Life & Style Ein neues Buch erklärt, warum Kultur langweilig geworden ist

Ein neues Buch erklärt, warum Kultur langweilig geworden ist

Die ganze Welt eine Dystopie, aber kulturell eher Ebbe. Wie kann das sein? Diese Frage treibt gerade einige Journalist:innen um. Und in verschiedenen Quellen wird von einem offenbar bemerkenswerten Buch berichtet. Das biete die „beste Erklärung für unsere kulturelle Malaise“, wie Michelle Goldberg in der NYT schreibt. Auch Blogger Ryan Broderick zieht interessante Schlüsse über Memes daraus.

Sogar Ryan aus The Office aka B.J. Novak ist angetan und wird auf dem Klappentext zitiert: „… explains nearly everything about the things you choose to be—and how the society we live in takes shape in the process.“

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Um was für ein Buch es geht? Es heißt „Status and Culture“, von W. David Marx. Der ist Autor und Journalist, lebt in Japan. Sein Nachname ist auch kein schlechter Marketingfaktor. Erschienen ist das Buch gerade in den USA.

Was schreibt Marx in „Status and Culture“?

Das Buch hat 368 Seiten, im Internet wird aber vor allem auf eine Passage Bezug genommen: Kultur entsteht, weil Menschen an einem Wettbewerb um sozialen Status teilnehmen.

Das passiere vor allem in drei Bereichen, schreibt Marx: Auseinandersetzungen gesellschaftlicher Klassen (nehmen wir als Beispiel Streetwear), Bildung von Subkulturen (z.B. Dungeons and Dragons, K-Pop…), und Kämpfe zwischen Künstler:innen (z.B. Battle-Rap). Soweit so gut, das war immer so, das gibt es noch heute.

Aber was ist anders? Und warum gibt es, wie einige meinen, keine aufregende Kultur mehr? Der Grund ist das Internet. Und dass es auf einmal eine unendliche Flut von Informationen, Medien, Content gibt. Früher war es vielleicht Statussymbol, Musik zu kennen, die niemand sonst kennt. Heute findet man sie ziemlich sicher mit einer einfachen Google-Suche.

Für Marx ist das Grund genug zu sagen: Kultur bringt weniger für den sozialen Status. Deshalb ist sie so langweilig geworden.

Ist wirklich nichts mehr interessant? Naja…

Ein wenig versnobt klingt es schon, zu behaupten, dass kulturell so im Großen und Ganzen nichts Tolles mehr passiert. Noch radikaler hat es der Blogger Christian Lorentz ausgedrückt:

„Hollywood movies are boring. Television is boring. Pop music is boring. The art world is boring. Broadway is boring. Books from big publishing are boring. All of these industries are averse to risk and chase trends mindlessly.“

Für ihn ist der wichtigste Grund, dass viele Medienunternehmen immer stärker in Marketingkategorien denken. Und sich nicht darum kümmern, echt gute Inhalte zu produzieren.

Memes statt Museum

Da gäbe es vielleicht doch ein paar Gegenbeispiele. Ryan Broderick hat in seinem Substack-Newsletter argumentiert, dass wir Statuskämpfe über Kultur jetzt einfach auf einem anderen Level austragen.

Er schreibt: „So now we reward each other for consuming the meta-text — the memes, the hashtags, the community drama, and the conspiracy theories.“

Memes statt Museum, so könnte man das vielleicht zusammenfassen. Bringt mehr für den sozialen Status. Das Museum war früher der einzige Ort, an dem man bestimmte Kunstwerke sehen konnte. Heute geht das im Internet viel schneller und man bekommt viel mehr zu sehen. Mehr Informationen gibt es auch.

Genau genommen so viele, dass Filtern und Verstehen immer anstrengender werden. Im Museum stand eine Deutung allein. Im Internet gibt es unendlich viele widersprüchliche Erklärungen, was dieses oder jenes Bild jetzt zu bedeuten hat: Reizüberflutung. Bei Memes gibt es da nicht viel zu überlegen.

Übrigens sind auf Amazon bereits mehrere Zusammenfassungen des Buchs von Marx zu kaufen. Schon wieder ist das Internet schuld: Der Autor hat sie als KI-generierte Plagiate identifiziert.


Transparenzhinweis: Der Viking-Verlag gehört wie Business Punk zu Bertelsmann. Das hat keinen Einfluss auf die Berichterstattung.

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