Life & Style Endlich vorbei! Wie wir nach dem “Dry January” eifrig weiter trinken

Endlich vorbei! Wie wir nach dem “Dry January” eifrig weiter trinken

Geschafft! So freut sich der eine oder die andere, dass der “Dry January” wieder vorüber ist. Nun kann man aufatmen und das erste Glas Wein heben – nach einem ganzen Monat Abstinenz. Dabei verbergen sich hinter diesem Jubel tiefergehende Fragen zu Deutschlands ambivalenter Beziehung zum Alkohol.

Deutschland, das Land der Biere, der Weine und der geselligen Zusammenkünfte in den Biergärten, hat ein gewaltiges Alkoholproblem. Statistiken zeigen, dass der Pro-Kopf-Konsum von reinem Alkohol in Deutschland zu den höchsten in Europa gehört: 12,2 Liter puren Alkohol trinken die Deutschen pro Jahr und landen mit diesem Wert auf dem Spitzenplatz vier im Europa-Vergleich. Während sich hierzulande also viele über das Ende des “Dry January” freuen und erleichtert ihre Weingläser wieder in die Hand nehmen, lässt diese Zahl aufhorchen. Ein monatlicher Verzicht auf Alkohol scheint noch lange nicht genug zu sein, um dieses Problem in den Griff zu bekommen, das bereits bei der Gesetzgebung anfängt.

Denn Alkohol ist bei uns tief verwurzelt. Und zwar so tief, dass Jugendliche schon ab 14 Jahren zum Maß Bier greifen dürfen. Aber natürlich nicht ohne Aufsicht! Die Eltern sitzen ja dann daneben. Dass Bier auch mit den Erziehungsberechtigten gegenüber Schäden im Körper eines jungen Menschen anrichten kann, das lassen wir an dieser Stelle lieber außen vor. Genauso wie den Fakt, dass im Jahr circa 300.000 Menschen an den Folgen des übermäßigen Alkoholkonsums sterben.

Mit der Gesetzgebung des begleiteten Trinkens ist Deutschland übrigens das einzige Land in Europa. Der Sucht- und Drogenbeauftragte Burkhard Blienert kritisiert das in einem tz-Interview: “Darin spiegelt sich die anachronistische Wahrnehmung, dass wir in Deutschland kein Alkoholproblem hätten. Wir haben aber ein dickes Problem beim Alkoholkonsum. Alkohol ist ein sehr starkes Zellgift.” Er ist dafür, dass das begleitete Trinken abgeschafft werden muss.

Doch so sehen es nicht alle. Thomas Geppert von der Dehoga Bayern findet: „Da wird ein Problem aufgemacht, das überhaupt kein Problem ist.” Für ihn ist Alkohol vor allem eins: Kultur. „Es geht um einen maßvollen, gewissenhaften Umgang mit Alkohol. Bier und Wein sind bei uns ja auch Kulturgüter”, so Geppert. So sei es für ihn besser, wenn Jugendliche gemeinsam mit den Eltern in einer kontrollierten Atmosphäre Alkohol trinken als heimlich mit den Freunden oder im Keller.

Während wir mit unseren Kindern also in Deutschland heiter weiter saufen, nachdem wir stolz verkünden können, die 31-tägige Abstinenz durchgehalten zu haben, steckt offenbar ein Konsumproblem in uns Deutschen, das wir nicht einfach durch einen “Dry January” weglächeln können. Oder doch? Wie auch immer. Hier ist dein erstes Bier, mein Sohn.

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