Leadership & Karriere Fürs große Ganze: Warum Du Dein Geschäftsmodell zerstören solltest

Fürs große Ganze: Warum Du Dein Geschäftsmodell zerstören solltest

Ein Gastbeitrag von Axel Kaiser, Gründer und CEO von Denttabs

Wer als Unternehmer:in über den Tag hinaus denkt, orientiert sich bei der Entwicklung des eigenen Geschäftsmodells nicht am „Was“, sondern am „Warum“. Das kann auch bedeuten, das größere Ganze über die Kontinuität des eigenen Geschäftsmodells zu stellen – und sich gelegentlich bewusst selbst zu kannibalisieren.

Warum schlägt Was

Es gibt sie ohne Frage: Unternehmen, die sich über ihr Produkt oder ihre Dienstleistung hinaus einem größeren Ziel verschrieben haben. Sie stellen (frei nach Simon Sinek) das „Warum“ in den Mittelpunkt ihres Handelns. Denken wir an Patagonia: Statt einfach nur Outdoor-Bekleidung zu verkaufen, setzt sich das Unternehmen aktiv für Nachhaltigkeit ein und ermutigt seine Kundinnen und Kunden sogar, nicht unnötig zu kaufen. Dieses starke „Warum“ hat Patagonia zu einer etablierten Marke gemacht, die weit über den kurzfristigen Profit hinaus denkt. Wirtschaftlich hat das Patagonia bisher nicht geschadet – ganz im Gegenteil.

Solche Unternehmen bleiben aber die Ausnahme. In der klassischen Logik, der die meisten Unternehmer:innen heute nach wie vor folgen, ist es nicht vorgesehen, das „Warum“ an die oberste Stelle zu setzen. Stattdessen halten viele Unternehmen an ihrem „Was“ fest, auch wenn es den gesellschaftlichen Anforderungen zuwiderläuft. Und das nur, um den Fortbestand des eigenen Unternehmens zu sichern. Diese Strategie rächt sich spätestens dann, wenn die Konsumentinnen und Konsumenten selbst beispielsweise mehr Nachhaltigkeit oder faire Unternehmenspraktiken einfordern. Hilfsweise wird dann oft versucht, die Mängel des eigenen Geschäftsmodells durch Green Washing zu übertünchen, um das „Was“ zu retten – das eigentliche „Warum“ bleibt dabei auf der Strecke.

Geschäftsmodell
Gastautor Axel Kaiser, CEO von Denttabs und Mitglied des Vorstands im Bundesverband nachhaltige Wirtschaft (BNW) e.V. 

Kurz gedacht wird nie zum Erfolg führen

Der Grund: Wer sein Thema (Warum) und sein Geschäftsmodell (Was) einmal von Anfang bis Ende durchdenkt, kommt vielleicht zu dem Schluss, dass im Geschäftsmodell ein Fehler vorliegt, zum Beispiel weil die „Schadschöpfung” (also das Verursachen von Schäden) einen viel größeren Einfluss hat als die Wertschöpfung. Womit der eigentliche Sinn der Unternehmung vermutlich auf der Strecke bleibt.

Wenn der tiefere Sinn eines Unternehmens nur darin besteht, seine Existenz zu sichern, also Geld zu verdienen, ist das Leben vergleichsweise einfach.

Wer aber zu begreifen beginnt, dass das eigene Handeln negative Auswirkungen auf das Leben anderer Menschen, auf die Natur (unsere Lebensgrundlage) oder auf den sozialen Zusammenhalt hat, kann in eine Sinnkrise geraten.

Dann hilft auch das schönste Mission-Statement nicht mehr. Denn über kurz oder lang werden die Konsument:innen den Marken und Unternehmen davonlaufen, die ihre Werte nicht authentisch vertreten, die trotz aller schönen Siegel und Werbeversprechen eben nicht die beste Version ihrer selbst werden. Der beste Rat, den man Unternehmer:innen geben kann, lautet also: Behalte Dein „Warum“ im Blick. Und wenn Du das konsequent tust, kann das auch bedeuten, dass Du Dein eigenes Geschäftsmodell über Bord werfen und ein neues definieren musst.

Es mag paradox erscheinen, das eigene Geschäftsmodell zu zerstören, um dem „Warum“ zu folgen. Es kann kurzfristig Schmerzen bereiten, Umsatz oder Gewinn kosten. Daher erfordert es Mut. Aber diese mutige Entscheidung ermöglicht es uns als Unternehmer:innen nicht nur, einen nachhaltigen Einfluss auf die Gesellschaft und die Welt zu haben, sie eröffnet auch neue Möglichkeiten für Innovationen, für die dauerhafte Lösung gesellschaftlicher Probleme und für nachhaltiges Wirtschaften.

Unternehmen, die so denken, wird es auch in Jahrzehnten noch geben, weil sie sich immer wieder neu erfunden haben, um die Probleme an der Wurzel zu packen und ein besseres Zusammenleben aller Menschen auf der Erde zu ermöglichen. Und das sollte doch der eigentliche Zweck eines Unternehmens sein: Auch in 30 oder 40 Jahren noch erfolgreich zu sein.

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