Leadership & Karriere Wie du dir in fünf Schritten die richtigen Ziele für das neue Jahr setzt

Wie du dir in fünf Schritten die richtigen Ziele für das neue Jahr setzt

Neues Jahr, neues Glück, neue Ziele. Nur wie setzt man sich die richtigen Ziele? Das erklärt Marco Alberti, OKR-Berater, in seinem Gastbeitrag.

Alle kennen vermutlich den Neujahrs-Effekt in Fitnessstudios. Die Anmeldungen schießen im Januar in die Höhe, nach ein paar Wochen die nüchterne Realität: Die neuen Mitglieder kommen nur noch sehr selten ins Studio. Im Unternehmenskontext kann man Ähnliches beobachten: Man setzt sich viele Ziele für das neue Jahr, die große Frage: Was bleibt am Ende davon übrig? Die traurige Antwort lautet meist: nicht viel.

Das Grundproblem bei Neujahrszielen ist vor allem der Zeithorizont: Wie leben in einer komplexen Welt, in der sich die Rahmenbedingungen schnell ändern. Sich Jahresziele zu setzen, ist deshalb nicht der beste Weg, die eigenen Ziele zu erreichen und am Ende des Jahres auch wirklich vorangekommen zu sein.

Du weißt als Entscheider:in ja gar nicht, was in zwölf Monaten alles passieren kann. Meine erste Empfehlung lautet daher: Setze dir die Ziele quartalsweise und nicht jährlich, so kannst du jedes Quartal reagieren und die Ziele entsprechend anpassen.

Deine Ziele orientieren sich dabei an der übergeordneten Strategie, die die Richtung für die kommenden ein bis zwei Jahre definiert. Ist das Grundsätzliche erstmal geklärt, gibt es fünf Schritte, wie du zu den richtigen Zielen kommst:

1. Der Greenfield Approach

Starte mit dem berühmt-berüchtigten weißen Blatt Papier. Schreibe alle Themen, die dir spontan in den Sinn kommen, nieder. Sei es, weil die Themen wichtig, dringend oder beides sind. Es sollten in jedem Fall Themen sein, die du mit dem neuen Jahr verbindest. Die klassischen „wir sollten unbedingt“-Sachen.

2. Analyse des Status quo

Sind die Themen niedergeschrieben, geht es darum, sich zu fragen, vor welchen Herausforderungen du gerade als Unternehmer:in oder Führungskraft mit deinem Team stehst. Wo hakt es intern? Wo hakt es bei deinen Kund:innen?

Es geht hier bewusst noch nicht um eine Problemlösung, sondern erstmal um die Identifikation von Problem und Herausforderung auf beiden Seiten. Durch diese Extrapolierung wird deutlich, wo es Überschneidungen gibt und wo das wirkliche Problem liegt.

Ein konkretes Beispiel: Du hast Probleme mit Sales. Deine Kund:innen (Startups) haben aktuell aber das Problem der Anschlussfinanzierung und entsprechend wenig Kapital. Die Herausforderung besteht also darin, ein Angebot zu entwickeln, das auf die veränderten finanziellen Rahmenbedingungen von Startups reagiert, statt zu versuchen, einfach mehr Sales zu machen.

3. Aus Irrtümern lernen

Als nächstes gilt es nicht nur, nach vorne zu schauen, sondern auch, zurückzuschauen, um daraus zu lernen. Frage dich also: Welche Ziele sind im letzten Quartal nicht erfolgreich beendet worden und sollen trotzdem weiterhin verfolgt werden. Und vor allem: Warum?

Was solltet ihr beim nächsten Anlauf anders machen? Und mindestens genauso wichtig: Welche Ziele wurden erreicht, benötigen aber ein weiteres konkretes Ziel, damit die bereits investierte Energie auch vollständig ihre Wirkung entfalten kann?

4. Hinterfrage deine Strategien kritisch

Hast du dir vor Augen geführt, welche Sachen funktioniert haben und welche nicht, hilft es, die alten Strategien zu überprüfen. Stell dir also die Frage:  Welche Strategien sind auch die kommenden 12-24 Monate wichtig und wo braucht es gegebenenfalls Anpassungen? Daraus abgeleitet formulierst du dann konkrete Ziele für die nächsten drei Monate zu jeder Strategie.

Ein konkretes Beispiel: Habe ich mir das Ziel gesetzt, alle 8.000er Berge zu besteigen, kann ich das auf zwei Arten machen: Einmal alpinistisch, also sehr schnell, mit relativ wenig Ausrüstung und viel Risiko. Und einmal deutlich langsamer, mit Basislagern, Pausen etc. Die Art und Weise der Strategie hat wiederum Einfluss auf die Zwischenziele.

Wähle ich den alpinistischen Weg, brauche ich mehr Zeit zwecks Vorbereitung und körperlichem Training. Wähle ich den „gemütlichen“ Weg, benötige ich mehr Zeit für die Planung hinsichtlich Übernachtungen und Verpflegung. Was daran deutlich wird: Basierend auf den unterschiedlichen Strategien definiere ich unterschiedliche konkrete Ziele, die die Strategie operationalisieren, auch wenn die Mission in beiden Fällen lautet: Alle 8.000er besteigen.

5. Alle Ziele in OKRs herunterbrechen

Im letzten Schritt geht es darum, alle Ziele, die du aus den Schritten eins bis vier auf unterschiedliche Art und Weise heruntergebrochen hast, in Objective Key Results (OKRs) zu überführen. Du solltest den konkreten Nutzen des Ziels möglichst bildhaft beschreiben (z. B. Objective: Ich fühle mich in der Badehose am Strand endlich wieder wohl) und messbare Outputs definieren (z. B. Key Result: Steigerung des durchschnittlichen Kalorienverbrauch um 500 kcal/Tag), die es wahrscheinlicher machen, dass du das Ziel auch wirklich erreichst.

Darüber hinaus solltest du dir auch Gedanken machen, wie viel Zeit, Energie und Geld die einzelnen Ziele benötigen. Diese Frage hilft dabei, die Ziele entsprechend ihrer Kosten-Nutzen-Rechnung zu sortieren. In der Regel beginnt man dann mit den Zielen, die den meisten Nutzen bringen und den geringsten Aufwand erfordern. Das machst du so lange, bis du merkst, dass du keine Ressourcen (z. B. personelle) mehr hast.

Alle anderen Ziele wandern in den sogenannten Backlog. Das Gute: Die Ziele sind nicht weg, du kümmerst dich nur in diesem Quartal nicht darum – und hast gleichzeitig im folgenden Quartal schon den perfekten zusätzlichen Input für die Ziele, die dann anstehen könnten.

Richtigen Ziele setzt
(Credits: Murakamy)

Marco Alberti ist Gründer und Geschäftsführer von Murakamy, einer Beratung mit Fokus auf Visions-, Missions- und Strategieentwicklung sowie Objectives and Key Results (OKRs). Er ist außerdem Host des Murakamy Podcasts und Co-Host des Unternehmertum-Podcasts Jetzt mal Ehrlich.

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