Green & Sustainability Hundefutter aus Insekten: Startup sagt Futterindustrie den Kampf an

Hundefutter aus Insekten: Startup sagt Futterindustrie den Kampf an

Zehn Millionen Hunde lebten 2021 in deutschen Haushalten, wie der Zentralverband Zoologischer Fachbetriebe berichtet. Zehn Millionen Vierbeiner, die mehrmals täglich nach Futter verlangen. Futter, das hauptsächlich aus Rind, Schwein, Huhn, Lamm besteht. Manchmal darf es auch exotischer sein: Krokodil, Schlange, Känguru. Eben richtiges Fleisch. „Dabei braucht ein Hund kein Fleisch“ sagt Niklas Röck, „er braucht das Protein. Und das gibt es auch auf anderer Basis.“

Auf Basis von Insekten zum Beispiel. Aus diesen besteht das Hundefutter von Moolito, einem Startup, das Röck 2021 gründete. Die Idee kam ihm, als er im Juli 2021 seinen Hund Mo aus dem Tierschutz adoptierte und sich anschließend mit dem Thema Hundefutter intensiv auseinandersetzte.

Sechsbeiner für Vierbeiner

Röck will die tief verwurzelte Ansicht, dass ein Hund Fleisch braucht, aus den Köpfen streichen. Gemeinsam mit seinen Co-Gründern Tino Engelmann und Agnes Berreth – und jeder Menge Insekten. Auch wenn krabblige Sechsbeiner als Nahrungsquelle der Zukunft immer mal wieder diskutiert werden, in Europa konnten sie sich noch nicht im nennenswerten Stil durchsetzen, weder bei Hund noch bei Mensch.

Doch: „2,5 Milliarden Menschen weltweit essen täglich Insekten“, sagt Röck. „Hundefutter aus Insekten ist nicht unbedingt neu, die Idee gab es schon. Aber die meisten Brands sind zu nerdy.“ Statt nischigem Produkt für Eingeweihte will Moolito via Verpackungsdesign zur Lovebrand werden: Der Futtersack wird in einer Umverpackung geliefert, die als Refillbox verwendet werden kann. Das Futter gibt es im eigenen D2C-Onlineshop zu kaufen, einzeln oder im Abo.

Berreth räumt mit einem Missverständnis auf: „Manche Menschen glauben wirklich, wir würden übers Feld laufen und Insekten jagen“, sagt sie. Tatsächlich stammen die verarbeiteten Tiere von einer Insektenfarm in Frankreich, wo sie im Vertical Farming gezüchtet werden. „Vorstellen kann man sich die Farm wie aufeinandergestapelte Gemüseboxen mit Speiseresten“, sagt Berreth. Die Insekten legen dort ihre Larven ab, werden gezüchtet und anschließend zu Mehl gemahlen. Weitere Zutaten sind unter anderem Kartoffeln, Äpfel, Flohsamenschalen und Rapsöl.

Foto: Moolito

Damit ist das Futter von Moolito allerdings weder vegan noch vegetarisch. Doch davon will Moolito sich ohnehin distanzieren. Denn wer vegan füttert, sagt Röck, habe zwar verstanden, dass Nachhaltigkeit sein muss. Doch die Herstellung veganer Proteine benötige sehr viel Land. „Die der Insekten nicht“, sagt der Gründer. Berreth lässt sich zu einer Prognose hinreißen: „In zehn Jahren fressen hoffentlich alle Hunde Futter aus Insekten.“

Für einen niedrigen CO₂-Pfotenabdruck

Die Menschen hinter Moolito sind überzeugt, dass Insekten als Nahrungsquelle auf Dauer nicht wegzudenken seien – übrigens auch für den Menschen, was die vielen Anbieter:innen erfreuen dürfte, die seit Jahren mit Produkten in den Startlöchern stehen und denen der Sprung in die großen Supermärkte noch nicht so richtig gelingen will. Denn kaum eine Quelle sei im Vergleich so ressourcenschonend.

Für den Vergleich der CO₂-Pfotenabdrücke wurde die Herstellung verschiedener Tierfutter von Moolito auf Emissionen durchkalkuliert. Dabei erwies sich: Der Hund ist leider ein richtiger Klimasünder – wofür er selbst aber nichts kann, sagt Röck. Verantwortlich sei stattdessen vor allem die Futterindustrie mit ihrer Massentierhaltung. Laut Onlineshop kommt die Treibhausgasproduktion für ein Kilo Protein durch Rinder auf 500 Kilogramm CO₂, durch Hühner auf 57 Kilogramm CO₂ und durch Insekten auf lediglich zwei Kilogramm CO₂.

Der erste Prototyp des Futters kam Anfang 2022 auf den Markt. 100 Testkund:innen waren im Frühjahr dabei, von denen „nur Positives zurückkam“, wie Röck sagt. Er vergleicht das Feedback mit Produkten für Babys: „Es ist ein unheimlich emotionales Thema. Die Besitzer:innen lesen sich alles durch, bevor sie eine Kaufentscheidung treffen“, sagt er.

Da ist das Ding! Neben unserer Watchlist findet ihr noch diese Themen: Wie die Chief People Officer der Avantgarde Group, Lesley Anne Bleakney, den Bereich Human Resources neu denkt, wie das Vorreiterland Südkorea das Metaverse für sich entdeckt hat, was die Comedy-Impro-Serie „Die Discounter“ so erfolgreich macht und warum Rocker Ville Valo jetzt Pizza verkauft. Viel Spaß beim Lesen!
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