Leadership & Karriere Seeking Discomfort: Warum Fortschritt jenseits der Komfortzone beginnt

Seeking Discomfort: Warum Fortschritt jenseits der Komfortzone beginnt

Ein Gastbeitrag von Leon Thomsen, Co-Founder & MD von KLT Health.

Top-Job aufgeben, mitten in der Pandemie gründen, den Kilimandscharo besteigen: Leon Thomsen bringt sich selbst gerne in unbequeme Situationen. Damit lebt der Hamburger Jungunternehmer privat abenteuerlich – und beruflich erfolgreich. Warum der Erfolg oft jenseits der Komfortzone zu finden ist, verrückte Ideen keine schlechten sein müssen, und was Gemeinschaft mit all dem zu tun hat.

Private Equity gegen Selbstständigkeit

Mein eigenes Unternehmen zu führen, war schon immer eine reizvolle Idee für mich. Dinge, die ich mit einem hohen Maß an Eigenverantwortung gestalten konnte, haben mir immer am meisten Freude bereitet. 

Deshalb war ich glücklich, direkt nach dem Studium für einen Real Estate Private Equity Fund tätig zu werden, um dort mit viel Eigenverantwortung an komplexen Deals zu arbeiten. Die Arbeit machte Spaß und wurde gut bezahlt, hatte eine steile Lernkurve und ich bin bis heute mit allen gut befreundet.

Und hätte mich zu Beginn der Corona-Pandemie nicht ein ehemaliger Kommilitone angerufen – ich würde eventuell heute noch dort arbeiten.

Als Covid-19 ausbrach, fehlte es hier vor allem an FFP2-Masken. In Asien wurde im Gegensatz dazu die Produktion – teilweise von Herstellern mit fragwürdigen Kompetenzen – massiv hochgefahren und asiatische Masken sollten kurzfristig in Deutschland zugelassen werden. Die Lage in Deutschland war chaotisch und etablierte Akteure auf dem Gesundheitsmarkt waren nicht agil genug, um auf die schnell wachsende Nachfrage zu reagieren.

Als wir gefragt wurden, ob wir Masken für Deutschland beschaffen könnten, sahen mein Co-Founder Konstantin Lennertz und ich die Möglichkeit, in einem Markt zu gründen, der üblicherweise hohe Eintrittsbarrieren aufweist. Das war die Geburtsstunde der KLT Health Group.

Seit 2020 importieren wir Medizinprodukte, setzen bei der Qualitätsprüfung auf den TÜV oder die schweizerische SGS und bringen sie in Europa auf den Markt.

Obwohl ich darin von Anfang an eine große Chance sah, brauchte es doch einiges an Mut, meinen damaligen Job zu kündigen und damit meine Komfortzone zu verlassen, ohne zu wissen, ob wir uns in der Branche auch in einem stabilisierten Marktumfeld durchsetzen können. Dabei hat mir sicherlich meine Lebenseinstellung geholfen, die ein Freund kürzlich als “Seeking Discomfort” bezeichnete.

Seeking Discomfort

Seeking Discomfort ist heute ein fester Bestandteil meines Lebens. 

Aber das war natürlich nicht immer so. Wie die meisten Menschen, war es mir recht, wenn alles um mich herum vertraut ist. Das änderte sich, als ich im November meines Auslandssemesters im amerikanischen Zion-Nationalpark an einer Gabelung stand. Links ging der vorgesehene Trail weiter. Rechts verlief ein Pfad, den man sich zwar einige Meter ansehen, aber aufgrund kommender Hindernisse aus dieser Richtung nicht begehen konnte – zumindest angeblich.

Spontan reizte es mich, herauszufinden, ob ich das schaffen könnte. Und auch wenn die Hindernisse immer anspruchsvoller wurden, waren sie doch überwindbar und jedes einzelne trieb mich weiter an. Aber spätestens als ich durch einen eiskalten Wasserfall kletterte, um weiterzukommen, habe ich mich gefragt: Warum tust du dir das eigentlich an?

Fortschritt beginnt jenseits der Komfortzone

Als sämtliche Hindernisse überstanden waren, wir umkehrten und ich am Abend wieder vor meinem Auto stand, erlebte ich ein Erfolgsgefühl, das ich in der Form vorher noch nicht gekannt hatte und ich in Zukunft noch öfter erleben wollte. 

Diese Erkenntnis veränderte mein Leben.

Denn ein Jahr später, 2018, lief ich in Kanada den West Coast Trail: 75 Kilometer, Dauerregen, zehn Tage im nassen Zelt. Anschließend folgten ein Tandem Fallschirmsprung sowie diverse Trips durch Nationalparks oder die Wildnis in den USA, Europa und Afrika. In diesem Jahr sprang ich das erste Mal solo aus einem Flugzeug und stieg auf den Kilimandscharo. 

Für 2023 ist ein Parabelflug zum Erreichen der Schwerelosigkeit geplant. 2024 dann der Aufstieg zum Aconcagua: mit 7000 Metern, der höchste Berg Südamerikas. Und wer weiß, irgendwann ist vielleicht auch der Everest dran.

Warum suche ich nach diesen extremen Herausforderungen? Es treibt mich an, dass ich so viel Neues probieren, tun und schaffen kann. Dinge, die ich früher für ausgeschlossen gehalten habe. Und es zeigt mir, dass es auch kein Weltuntergang ist, wenn etwas nicht klappt. 

Learnings für den Job

Zusammengefasst sind es vor allem drei Erkenntnisse, die ich aus meinen privaten Abenteuern für das Berufliche mitgenommen habe.

Erstens: Nimm geliebte Menschen mit. Weder in meinem Beruf noch auf meinen privaten Trips war ich alleine, sondern hatte meinen engsten Personenkreis bei mir. Man teilt Freude, man teilt Leid, und man ist da, um sich gegenseitig zu motivieren. 

Zweitens: Einfach machen, aber bitte nicht Hals über Kopf. Im Geschäftlichen wie im Privaten ist es unabdingbar, dass neue Vorhaben gut vorbereitet sind. Das bedeutet nicht, dass du dich in Kleinigkeiten verzetteln sollst, aber von einem Fallschirmsprung ohne ausreichendes Training, rate ich dir ebenso dringend ab, wie davon, impulsiv und ohne konkreten Plan zu gründen.

Drittens: Trau dich. Die meisten Leute fantasieren gerne darüber, was man potenziell schaffen kann, aber fangen nie an. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass es nichts wird. Wenn du dich aber in etwas Neues stürzt und das Ganze aufgeht, ist das Gefühl unglaublich. Die innere Zufriedenheit, die Horizonterweiterung – beides wirst du kaum in diesem Maß erfahren, wenn du alles so machst, wie du es gewohnt bist.

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