Leadership & Karriere Unternehmer:in werden ohne zu gründen – so wirst du zum Intrapreneur

Unternehmer:in werden ohne zu gründen – so wirst du zum Intrapreneur

Ein Gastbeitrag von Gero Hesse, Gründer und CEO von Embrace

Es gibt unzählige Talente, die es beruflich erfüllt, wenn sie die Freiheit haben, nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern vor allem auch ihr unternehmerisches Denken in ihren Beruf einzubringen. Früher oder später entsteht bei vielen dieser Menschen der Wunsch, einen Schritt weiter zu gehen – sich in diesem Bereich weiterzuentwickeln, Neues auszuprobieren oder sich sogar selbstständig zu machen und ein eigenes Unternehmen zu gründen. Und genau hier setzt der Karrierepfad „Intrapreneurship“ für all jene an, die mit ihren Arbeitgeber:innen und den Rahmenbedingungen grundsätzlich zufrieden sind, aber ohne großes Risiko neue Wege erkunden wollen.

Der Begriff „Intrapreneuership“ wurde übrigens Ende der 70er Jahre von Gifford Pinchot III geprägt und setzt sich aus den beiden englischen Wörtern „Intracorporate“ und „Entrepreneurship“ zusammen – Mitarbeitende verhalten sich innerhalb eines Unternehmens (Intracorporate) so, als ob sie selbst Unternehmer:in (Entrepreneur) wären. 

Und keine Frage: Unternehmen tun in der heutigen Zeit des Arbeitskräftemangels gut daran, solchen Talenten intern die Möglichkeit zu geben, neue Geschäftsansätzen zu entwickeln. Andernfalls riskieren sie, gute Mitarbeitende zu verlieren, was bei der Arbeitsmarktsituation auch ein großes wirtschaftliches Risiko darstellt.

Tatsächlich spreche ich hier aus eigener Erfahrung: Ende 2010 litt ich selbst unter massivem „job bore out“. Doch statt zu kündigen, wurde ich beim bestehenden Arbeitgeber zum Intrapreneur und darf heute mit einem 240-köpfigen Team die Arbeitswelt von morgen gestalten.

Intrapreneur
Gastautor Gero Hesse

5 Tipps für alle, die Unternehmer:in sein wollen ohne selbst zu gründen:

  1. Finde heraus, was du wirklich, wirklich machen willst. Wenn du dir eine Zukunft als Intrapreneur:in vorstellen kannst, sollte deine Idee natürlich in irgendeiner Weise sowohl mit dem Business deines Arbeitgebers vereinbar als auch dein großer innerer Wunsch sein – und nicht nur eine „fixe Idee“. Du musst es so sehr wollen, dass du im Notfall bereit wärst, womöglich gar einen anderen Weg zu gehen, zu kündigen und selbst zu gründen. 
  2. Sorge dafür, dass du eine enge vertraute Person hast, die nichts mit deiner Idee zu tun hat, aber als Sparringspartner:in geeignet ist. Diese Person muss sich nicht zwangsläufig fachlich auskennen, sie sollte dir aber mit einer gehörigen Portion gesunden Menschenverstandes konstruktiv-kritisches Feedback in diesem Prozess geben. Diese Rolle kann dein:e Partner:in einnehmen oder ein:e Coach:in. Auf jeden Fall jemand, der inhaltlich keine Aktien in deinem Vorhaben hat.
  3. Erstelle einen Business-Plan, mit dem du deine:n Vorgesetzte:n überzeugen kannst. Entwickle eine konkrete Vorstellung davon, was die Idee ist und wo und wie du sie im Unternehmen umsetzen willst. Welche Ressourcen, Skills und Kompetenzen brauchst du dafür? Und wessen Support für deinen Plan innerhalb der Organisation? 

Ebenso solltest du dich selbst pitchen: Warum bist ausgerechnet du der oder die Richtige dafür – sowohl aus deiner als auch aus Perspektive deines Arbeitgebers? Überlege auch, wie dein Arbeitgeber von diesem Schritt profitieren würde – außer, dich als Mitarbeiter:in zu halten.

Für den Feinschliff, diskutiere den Plan mit deinen Vertrauten und kläre letzte Fragen: Welche Ziele sollen erreicht werden? Wann ist das Ganze ein Erfolg, woran soll das gemessen werden?

  1. Der Plan steht – wenn du dich gut vorbereitet und sicher fühlst, führe ein offenes Gespräch mit deinem/deiner Vorgesetzen. Antizipiere mögliche Fragen und Bedenken und habe die richtigen Argumente parat, um sie zu diskutieren. Erinnere dich an den ersten Tipp: Geh „all in“ mit deiner Idee und steh für deine Wünsche ein. 
  2. Nicht locker lassen: Egal wie das Gespräch verlief, vereinbare einen Folgetermin mit der Zielsetzung, das Buy-In von deiner Führungskraft zu bekommen. Denn was du nicht vergessen darfst: Während du dir bereits ausführlich Gedanken machen konntest, hört dein:e Vorgesetzte:r das ganze zum ersten Mal. 

Wer sich derzeit umschaut, wird erkennen: Die Zeiten für unerwartete Karrierechancen sind vor dem Hintergrund der Entwicklungen auf dem Talentmarkt so gut wie selten zuvor: Clevere Chef:innen wollen ihre Mitarbeitenden halten und sind dafür mehr und mehr bereit, neue Wege zu gehen. Und falls du nicht weiterkommst, kannst du dich immer noch selbständig machen.

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