Life & Style „Wen nur Adrenalin treibt, der ist am Ende“ – Biker Kilian Bron im Interview

„Wen nur Adrenalin treibt, der ist am Ende“ – Biker Kilian Bron im Interview

Asphaltierte Radwege, Straßenschilder und lässiges Cruising sind nichts für Kilian Bron – der Mountainbike-Profi tritt erst dort in die Pedale, wo andere erschöpft aufgeben. Ein Gespräch über den Weg als Ziel.

Wer auf Youtube seine halsbrecherischen Touren durch atemberaubende Landschaften verfolgt, denkt vermutlich das über den Extrem-Biker Kilian Bron: Noch so eine krasse Abfahrt durch enge Ackerfurchen, und mir kommt die Lunch-Bowl wieder hoch.

Und, maybe it’s just me, aber der hat doch irgendwie eine Radmutter locker, der 30-jährige Franzose, oder? Wer sich jedoch persönlich mit ihm über seine Enduro- und Freeride-Abenteuer austauscht, die er mit Team und drei Drohnen in fantastische Videos verwandelt – etwa das Alpenrennen „Mountain of Hell“ –, der lernt vor allem einen leidenschaftlichen Athleten kennen. Ohne Todessehnsucht, dafür mit Geschäftssinn.

Aktuell kann sich Bron auf seinen Touren nämlich über die Unterstützung der Uhrenmarke Tissot freuen, deren Modell „T-Touch Connect Solar“ er im Sattel trägt. Im Interview gibt er Anfänger:innen erste Starthilfen.

DER REIZ: „Mein Fahrrad ist mehr als ein cooles Spielzeug. Es hilft mir dabei, mich selbst auszudrücken und Orte zu erkunden, von denen ich schon lange geträumt habe. Über die Jahre haben sich die Touren meinen gestiegenen technischen Fähigkeiten angepasst und sind anspruchsvoller geworden. Doch das Ziel ist gleich geblieben, nämlich schwer erreichbare Naturszenerien zu erkunden. Früher habe ich zwischendrin das Bike auf den Rücken geschnallt und bin geklettert. Heute bleibe ich im Sattel: auf aktiven Vulkanen, Gletschern und über wackelige Hängebrücken zwischen zwei Berghängen.“

DER START: „Das Wichtigste für Anfänger ist, eine der eigenen Fitness angemessene Routine zu etablieren. Fünf Tage pausenlos trainieren und dann 20 Tage auf dem Sofa – das funktioniert nicht. Lieber alles Schritt für Schritt, das Long Game spielen und dabei Themen wie gesunde Ernährung und erholsamen Schlaf nicht vergessen. Und dann einfach anfangen, das Ganze ernst nehmen und geduldig bleiben. Zu Beginn empfiehlt sich natürlich eher ein schöner Flow-Trail als eine felsige Steilstrecke. Wer beginnt, eine Verbindung zwischen dem Rad und seinem Körper zu spüren, jede Bodenwelle oder Kurve vorausahnt, der ist bereit, sich stärker zu fordern.“

DER BOOM: „In den letzten Jahren ist bei immer mehr Menschen der Wunsch entstanden, ihre Freizeit, sooft es geht, draußen zu verbringen und die sogenannten einfachen Dinge des Lebens zu genießen. So hat es auch bei mir vor 17 Jahren angefangen, mit diesem herrlichen Gefühl von Freiheit, das mich erfüllt, wenn ich auf zwei Rädern unterwegs bin. Großartig, wenn das nun ein breiteres Publikum erreicht. Bei E-Bikes habe ich übrigens keine Scheuklappen. Die Technologie erweitert meine Möglichkeiten ungemein.“

DER WEG: „Ich bin ständig auf der Suche nach abgelegenen Strecken, gern in der Mitte von nirgendwo. Für ein fünfminütiges Video, beispielsweise aus Mexiko, verbringen wir bis zu einen Monat dort. Unvergessliche Momente mit den tollen Locals zu teilen – und danach mit der Welt. Darum geht es. Dazu gehört eine Menge Planung und Vorbereitung. Jeden Abschnitt, den wir filmen, habe ich vorher zweimal geprüft, damit ich später genau weiß, was zu tun ist. Aber wenn ich losfahre, wirkt alles wie eingefroren. Dann befinde ich mich auf einem anderen Planeten.“

DIE GEFAHR: „Bevor ich ,Go‘ sage, habe ich immer Angst. Sie schärft meine Konzentration und bewahrt mich davor, die Herausforderung zu banalisieren. Man muss auch unbedingt bereit sein, in sich hineinzuspüren und zu sagen: Sorry, heute ist das nichts für mich. Mit den eigenen Grenzen spielen und sie ausreizen, das sollte nur tun, wer sie sehr gut kennt. Wenn dich allein das Adrenalin antreibt, bist du am Ende.“

DER TRAUM: „Ich tippe diese Antworten gerade in einem Flugzeug auf der Reise nach Südamerika. Dort planen wir, den historischen Straßen der Mayas und der Inkas zu folgen und dabei ursprüngliche, sehr abgelegene Gemeinden zu besuchen. Auf bis zu 6 000 Metern Höhe. Das wird fantastisch!“

Den ganzen Text lest ihr in unserer Ausgabe 2/22. Außerdem: Krypto-Art-Dossier. Big-Wave-Surfen in Portugal. Der CEO der Online-Uni Coursera. Und Cannabis aus Sachsen. Am Kiosk oder hier.

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