Productivity & New Work 5 Prinzipien, um ein wundervolles Team noch besser zu machen

5 Prinzipien, um ein wundervolles Team noch besser zu machen

Ich hoffe, die Tipps aus Teil 1 und Teil 2 konnten euch helfen, euch (wieder) wohl zu fühlen in euren Teams. In diesem vorerst letzten Teil der Reihe zoome ich ein wenig raus und schaue aufs Große Ganze: Prinzipien, die helfen können, Teams weiterzuentwickeln.

Seid ungefähr perfekt

Perfektionismus: der Klassiker, wenn’s drum geht, seine Ziele auf keinen Fall zu erreichen. Dabei heißt perfekt nicht mehr als „fertig.“ Den Ismus konstruieren sich – durchaus ohne böse Absicht! – die, die den fertigen Zustand nicht klar genug definieren oder die Definition kurz vor knapp ändern. Damit, Verzeihung, ist alles über Perfektionismus gesagt, was es zu sagen gibt.

Um ihn loszuwerden, probiert im Team eine neue Parole aus: Tue mehr mit Ungefähr. Ziele sind Attraktoren, wie Planeten, in deren Umlaufbahn ihr einschwenkt und die Route mal mit der einen, mal der anderen Steuerdüse korrigiert. Klar, das klappt nicht bei Mikrochip-Produktionsteams im Reinraum, vielen der restlichen 98 Prozent jedoch hat’s schon die Nerven gerettet.

Apokalypse Nie

John Gottman, Paartherapeut, formulierte die vier apokalyptischen Reiter in Paarbeziehungen. Und weil Teams Beziehungen sind, kommen die vier manchmal auch dort vorbei. Sie kommen oft nacheinander, und wenn man den ersten nicht verscheucht, kommt der nächste. Der erste ist Kritik, die an die Person statt die Sache gerichtet ist. Der zweite Reiter ist Verachtung, oft verkleidet als Sarkasmus, bei dem nur einer lacht. In Paarbeziehungen und vielen Teams, mit denen ich arbeitete – vor allem Teams aus Führungskräften –, warteten beide Reiter schon im Seminarraum, bevor die Menschen eintrabten. Den Ernst der Lage bemerken viele jedoch erst, wenn Nummer 3 dazu kommt, Rechtfertigung mit verbundener Beschuldigung des Anderen. Und der vierte, Mauern und Schweigen, ist dann nicht fern.

Wie den berühmten Elefanten im Raum verscheucht ihr die apokalyptischen Reiter am einfachsten, indem ihr sie erkennt und gemeinsam von allen Seiten betrachtet. Das hilft sowohl akut als auch vorbeugend und macht das Team mit der Zeit aufmerksamer und resilienter. So kann wiederkehrendes Getrappel – Verzeihung, Probleme – paradoxerweise sehr zielgerichtet zur Verbesserung des bereits Funktionierenden dienen.

Die inneren Stimmen geben den Ton an

Die eigene Haltung zu ändern ist ein bewährter Weg, das Verhalten anderer positiv und nachhaltig zu beeinflussen. Wie sonst sollte man es auch tun? Genauso wenig, wie Ihr jemandem ein Gefühl „machen“ könnt, könnt Ihr die Haltung anderer direkt ändern. Die Arbeit an Verhalten und Haltung muss nicht, sie kann nur an jedem selbst beginnen.

Ein guter Startpunkt dafür sind die Stimmen im eigenen Kopf: Was sage ich zu mir, wenn ich auf das Verhalten meines Teammitglieds reagiere? Wie führe ich mich selbst? Es ist lange nicht nötig, so kompliziert zu denken und das „innere Team“ zu skizzieren oder gar mit ihm zu verhandeln, das ist eine unnötige weitere Abstraktionsebene. Ich bin okay, du bist okay – das Mantra der Transaktionsanalyse ist im Grunde so einfach, wie es klingt. Lernt, mit euch umzugehen wie mit eurer besten Freundin oder Freund, wohlwollend, verständnisvoll, auf Wachstum bedacht. Das kann nicht nur, es wird sich ganz sicher auf eure Mitmenschen auswirken, auch die im Team.

Stellt die Wunderfrage

Ich hatte für gut zehn Jahre eine Praxis für Psychotherapie, und eine der ersten Fragen an neue Klient:innen war ein an sich simples hypnotisches Muster: die Wunderfrage. Steve de Shazer, Mitbegründer einer fast unanständig effektiven Kurzzeittherapieform, machte sie populär. Sie ist ebenso einfach wie wirksam und eignet sich neben der Einzelarbeit auch hervorragend, um Teams zu verwundern. Hier eine Kurzform:

„Stellt euch mal vor, liebes Team, ihr geht nachher nach Hause … (Pause und einsacken lassen!) … und macht das, was ihr abends halt so macht … (noch eine Pause, die Irritation genießen). Dann geht ihr schlafen (…) und nachts, während ihr schlaft (…) passiert ein Wunder. Das Wunder beinhaltet, dass alles, was uns hier noch etwas bedrückt (…) oder zurückhält (…) gelöst ist. Also total gelöst. Vollkommen. Das Ding ist aber, naja, ihr schlaft ja und bekommt gar nicht mit, dass das Wunder passiert. (…) Wenn ihr nun am nächsten Morgen aufwacht (…) woran bemerkt, seht, spürt ihr als erstes, dass das Wunder passiert ist?“

Passend formuliert und in einem guten Setting authentisch vorgebracht zieht diese Frage unweigerlich in einen Lösungsfokus. Nur in der Lösung zu denken ist für viele ungewohnt und kann daher besonders befreiend sein und unerwartete, wundervolle Erkenntnisse bringen. Probiert’s aus!

Am Nordpol ist in jeder Richtung Süden

Wenn das Team in der klirrenden Kälte steht, ist die Orientierung klar: Los, alle in die Wärme! Der Unterschied zwischen beiden Zuständen ist groß, Nordpol vs. Karibik, na klar, da geht man entweder mit … oder geht. Ein Team aus der tiefen Krise in einen funktionierenden Zustand zu begleiten geht auch deshalb schnell, weil der Kontrast so groß ist.

Ein Team „funktioniert“ gut, wenn die Einzelnen sich selbst so führen, dass sich alle gemeinsam in Richtung der Ziele bewegen. Wenn ein gutes Team besser werden soll, sinkt die Veränderungsgeschwindigkeit, weil die Kontraste mit der Zeit kleiner werden, statt Nordpol zu Karibik geht es um zwei, drei Grad mehr in der Sonne.

Lasst euch davon nicht beeindrucken oder gar abhalten. Kleine Schritte sind prima. Auf der Stelle stehen bleiben, glücklich und produktiv: ebenso. Klar könnt Ihr euch jeden dieser Tipps voll zu Herzen zu nehmen, alles ausprobieren, vielleicht bangen und schwitzen und hoffen. Und Ihr könnt auch: Zuschauen und euch wundern. Menschen sind ganz wunderbar unvorhersehbar, und solange die KI die Welt nicht übernimmt, sind sie alles, was wir haben, um voranzukommen: miteinander und mit uns selbst.

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