Innovation & Future Das musikalische Metaverse: Wie XR die Musikindustrie revolutioniert

Das musikalische Metaverse: Wie XR die Musikindustrie revolutioniert

Ein Gastbeitrag von Christoph v.d. Malsburg

Es gibt schon lange das Gerücht, dass Tupac noch lebt. Durch die Hologramm-Technik wurde der legendäre Rapper tatsächlich wieder zum Leben erweckt. Gemeinsam mit Dr. Dre und Snopp Dogg gab sich die Raplegende beim Coachella-Festival in Kalifornien ein virtuelles Stelldichein. Jetzt, zehn Jahre später, flimmern in London jugendliche Versionen der ABBA-Mitglieder über die Bühne – was weltweit für großes Aufsehen gesorgt hat. 

Dabei ist die Hologramm-Technik nur eine von zahlreichen Innovationen, die das Musik(er)leben im 21. Jahrhundert revolutionieren wird und völlig neue Möglichkeiten bietet, insbesondere wie Fans und Künstler:innen miteinander interagieren. Und es gibt einige Gründe, warum die Musikindustrie Innovationen derzeit bitter nötig hat.

Im Vergleich zu anderen Märkten, hat die Corona-Pandemie die Event-Branche besonders hart getroffen. Gleichzeitig hat sich die Krise jedoch als Katalysator für neue Technologien erwiesen. Neue Formate schaffen es mittlerweile Komponenten der Entertainment-Industrie mindestens genauso gut abzubilden, neue Ansätze zu integrieren.

Diese neuen Technologien haben nicht den Anspruch die Show-Formate, insbesondere die Live Acts, zu ersetzen, sondern sie zu ergänzen und zusätzliche neue Möglichkeiten für die Industrie zu erschaffen. Sie können nicht nur die ortsunabhängige Kommunikation erleichtern, sondern auch neue Formen der Immersion – Stichwort: Metaverse – ermöglichen.

Gastautor Christoph v.d. Malsburg

VR, AR, XR: Schlüsseltechnologien für das Metaverse

Wer schon einmal ein VR-Headset aufhatte, kennt womöglich dieses besondere Gefühl der Präsenz, das eine:n beim Betreten eines virtuellen Raumes überkommt. Neue Technologien ermöglichen es jetzt in diesen Räumen in Echtzeit mit Menschen zu interagieren – und auch mit deren Avataren. So wird dieses Gefühl sogar noch deutlich verstärkt.

Für die Musik-Branche birgt das gerade erst aufkeimende Metaverse ein enormes Potenzial. Dabei geht es nicht um Covid-konforme Konzerte, sondern um eine neue Art, Fans und Künstler:innen global zu vernetzen und Erlebnisse zu schaffen, die im „Meatspace” so nicht möglich wären.

Auch wenn die eingangs erwähnten Hologramm-Konzerte durchaus ihre Existenzberechtigung haben, handelt es sich bei ihnen am Ende des Tages doch nur um Konserven-Ware. Audio und Video-Material sind vorproduziert, von einem Live-Erlebnis kann also schwerlich die Rede sein.

Einen krassen Gegensatz dazu bieten Konzerte, bei denen Künstler:innen zwar virtuell, aber dennoch in Echtzeit auftreten. Ermöglicht wird dieses Erlebnis durch die Kombination verschiedener Technologien wie Virtual Reality, Augmented Reality und Live Motion Capturing. Die E-Geigerin Lindsay Sterling hat beispielsweise bereits im Jahr 2019 einen Motion-Capturing-Anzug übergestülpt und mit einem Avatar ein farbenfrohes VR-Konzert vor über 400.000 Zuschauer:innen gegeben.

US-Rapper Travis Scott legte ein Jahr später noch eine Schippe drauf – zumindest, was die Zuschauermenge angeht: In der Welt des Online-Games Fortnite wohnten über 12 Millionen seiner Show bei, in der ein überlebensgroßer 3D-Scott, begleitet von allerhand psychedelischen Effekten, ein Potpourri präsentierte.

Zwar war auch Scotts „Auftritt” ein Produkt aus der Retorte – weder der Sound noch die Animationen waren live. Dennoch lieferte die Fortnite-Show ein spektakuläres Beispiel für das Potenzial, das in virtuellen Konzerten schlummert. Um dieses Potenzial voll auszuschöpfen, muss jedoch der Live-Charakter noch deutlicher in den Vordergrund rücken. Die Technologie hierfür ist mittlerweile vorhanden.

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