauben und verstehen, dass nicht alles immer nur perfekt läuft. Wenn du aufgibst, verschenkst du vielleicht eine Chance.“

• Du bist anders? Ja, geil!

Badmómzjay ist mit wenig aufgewachsen, hat das Image einer Außenseiterin. Sie habe viel damit gekämpft, in die Welt hinauszugehen und Freundschaften zu knüpfen, erzählt sie. Aber: Badmómzjay versteckt sich nicht hinter ihrer Herkunft oder hinter ihrem sozialen Status. Leugnet nichts. Im Gegenteil: Sie trägt ihn mit Stolz: „Are you mad? / Mann, ich bitte dich / Started from the bottom, Dikka, du kommst aus der Mittelschicht.“

Badmómzjay kommt aus Brandenburg an der Havel. Traumjob? Hatte sie keinen. Obwohl sie an einer Schule war, die sehr berufsorientiert ist: „Ich habe vieles ausprobiert, habe aber nie etwas für mich gefunden, wo ich reingepasst habe, wo ich mich ausleben und richtig ausdrücken konnte“, sagt sie. „Wenn du nicht weißt, was du machen willst, alle anderen um dich herum aber schon, dann fühlt man sich schnell außen vor.“

Ihren Weg als Künstlerin hat sie dennoch gefunden. Du passt nicht ganz ins Team? Unpraktisch, aber kein Karrierekiller. Du bist Quereinsteiger:in und gehst Aufgaben anders an als deine Kolleg:innen? Gut so! Du kommst nicht aus einer Akademikerfamilie? Egal! Du kannst trotzdem studieren, Führungspositionen einnehmen und den ganzen Laden auseinandernehmen.

• Power to the Female!

„Sag, wo alle meine Queens sind / Das’ der Sound, wenn ein G sweept / Sag ihn, ich bin mehr als nur sweet, Bitch“: Badmómzjay bricht in ihren Texten mit stereotypen Frauenbildern – und zwar mit Wucht. Eine Frau sollte dieses tun oder jenes? Blablabla. Schluss damit! Female Empowerment ist ein Herzensthema für die Rapperin.

„Die Leute haben irgendwie immer noch nicht verstanden, dass Frauen auch rappen und teilweise besser sind als Männer“, sagt Badmómzjay. Das drückt sie auch in „Don’t Play Me“ aus: „Es wird Zeit, dass wir women rulen / Sie reduzieren uns auf ihr Minimum.“

Sie selbst supportet andere Frauen im Rap, nahm für ihr Soloalbum ein Female Feature mit den Rapperinnen Bounty & Cocoa auf. „Golden Dolls“ heißt der Track, der einer ihrer Lieblingssongs ist. „Ich bin eine Frau im Rap, und deswegen kämpfe ich auch für Frauen im Rap. Ich finde es traurig, dass da so wenig Support stattfindet. Das stört mich“, sagt sie.

Also: Bezieh beim nächsten Projekt deine Kollegin mit ein, unterstütze sie und ihre Themenvorschläge und halte in Meetings zu ihr. Denn sie hat recht, wenn sie rappt: „Was weißt du von hier?/ Wo du als Frau immer dreimal mehr geben musst.“ Übrigens: Das Gleiche gilt für sie für Teammitglieder aus der LGBTQI+-Community.

• Zero Fucks Given

Was ist die Steigerung für die so übliche Floskel „Sei nicht Everybody’s Darling“? Badmómzjay hat sie gefunden: „Auch wenn es ihn’n grad nicht passt / Bleib’ ich die Queen of no Fucks“, macht sie in „Sterne unterm Dach deutlich“. Micdrop. Diese Attitude kann man ruhig auch mal im Büro an den Tag legen. Jemand redet schlecht über dich? Zeit für eine Runde „Mittelfinger-Shots“. Verlier nicht dich selbst oder deinen Fokus, nur weil es Menschen gibt, die dich runterziehen wollen. Krone richten, Abfahrt!

Das bedeutet nicht, dass man ignorant und arrogant durch die Welt stolzieren soll: „Bei Gefühlen von anderen und bei wichtigen Themen, mit denen sich alle auseinandersetzen müssen, sollte man auf jeden Fall zuhören“, sagt Badmómzjay. Fine. Unterschreiben wir.

• Kenn deinen Wert

„Ich schreib Songs, da habt ihr nicht mal aufgeraucht / Gib mir ein’ Euro, ich mach tausend draus / Nehmt tausend, schlag mal hunderttausend drauf / So viel hol ich mit nur einem Album raus“, rappt Badmómzjay in „Hahaha“. Die Message ist klar: Mach aus deinem Können Kohle. Sei dir bewusst, welchen Wert deine Qualifikationen haben. Auch ein weiteres Standbein ist drin. Wichtig ist, dabei nicht vom Weg abzukommen: „Ich gönne jedem sein Geld und seinen Hustle, aber ich finde, dass man gezielt Dinge machen sollte, in denen man gut ist“, sagt sie.

Apropos Geld. Bevor man grüne Scheine scheffelt, sollte man sich überlegen, was Erfolg für einen persönlich bedeutet. Denn danach handelt man. Auch wenn Badmómzjay viel über Geld und materiellen Status rappt, Erfolg ist das für sie nicht, wie sie sagt. Sondern: „Wenn ich sehe, dass Menschen mit meiner Kunst etwas verbinden, ich etwas in ihnen auslöse und sie daran wachsen.“

• Nicht alle meinen es gut mit dir

„Ich bin sehr anfällig für nette Leute“, sagt sie. „Sie sind für mich ein Hoffnungsschimmer. Oft werde ich aber enttäuscht, wenn Leute nur nett waren, um ihren Nutzen aus mir zu ziehen. Ich musste früh lernen, da vorsichtig zu sein.“ Im Track „badmómz“ rappt sie. „Seit der Eins kommt jeder schleimen / Tu mir ein’ Gefallen: Zieh den Kopf raus / Mach kein Feature, weil du Fame willst, yeah / Kein Track nur wegen Playlist, yeah.“

Wenn dir jemand also aus heiterem Himmel Honig ums Maul schmiert, sei skeptisch. Denk an Badmómzjay. Frag dich, was diese Person von dir wollen könnte. Denn eins ist klar: Menschen, die einen ausnutzen, braucht niemand. Ein toxisches Umfeld schon dreimal nicht. Wer nicht geben will, sollte auch nicht nehmen.

• Emotionen sind keine Schwäche

Eine weitere Floskel aus dem Joballtag, die sich mit Texten von Badmómzjay widerlegen lässt: „Emotionen haben im Job nichts verloren.“ Ein Blick in die Songs der Rapperin macht Mut. Badmómzjay geht ganz offen mit negativen Gefühlen wie Wut, Traurigkeit und Angst in ihrer Musik um. „In jeder scheiss Platinumplatte stecken fast einhundert Panikattacken.“ Die Line stammt aus „Sterne unterm Dach“. Sie geht nah, gehört zu ihren Faves.

„Viele wollen mich tatsächlich immer dahin drücken, nicht so viele Emotionen zu zeigen“, sagt Badmómzjay. „Ich habe aber kein Problem damit, mit meinen Gefühlen offen umzugehen, auch nicht mit den positiven. Ohne Emotionen wirkt man nicht menschlich.“

Ab heute gilt: Versteckt euch nicht mit euren Gedanken und Gefühlen hinterm Laptop. Wer sagt, was er fühlt, wirkt nahbar, authentisch und baut eine Verbindung zu Menschen auf. „Es geht unfassbar auf die Psyche, wenn man sich den ganzen Tag im Job hinsetzt und so tut, als wäre alles okay, wenn es das nicht ist“, sagt die Rapperin. Also: Tut euch den Gefallen und seid ehrlich zu euch und eurer Umgebung.

• „Zimmer allein“

Einer der programmatischsten Songs auf dem Soloalbum von Badmómzjay heißt „Zimmer allein“. Er handelt davon, dass die Welt manchmal zu viel sein kann, man sich einfach nur zurückziehen möchte. „Mama hat mir mal gesagt: ,Dieses Leben ist hart und es wird immer so sein.‘ / Doch ich komm schon damit klar, schreibe tausende Parts in meinem Zimmer allein.“

Für Badmómzjay ist Alleinsein eine Stärke. Sich mit den eigenen Gedanken und Emotionen auseinanderzusetzen gehört dazu, um zu wachsen. „Ich bin lieber alleine als mit irgendwelchen Idioten, die mich in meinem Sein einschränken“, sagt sie. „Erst wenn du richtig verstehst, wie es ist, alleine zu sein, und damit klarkommst, ist es magisch, wenn du mit anderen Menschen zusammenkommst.“

Auch wenn das nicht die Intention des Textes von Badmómzjay ist, er ist eine Analogie zum Essay „Ein Zimmer für sich allein“ der Schriftstellerin Virginia Woolf – und das nicht nur wegen des Titels. Woolf erklärt darin, dass eine Frau „fünfhundert Pfund im Jahr und ein eigenes Zimmer” brauche, um richtige Literatur zu schreiben. Bei Badmómzjay hat es geklappt.

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