Productivity & New Work Rapperin Elif: „Ich wurde erst richtig erfolgreich, als ich mich dazu entschieden habe“

Rapperin Elif: „Ich wurde erst richtig erfolgreich, als ich mich dazu entschieden habe“

2009 nahm Elif an der Castingshow „Popstars“ teil und sammelte dort erste Erfahrungen im Musik-Biz – mit gerade mal 16 Jahren. Seither feilt sie an ihrer Karriere. Ihre Spezialgebiete dabei: Lovesongs und große Emotionen.

• Dein Weg ist die Überholspur

„Ich bin wieder viel zu schnell auf dem Highway (…) Schon verrückt, was passiert ist, so war das nicht vor’ paar Jahren / Auch wenn’s manchmal zu viel ist, nehm’ den Fuß nicht vom Gas“, singt Elif gemeinsam mit Katja Krasavice im Song namens „Highway“. Bleiben wir bei der Auto-Analogie und übertragen sie auf die Arbeitswelt: Der Wagen ist das Projekt, ausgestattet mit ordentlich viel PS. Einmal gestartet, geht es darum, andere auf dem Weg ins Ziel zu überholen. Immer Vollgas, immer weiter und weiter und weiter.

Aber nicht vergessen: zwischendurch kurze Pausen einlegen, um Energie aufzutanken. Ohne Sprit kein Spirit. Ist ein Ziel dann erreicht, steuert man direkt auf das nächste zu. „Was meine Karriere angeht, bin ich seit zweieinhalb Jahren am Rennen“, sagt Elif. „Man muss den Willen haben, nach vorne zu preschen und immer sein Bestes zu geben.“ Heißt: Während der Fahrt auf dem Highway also nicht gemütlich aus dem Fenster schauen und jede Tanke als Boxenstopp mitnehmen. Deine drei Topbegleiter auf dem Karriereweg laut Elif? Disziplin, Fokus und Mitdenken. Dein Motto? Heißt ab jetzt bitte schön „Es gibt kein Limit“.

• Erfolg ist eine Entscheidung

Auf dem Highway unterwegs zu sein setzt eine notwendige Bedingung voraus: ein genau bestimmtes Ziel und einen klaren Weg. Der Rückwärtsgang kommt nicht mehr infrage. „Ich wurde erst richtig erfolgreich, als ich mich dazu entschieden habe, kommerziell erfolgreich sein zu wollen“, sagt Elif. „Ab da habe ich angefangen, Entscheidungen anders zu treffen und mein Mindset zu verändern. Ich hatte auch schon früher Möglichkeiten, schnell nach oben zu kommen, aber ich hatte Angst vor dem Erfolg und vor der Verantwortung.“

Also: Du willst gründen? Den Social-Media-Kanal eurer Firma von null Followern aufbauen? Oder doch lieber Linkedin-Influencer:in werden? Dann richte deine Business-Moves konsequent danach aus. Suche dir Partner:innen, die den gleichen Anspruch haben wie du, verzichte auf Jasager:innen im Team, hole dir Mentor:innen, die dich pushen, 120 Prozent zu geben, und vor allem: Entscheide dich für ein Geschäftsmodell – long run vs. short run. „Es gibt Menschen, die wollen als Künstler nur drei Jahre existieren, und nehmen alles mit, was geht“, sagt Elif. „Das ist auch ein Business, aber nicht meins.“ Alles also ganz getreu Elifs Song „Anlauf nehmen“. Darin rappt sie: „Immer wieder Anlauf nehmen / Mit vollem Herzen losrennen / Immer ein Stück höher springen / Immer wieder Anlauf nehmen.“

• Zieh’s durch

Dieses Learning resultiert automatisch aus den ersten beiden. Du hast dich für dein Business entschieden und hängst dich voll rein. Es vergehen ein Monat, zwei Monate, drei Monate – und du siehst noch nicht die gewünschten Erfolge? Klar, du bist auch noch zu kurz dabei. „Wenn du ein neues Geschäftsmodell entwickelst, dann zieh ein Jahr deinen Willen durch, und dann beurteile das“, sagt Elif. „Es dauert, bis Menschen dein Business und deine Marke verstehen.“ Neben Power ist also auch Ausdauer ein wichtiger Faktor für den Erfolg. Rückschläge und Fuck-ups gehören dazu. So sieht es auch Elif. In ihrem Song „Auf halber Strecke“ heißt es: „Auf halber Strecke geben wir nicht auf / Auch wenn du fliehen willst, dann lauf / Einfach weiter geradeaus / Auf halber Strecke ist es genauso nah wie weit.“

Aus ihrer eigenen Erfahrung weiß die Musikerin: Gut Ding will Weile haben. Zehn Jahre sind da keine verkehrte Timeline. Ja, richtig gelesen. „Es gibt Leute, die schießen schnell mit ihrem Erfolg nach oben. Ich kenne aber viele Leute, die wie ich zehn Jahre gebraucht haben, um dort zu sein, wo sie jetzt sind“, sagt Elif. „Wenn du das gerockt hast, bist du aus deinem Job nicht mehr wegzudenken. Du beweist dir auch selbst damit, dass du es willst.“

• Alles hat seinen Preis

Nächste alte Weisheit direkt hinterher: Nichts ist umsonst. Auch Erfolg nicht. „Wenn man ein Business starten will, dann muss man jeden Tag etwas dafür tun“, sagt Elif. „Man wird auch seine Preise zahlen.“ Heißt: Familie und Freunde werden vernachlässigt, Freizeit wird ein knappes Gut, schlaflose Nächte gehören zum Alltag. „Erst wenn du etwas mit Hingabe machst und dich aufopferst, wird es dir wichtig. Mein Kopf ist immer an. Was meinen Job angeht, bin ich wahnsinnig.“ Opfer zu bringen gehört einfach dazu.

Dennoch ist es wichtig, sich nicht allzu sehr zu verlieren und ab und an auch mal abzuschalten – und das sehr bewusst. „Freunde und Liebe bringen dir kein Geld, die zahlen dir keine Miete, das musst du dir richtig gönnen, Zeit darin zu investieren.“

• Starte so jung wie möglich

ASAP – diese vier Buchstaben sollten einem eigentlich aufs Hirn tätowiert sein. Sicherlich kannst du die nächsten zehn Jahre in einem KMU Erfahrungen sammeln und erst dann gründen. Du kannst aber auch einfach direkt starten – jetzt, heute. Alles auf eine Karte setzen, Hobbys und Side-Hustles ausblenden, konsequent umsetzen, was für die Zielerreichung nötig ist. Dazu am besten an die Zeilen aus Elifs Song „Doppelleben“ halten: „Einen neuen Boden bauen / Den ganzen Fake aufgeben / Schluss mit diesem Doppelleben.“

Denn solange man noch relativ jung ist, werden einem Fehltritte eher verziehen. Ergo: Du kannst dich freier ausprobieren und hast länger Zeit, den Jobbereich zu finden, in dem du dich wohlfühlst. „Je später du anfängst, desto mehr Druck ist da. Für das, was ich mit 29 erreichen möchte, muss ich abliefern. Mit Anfang 20 konnte ich mich noch mehr ausprobieren“, sagt Elif.

• „Alles helal“

Der folgende Ratschlag geht ein wenig in den vorherigen über: Alles ist erlaubt – darum geht es auch in Elifs Song „Alles helal“. Oder in Lines ausgedrückt: „Kann kein Engel sein, weil der Teufel diese Welt regiert / Muss mich verschwenden, meine Grenzen klär’ ich selbst mit mir (…) Alles helal.“

Dass man sich diese Einstellung auch für den täglichen Büro-Hustle aneignen soll, kommt von der Musikerin selbst. „Mir hat eine Songwriterin vor Jahren mal gesagt, dass ich keine Angst haben muss, über etwas zu reden. Dieser Satz hat mich langfristig geprägt. Tabuthemen setzt man sich selbst, nicht andere.“

• Emotion ist ein Geschäft

„Es ist mein Business, über Liebe zu singen. Ich bin gut darin, die Emotionen in Musik zu transportieren“, heißt es von Elif. Es gibt Themen, die dich emotional beschäftigen? Die dich umtreiben? Auf die du aufmerksam machen willst? Dann nutze das. Emotionen können durchaus auch ein Geschäft sein. Hast du dein Themenfeld gefunden, dann professionalisiere es, eigne dir Wissen dazu an, und stehe dafür ein. „Ich schreibe Songs, damit sich Menschen in sie einfühlen können. Ich bin das Sprachrohr dafür.“ Genau das ist dann auch dein Job.

• Gehe mit Kritik sachlich um

Wo Lob ist, ist auch Kritik nicht weit entfernt. Mit ihr umzugehen ist schwierig. Es ist schließlich unangenehm, wenn man sich für das Business den Arsch aufreißt und sich dann anhören muss, es sei nicht gut genug, dieses und jenes solle man anders machen. Auch Elif hat so eine Erfahrung gemacht. Ihr früherer A&R-Manager gab ihr nach ihrem zweiten Album den Rat, komplett von vorne zu beginnen. Sie habe Talent, müsse jedoch neu ansetzen. Zwischen dem Ratschlag und dem Album „Nacht“, auf dem sie ihn umgesetzt hat, liegen sechs Jahre. „Zuerst hat mich sein Rat unglaublich verletzt. Im Nachhinein weiß ich, er hatte recht. Man sollte nicht alles so persönlich nehmen“, sagt Elif.

„Die Menschen um dich herum wollen dich ja voranbringen.“ Wirst du mit Kritik konfrontiert, findest du in den folgenden Zeilen aus „Umwege gehen“ vielleicht Trost: „Hat sich alles gelohnt, ich kann’s jetzt sehen / War einfach zu jung für deine Ideen / Ich muss mich erst noch finden und Umwege gehen / Ich nehm’ das Beste von uns mit.“

• Du bist das Role-Model

Zuletzt ein kurzer Ratschlag als Snack-Bite für unterwegs: Konzentriere dich auf deinen Weg, und renne nicht dem Weg anderer Menschen hinterher“, sagt Elif. „Bleib du selbst, und lass andere Leute so sein wollen wie du. Das ist das Ziel.“

Dieser Text stammt aus unserer Ausgabe 4/22. Gregor Gysi, Claudia Obert und die Tiktokker Elevator Boys haben mit uns über Geld gesprochen. Außerdem haben wir Streetwear-Legende Karl Kani getroffen und unseren Reporter Dolce Vita auf der Modemesse Pitti Immagine Uomo genießen lassen. Hier geht es zur Bestellung – oder ihr schaut am Kiosk eures Vertrauens vorbei.

Das könnte dich auch interessieren

Abwesenheiten im Team-Kalender eintragen: Es gibt zwei Arten von Menschen Productivity & New Work
Abwesenheiten im Team-Kalender eintragen: Es gibt zwei Arten von Menschen
Ausstieg als Chance: Warum Exit-Interviews ein Must-do in Unternehmen sein sollten Productivity & New Work
Ausstieg als Chance: Warum Exit-Interviews ein Must-do in Unternehmen sein sollten
14 Tage Barcelona: die Startup-Szene auf Klassenfahrt Productivity & New Work
14 Tage Barcelona: die Startup-Szene auf Klassenfahrt