Productivity & New Work Nico Rose erklärt, warum er Pessimismus noch nie verstanden hat

Nico Rose erklärt, warum er Pessimismus noch nie verstanden hat

Pleiten, Kündigungswellen, abschmierender Markt – und trotzdem machen wir weiter, immer weiter. Nico Rose weiß, warum wir gar nicht anders können

Die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber sie stirbt. So lautet ein bekanntes, wenn auch zynisches Bonmot. Ich hingegen habe vor ein paar Jahren aus einer Laune heraus einmal Folgendes geschrieben: „Zuversicht ist Schmieröl für die Zukunft.“ Das halte ich nach wie vor für richtig. Der Sinn von Pessimismus hat sich mir persönlich noch nie erschlossen. 

Nun lässt sich fragen: Haben die Pessimist:innen nicht schlicht und ergreifend die traurige Wahrheit auf ihrer Seite? Coronapandemie? Angriffskrieg auf die Ukraine? Das Damoklesschwert des Klimawandels? All dies gehört bedauerlicherweise zur derzeitigen Großwetterlage. 

Doch in vielerlei Hinsicht (etwa: Lebenserwartung, Kindersterblichkeit, Anteil der Menschen, die in absoluter Armut leben, selbst: Menschen, die durch gewaltsame Einwirkung anderer sterben) leben wir aktuell in der besten aller Welten. Die tagesaktuelle Nachrichtenlage spielt uns oft einen Streich. Wer mir nicht glauben mag: Die Bücher von Autoren wie Steven Pinker und Hans Rosling sind da ein echter Augenöffner. Tatsache ist: „Die Wirklichkeit“ ist auch davon abhängig, was wir in den Fokus unserer Aufmerksamkeit rücken – und ob wir mit unserem guten oder dem schlechten Auge hinsehen. 

In meiner wissenschaftlichen Disziplin bedeutet Hoffnung übrigens nicht einfach: Augen schließen, Finger kreuzen und dann gaaaanz feste dran glauben. Stattdessen gibt es eine konkrete zweiteilige Definition, die ich für Unternehmer:innen spannend finde: Demgemäß setzt sich Hoffnung zusammen aus den Aspekten „WillPower“ und „WayPower“. Mit WillPower ist der kognitiv-emotionale Teil gemeint: die Zuversicht, dass die Dinge gut enden werden. 

WayPower hingegen bezeichnet die proaktiv handelnde Komponente der Hoffnung: Es geht um Tatendrang und Selbstwirksamkeitserwartung, die Idee, dass wir es immer ein Stück weit selbst in der Hand haben, auf ein gutes Ende hinzuwirken. Die Grundidee: „Vertraue auf Allah, aber binde dein Kamel fest.“ Je ausgeprägter beide Komponenten vorhanden sind, desto hoffnungsvoller ist ein Mensch gemäß der wissenschaftlichen Definition. Der WayPower-Aspekt löst dabei das Konzept der Hoffnung aus dem Bereich der Fremdbestimmung heraus. Er schärft unseren Blick für das, was trotz allem oft noch machbar ist. 

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, sagt der Volksmund. Die Umkehrung dieses Bonmots ergibt allerdings ebenso viel Sinn: Wo ein Weg ist, da ist auch ein Wille. Wer hoffnungslos ist, wird möglicherweise die Hände in den Schoß legen. Wer hoffnungsvoll ist, sucht nach Wegen, experimentiert, tastet sich voran. Und wer kleine Fortschritte erfährt, schöpft neue Energie für die nächste Meile. 

Jene Spielart der Hoffnung ist es, die die Welt befeuert und in Gang hält – auch in der Welt der Startups. Etwa neun von zehn Unternehmungen scheitern innerhalb der ersten Jahre, so die oft genannte Kennziffer. Es wäre also hochgradig rational, sich gar nicht erst auf die beschwerliche Reise zu machen. Die Verlockungen von „Nummer sicher“ sind groß. Aber: Um wie vieles ärmer wäre diese Welt ohne jene Menschen mit einem gehörigen Überschuss an – eben Hoffnung?

Da ist das Ding! Dieses Mal dreht sich in unserem Dossier alles um das Thema Immobilien und den Traum vom Eigenheim. Außerdem haben wir Netflix-Showrunnerin Anna Winger getroffen und die Brüder Ahmed und Mike Chaer, die deutsches Wrestling groß machen wollen. Viel Spaß beim Lesen! Hier gibt es das Magazin zum Bestellen.

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