Random & Fun Darf ich meine Kolleg:innen mit meinem neuen Hobby nerven?

Darf ich meine Kolleg:innen mit meinem neuen Hobby nerven?

JA!

Vor einigen Jahren hatte ich ein verstörendes Erlebnis: Ein Kollege erzählte mir, dass er am Wochenende beim Wrestling war. Beim Wrestling? Er? Ich war halb entsetzt, halb belustigt – immerhin dachte ich, ihn zu kennen. Es stellte sich heraus, dass der Kollege über ein halb enzyklopädisches Wissen der deutschen Wrestling-Szene verfügte und etwa die Einlaufmusik der Berliner Ring-Legende Cash Money Erkan summen konnte. Ich kann bis heute nichts mit dem Sport anfangen, aber mein Kollege erschien mir danach als Mensch noch runder, noch interessanter.

Oder die andere Kollegin, die erzählte, dass sie sich auf einen Schrebergarten bewirbt und uns regelmäßig Updates zum höllisch schwierigen Prozess gab. Die war noch lange keine 30 Jahre alt, eigentlich viel zu jung für diesen Rentnerquatsch. Aber dann dachte ich: Ja, klar, das passt richtig gut zu ihr. Ich war froh, dass sie uns ein noch exakteres Bild von sich zeichnete. Jeder Mensch ist ein einzigartiges und komplexes Wesen – ein Satz, den man einfach mal so abnickt. Aber ist es uns auch wirklich bewusst?

Ein Hobby ist ein Angebot: an mehr Gemeinschaft, an mehr Interesse aneinander. An die Chance, im Büro Gemeinsamkeiten herzustellen. Ich freue mich über Unerwartetes aus dem Leben anderer. Und ich nehme den Mund vielleicht etwas zu voll, aber trotzdem: Sollte jemand hier mit dem Akkordeon auftauchen, würde ich zumindest zwei Minuten lang mit eingefrorener Miene zuhören.

von Alexander Langer

NEIN!

Und was hast du so für Hobbys? Diese Frage ist wohl die nervigste aller Fragen, die man seinem Gegenüber auf einem Date stellen kann. Für mich eine klare Red Flag beim Kennenlernen. Übrigens: Das ist genauso schlimm, wie zu fragen, was man denn so für Musik höre. Erstens: alles ein bisschen. Zweitens: Das ist ziemlich privat und geht dich erst mal gar nichts an. Ähnlich innerlich zum Kochen bringen mich Menschen, die mich mit ihren Hobbys und Musikvorlieben einfach zulabern – obwohl ich offensichtlich nicht danach gefragt habe. Das gilt nicht nur für meine Date-Partner, sondern genauso für meine lieben Kolleginnen und Kollegen.

Ich muss im Morning-Call nicht immer und immer wieder hören, welches neue „Hobby“ ihr gestern ausprobiert habt. Sich mit seinen Friends treffen, ins Kino gehen oder irgendwo in Brandenburg Bäume umarmen sind übrigens keine „Hobbys“. Das nennt man einfach Freizeit. Kleine Auszeiten im Alltag, die man mit so ziemlich allen Menschen gemeinsam hat. Also, Ulrike: Wenn deine neue Passion auf einmal ist, Glaskatzen zu sammeln, dann teile diese mit anderen Menschen, nicht mit mir.

Und Henry, mich interessiert auch nicht, wie toll dein neuer Minigolf­­verein ist. Wenn du mir erzählst, mit wie wenigen Versuchen du doch auf Bahn 5 eingelocht hast, wirst du von mir nur ein Augenrollen sehen. Lasst uns im Team lieber mehr darüber sprechen, wie schön es sein kann, keine (vermeintlichen) „Hobbys“ zu haben.

von Katharina Boecker

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