Leadership & Karriere Level up: Welche Glaubenssätze ich als „Arbeiterkind“ im Beruf erstmal loswerden musste

Level up: Welche Glaubenssätze ich als „Arbeiterkind“ im Beruf erstmal loswerden musste

Glaubenssätze sind mittlerweile ein beliebtes Buzzword in der Arbeitswelt. Sie machen jedoch nicht nur Lärm auf Social-Media-Plattformen, sondern auch im Kopf. Ein Glaubenssatz aus meiner Kindheit, den ich im ersten Teil meiner Artikel-Reihe zititert habe: „Ich bin Sailor Moon und im Namen des Mondes, werde ich dich bestrafen.“ Ehrlich? Wie dieser Satz mein Verhalten prägt, das habe ich noch nicht herausgefunden.

Es gibt aber Glaubenssätze, die sehr wahrscheinlich in vielen Köpfen von „Arbeiterkindern“, sprich Menschen mit sozialschwachem oder finanzschwachem Hintergrund, präsent sind und Blockaden aufbauen. Hier ein paar Beispiele:

Unbezahltes Praktikum: So eine Chance bekomme ich nie wieder 

Job: Ich darf keine Fehler machen, sonst verliere ich eventuell, was ich mir hart erarbeitet habe, deswegen gebe ich 150 Prozent 

Berufseinstieg: Hauptsache, ich habe erstmal einen Job. Ansprüche stellen kann ich noch wann anders

Netzwerk-Event: Ich kann die Person doch nicht einfach ansprechen

Meeting: Wer bin ich, meine Gedanken dazu zu äußern

Sie kommen daher, dass man sich in der Welt der Akademiker:innen fremd fühlt. Man hat nicht den gleichen Habitus (Grüße gehen raus an Pierre Bordieu), man befindet sich in einem völlig fremden Umfeld – auch später im Job.

Sich von diesen Glaubenssätzen zu lösen, ist anstrengend und setzt erstmal Arbeit am eigenem Selbstbewusstsein voraus. Das ist eine große Herausforderung, wenn man mit dem Gefühl aufgewachsen ist, man sei „einfacher“ als Menschen mit akademischen Background. Dabei ist das Bullshit.

Dennoch: Selbstbewusstsein und „Arbeiterkind-Dasein“ ist so eine Sache. Meine eigene Erfahrung: „Arbeiterkinder“ sind zunächst stiller, wirken introvertierter, beobachten zunächst mehr, eignen sich ihr Umfeld an und kommen dann aus sich heraus, wenn sie sich wohlfühlen.

Ich zum Beispiel habe zu Beginn in der Arbeitswelt zwischen Schüchternheit und Hands-On-Mentalität gestruggelt. Natürlich hatte ich Gedanken oder Ideen, aber dann kickte oft der Glaubenssatz: Wer bin ich, diese zu äußern? Irgendwann dann der Wendepunkt. Ich wusste: Wenn ich weiterkommen will, muss ich meine Zurückhaltung überwinden. Mit der Überwindung kommt die Erfahrung und dann das Verständnis, dass diese Glaubenssätze nicht stimmen.

Ich glaube auch: Haben wir im Berufsleben erstmal eine Position erreicht, werden die Hürden geringer – beruflich und charakterlich. Auch wenn man es selbst nicht greifen kann oder nicht merkt, man kommt irgendwann in der gleichen oder zumindest ähnlichen Liga an.

Vorausgesetzt natürlich, man hat bis dahin auf dem Weg nicht aufgegeben. Denn wenn die Startlinie sehr weit von der Ziellinie entfernt ist, kann die Energie auf dem Weg ausgehen. „Arbeiterkinder“ brauchen ein paar Portionen mehr Mut und Kraft.

Umso wichtiger ist die Arbeit von Führungskräften in Unternehmen:

  • nicht nur lauten und scheinbar präsenten Menschen Projekte anvertrauen, sondern auch mal den stilleren Mitarbeitenden. Sonst bleiben Entwicklungsmöglichkeiten und Zugänge verwehrt. Dabei sind Chancen und Vertrauen die Basis für eine Karriere. „Arbeiterkinder“ werden ohnehin alles daran setzen, nicht zu enttäuschen.
  • Vorleben, dass Fehler nicht schlimm sind. Wenn sie passieren, dann sachlich darüber reden und den Mitarbeitenden weiterhin gut zusprechen und ihnen weiterhin Chancen geben. Gebt nicht das Gefühl, dass jetzt „alles vorbei“ ist.
  • Stellt eure Mitarbeitenden auf Veranstaltungen euren Kontakten vor.

Das alles sind Punkte, von denen alle Mitarbeitenden profitieren, „Arbeiterkinder“ jedoch besonders.

Zum Abschluss: Das Unwissen über Strukturen und Dynamiken in akademischen Berufen hat mir sogar geholfen, Journalistin zu werden. Hätte ich früher gewusst, wie die Branche tickt, wäre ich wahrscheinlich von Beginn an eingeschüchtert gewesen und hätte es erst gar nicht so penetrant versucht. Unwissenheit kann mit Glück also auch eine Chance sein.

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