Life & Style FC Viktoria Berlin: Warum Verena Pausder den Frauen-Fußballclub wie ein Startup führen will

FC Viktoria Berlin: Warum Verena Pausder den Frauen-Fußballclub wie ein Startup führen will

In fünf Jahren eine deutsche Frauen-Regionalmannschaft in die Bundesliga bringen: Das ist das große Ziel von Unternehmerin und Investorin Verena Pausder. Dafür hat sie im Juli den Berliner Traditionsverein FC Viktoria Berlin übernommen – gemeinsam mit fünf anderen Co-Gründerinnen und vielen Investorinnen wie Ariane Hingst, Franziska von Almsick und Carolin Kebekus. 

Wie die Struktur dahinter funktioniert, erklärt Pausder im Podcast How To Hack so: Die gegründete GmbH von Pausder und Co. betreibt die Frauenmannschaft FC Viktoria Berlin, und gehört zu 75,1 Prozent ihnen. 23,9 Prozent gehören den bisherigen Investor:innen und zu einem Prozent gehört die GmbH dem Verein. Das ist das übliche Prozedere. Jetzt der Unterschied: Die Investorinnen und Co-Gründerinnen sind in einer Holding gebündelt, die ihre 75,1 Prozent an der GmbH hält. 

Das ganze läuft nach einem Vorbild aus der USA. Dort haben Natalie Portman und Serena Williams ebenfalls einen Fußball-Verein übernommen, den Angel City FC gegründet. 

Insgesamt sind es 87 Investorinnen, die Summen zwischen 10.000 und 15.000 Euro investiert haben und laufende Kosten sowie den Spielbetrieb finanzieren. „Das Netzwerk ist der Star”, sagt Pausder. „Wir wollen dadurch auch bisherige Narrative abschaffen, wie ‘Person X ist der Präsident’ und so weiter.“

Es gibt aber Kritik an der Übernahme. „Dieses Konstrukt ist gewöhnungsbedürftig“, sagt Philipp Köster, Chefredakteur des Fußballmagazins 11Freunde, gegenüber Gründerszene. „Von außen weiß man nicht, wer die Entscheidungen trifft und wie viel der Verein noch zu sagen hat.“ Pausder widerspricht dem. Köster glaubt auch nicht, dass Pausder und Co. es schaffen, außerhalb der Startup- und Wirtschaftswelt FC Viktoria Berlin zu großer Aufmerksamkeit zu verhelfen. 

„In der ersten Bundesliga wird es mehr zum Money-Game“

Verena Pausder

Das Projekt läuft jedoch erfolgreich: Am ersten Spieltag der Männer-WM hat Sport1 eine Partie von FC Viktoria Berlin live im Free-TV übertragen. 180.000 Mal wurde das Spiel gestreamt. Ein Regionalligaspiel vom Frauen-Fußball im Fernsehen: Das nennt Pausder „sportmediale Geschichte“. 

Aktuell ist FC Viktoria Berlin Tabellenerste. „Wir haben gar nicht viel verändert”, sagt Pausder. „Wir haben Wertschätzung und Scheinwerferlicht auf den Platz gelenkt.“ Heißt: bessere Trainer, Physio für die Spielerinnen und Gehalt. 

Noch ist Geld in der Regionalliga nicht entscheidend für den Erfolg. „In der ersten Bundesliga wird es mehr zum Money-Game“, sagt Pausder. „Ich hoffe, dass wir bis dahin genug gelernt haben, um das anders zu spielen. Wir wollen das Spiel nicht mit Geld gewinnen. Geld darf nicht der Haupthebel sein.“

Startup-Strukturen

Den Fußballclub führen Pausder und die anderen wie ein Startup: kurze Wege, Slack-Kanal mit allen Investor:innen und Sponsor:innen, schnelle Entscheidungen innerhalb von 24 Stunden, keine Gremien, keine Vorstandsvorlagen, keine Agenturen, keine Vermarkter, dafür aber offene Kommunikation. Alle Informationen werden mit Spielerinnen und Investor:innen geteilt. Transparenz lautet das große Stichwort. 

Etwas, das man von der Fifa nicht behaupten kann. Zur WM in Katar sagt Pausder: „Menschenrechte sind nicht verhandelbar.“ Es wäre aber auch falsch eine Art Doppelmoral zu leben. „Wir haben große politische Abhängigkeiten von Katar, gleichzeitig wollen wir die WM nicht schauen, da brauchen wir eine Gesamthaltung, die hält.“ Und die Fifa? Die sei laut Pausder nicht mehr zu retten. 

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