Leadership & Karriere Männerdomäne: Europa benötigt mehr Frauen in der Tech-Branche

Männerdomäne: Europa benötigt mehr Frauen in der Tech-Branche

„Lass das mal den Papa machen“ sagt Stromberg in dem gleichnamigen Film und beschreibt damit das Problem der Arbeitswelt auf den Punkt. Vor allem bei der Besetzung in der Tech-Branche herrscht immer noch eine große Geschlechterungleichheit. Laut einer aktuellen McKinsey-Studie sind gerade einmal 22 Prozent aller europäische Tech-Jobs von Frauen besetzt. Dabei fehlen in Europa bis 2027 um die 1,4 – 3,9 Millionen Arbeitskräfte im Technologieumfeld. In Tech-Unternehmen liegt der Frauen-Anteil immerhin bei 37 Prozent, dazu gehören allerdings jegliche Job-Rollen innerhalb der Unternehmen.

Höchste Zeit also, um endlich umzudenken und Tech-Jobs für Frauen attraktiver zu machen. Denn – surprise, surprise – hingegen aller Vorurteile gibt es in der schulischen Ausbildung keine Hinweise darauf, dass Jungs in MINT-Fächern besser abschneiden als Mädchen. Die steigende Nachfrage an Tech-Talenten kann durch den bisher überwiegend männlichen Talentpool zukünftig nicht gedeckt werden.

Das Studium als männlicher Gatekeeper

Die erste größere Kluft ergibt sich erst beim Unieinstieg. Nach erfolgreichem Schulabschluss schreiben sich 18 Prozent weniger Frauen als Männer für ein MINT-Studium ein. Bei Studiengängen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnik sind es sogar 31 Prozent weniger. Das hat zur Folge, dass auch die eingeschriebenen Frauen im Studium leichter aus dem Raster fallen.

Aus der McKinsey-Studie geht hervor, dass ein Anstieg von 22 auf 45 Prozent Frauen bis 2027 das europäische BIP um 600 Milliarden Euro steigern könnte. Wer also nicht aus moralischen Gründen für mehr Gleichberechtigung ist, sollte sich zumindest davon überzeugen lassen.

„Der Mangel an Geschlechterdiversität in Europas Technologielandschaft führt zu erheblichen Nachteilen für Beschäftigte, Innovation und die gesamte europäische Gesellschaft“, sagt Sven Blumberg, Senior Partner im Düsseldorfer Büro von McKinsey & Company.

Auch nach dem Studienabschluss fällt der Anteil der Frauen noch einmal stark ab. Nur 23 Prozent der MINT-Absolventinnen sollen laut der Studie beim Berufseinstieg eine Tech-Rolle übernehmen. Im Vergleich dazu gehen 44 Prozent der männlichen Absolventen in einen Tech-Beruf.

Wie macht man die Branche für Frauen attraktiver?

„Frauen können helfen, die Talent-Herausforderung in Europa zu bewältigen. Die Frage ist, ob die europäischen Unternehmen ihre weibliche Tech-Talentlücke füllen können. Die einzige Option für europäische Tech-Unternehmen besteht in der Diversifizierung ihres Talentpools“, sagt Henning Soller, Partner aus dem Frankfurter McKinsey-Büro.

Im Detail soll das laut der Studie mit diesen vier Punkten funktionieren:

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1. Reframen – Frauen im Technologiebereich ermöglichen, am Arbeitsplatz erfolgreich zu sein
Der wohl offensichtlichste Punkt: Männliche Führungskräfte müssen eine Kultur schaffen, in der sie verstärkt Frauen unterstützen, um erfolgreich in Tech-Rollen zu werden. Diese Maßnahmen inkludieren effektives Sponsoring, den gezielten Abbau von Vorurteilen sowie kognitiven Verzerrungen, flexible Arbeitsmodelle und Kinderbetreuung.
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2. Binden – Frauen einen Grund geben, in Tech-Rollen zu bleiben
Über die Hälfte der Frauen verlassen ihre Tech-Jobs bis zur Mitte ihrer Karriere. Bei den Männern sind es etwa ein Viertel. Dadurch werden Führungspositionen vermehrt von Männern besetzt. Ein Teil der Lösung könnte laut Studienautor:innen sein: Die Bindung weiblicher Talente als einen wichtigen Leistungsindikator für die Bewertung von Führungskräften einführen.
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3. Umschichten – Mehr Talente aus nicht-traditionellen Talentpools entwickeln
Unternehmen können laut der Studie die Anzahl von Frauen in Technologiepositionen bis 2027 um 530.000 auf 1,8 Millionen erhöhen, indem sie aus bislang unerschlossenen, aber artverwandten Talentpools rekrutieren, diese ausbilden und ihre technologischen Fähigkeiten weiterentwickeln.
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4. Intensivieren – Abbruchrate von MINT-Studiengängen verringern
Zu guter letzt sollte auch die Abbruchrate von Frauen im MINT-Studiengänge. Laut der Studie sollen mehr und bessere Praktika, Mentoring und Coaching von Frauen bei der Vorbereitung auf den Eintritt in den Arbeitsmarkt und die aktive Rekrutierung von Frauen für die Arbeit an innovativen Projekten in Führungspositionen können zu erheblichen Verbesserungen führen.

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