Innovation & Future Unterschätzte Gefahr? Wie eine App mit Hilfe von KI vor Schlafapnoe warnt

Unterschätzte Gefahr? Wie eine App mit Hilfe von KI vor Schlafapnoe warnt

In einem Raum mit Schnarcher:innen schlafen kann ganz schön lästig sein. Doch viel schlimmer: Für die Schnarcher:innen selbst kann das Verschließen der Atemwege auch auf eine ernsthafte Erkrankung hinweisen.

Unter einem gefährlichen Schnarchen, einer sogenannten Schlafapnoe, leiden in Deutschland laut einer Studie der ResMed 20 Millionen Menschen. Doch viele Betroffene wissen davon nichts. Das junge Startup Snorefox will mit einer eigenen App und mit Hilfe der KI eine erste Risikoanalyse mit dem Smartphone für alle ermöglichen.

Wir haben mit einem der Gründer, Heiko Butz, im Interview über Schlafapnoe und der KI hinter der App gesprochen.

Vor Snorefox hast du Koawach gegründet. Wieso treibt dich das Thema Schlaf so sehr um?

Das Thema Schlaf wird häufig unterschätzt, so war das auch bei mir. Erst wenn man eine Zeit lang nicht gut schläft, merkt man, was für einen Einfluss Schlaf auf unsere Lebensqualität hat. Koawach ist ein Kakao mit Koffein aus Guarana. Da geht es also eher darum, länger wach zu sein. Gerade dann sollte der Schlaf erholsam sein.

Bei mir kam der schlechte Schlaf durch mein Schnarchen. Also habe ich nach Lösungen gesucht. Mein Mitgründer Dr. Christoph Janott und ich haben uns darüber gewundert, warum es zum Thema Schnarchen und Schlafapnoe noch keine einfachen Screening-Lösungen gibt.

Bei dir kam das Interesse also aus Eigennutz?

Genau. Als ich mich mit dem Thema Schnarchen beschäftigt habe, bin ich über Schlafapnoe gestolpert und habe bemerkt: Das kann echt gefährlich werden. Unbehandelt kann das schwere gesundheitliche Auswirkungen haben. 

Erklär uns mal genauer, was so eine Schlafapnoe bedeutet.

Die Erkrankten gehen zu Bett und in der Nacht verschließen sich die oberen Atemwege kurzzeitig. Um das zu differenzieren: Beim Schnarchen handelt es sich um eine Verengung der Atemwege und dann vibriert beispielsweise das Gaumensegel oder der Kehldeckel.

Beim gefährlichen Schnarchen, also der Schlafapnoe, verschließen die Atemwege komplett und die Betroffenen bekommen keine Luft mehr. Dadurch sinkt die Sauerstoffsättigung im Blut bis zu einem kritischen Punkt. Der Körper reagiert dann mit einer Überlebensreaktion und es kommt zu einem panischen Einatmen.

Was für Folgen hat das für Erkrankte?

Das passiert bei Betroffenen bis zu hundertmal in der Nacht. Den erholsamen Tiefschlaf kann man damit vergessen. Deshalb wachen Erkrankte häufig auch sehr gerädert auf. Häufige Symptome sind Kopfschmerzen, Tagesschläfrigkeit oder verminderte Leistungsfähigkeit.

Allerdings sind die Symptome vom Arzt nur schwer zuzuordnen. Die gefährlichen Langzeitfolgen sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wie Herzinfarkte, Bluthochdruck oder Schlaganfälle.

Schnarchen
Gründer Heiko Butz und Dr. Christoph Janott (v.l.n.r., Credits: Tuca Paoli)

Und Snorefox soll dabei Abhilfe schaffen? 

Unsere App misst die Atemgeräusche über Nacht und analysiert die Atemmuster. Das geht ohne zusätzliche Hardware mit dem Handy. Dafür legt man das Handy einfach neben das Bett und am nächsten Tag erhält man eine zweiteilige Analyse.

Der erste Teil ist die einfache Schnarchanalyse: Wie häufig, wann und wie laut schnarche ich? Im zweiten Teil wird dann das Risiko für Schlafapnoe analysiert. Da wird geguckt: Wie viele Atemaussetzer hatte ich? Und wann waren sie?

Wie gehe ich anschließend mit meiner Analyse um?

Wenn ein hohes oder mittleres Risiko für Schlafapnoe besteht, lassen wir unsere User:innen damit natürlich nicht allein. Über die App lassen sich Fachmediziner:innen finden, die sich mit Schlafapnoe auskennen. Denn eine Schlafapnoe sollte unbedingt behandelt werden.

Es kann hilfreich sein, durch die Analysen noch weitere Informationen zu sammeln, zum Beispiel wann die Atemaussetzer verstärkt auftreten. Es gibt verschiedene Risikofaktoren: Alkohol, Zigaretten oder fettes Essen begünstigen gefährliches Schnarchen.

Gibt es die Atemaussetzer nur, wenn ich mit meinen Leuten um die Häuser gezogen bin? Oder auch an normalen Tagen? Diese Informationen können für den Arztbesuch hilfreich sein.  

Können Ärzt:innen die Daten aus der App nutzen?

Es ist auf alle Fälle ein guter Anhaltspunkt für Schlafmediziner:innen beim ersten Anamnese-Gespräch. Anschließend wird man körperlich vom Arzt untersucht. Schlafapnoe kann auch anatomische Ursachen haben.

Als weitere Untersuchung kommt dann ein Polygraphie-Gerät. Das ist eine Box, die man mit nach Hause nimmt, an die man sich nachts anschließt und die verschiedene Daten wie die Sauerstoffsättigung überwacht. Sollte das Ergebnis immer noch uneindeutig sein, gibt es noch die Möglichkeit, ein bis zwei Nächte in einem Schlaflabor zu übernachten. 

Wie genau funktioniert die Schlafapnoe-Analyse überhaupt?

Dazu nutzen wir künstliche Intelligenz. Wir haben die größte gelabelte Schnarch-Datenbank der Welt aufgebaut. Damit haben wir die KI trainiert. Das ganze lief so ab: Wir hatten die Schnarch-Daten mit Videobeweis.

Mediziner:innen haben das so gelabelt, dass die KI damit arbeiten kann. In der Tat waren das 10 Jahre Forschungsarbeit. Mein Mitgründer Christoph Janott hat darin seine Doktorarbeit geschrieben. Das wurde in einem interdisziplinären Forschungsprojekt mit Mediziner:innen entwickelt. Er hat schon damals gemerkt, dass es da einen großen Bedarf bei den Mediziner:innen gibt. Snorefox wird teilweise auch schon von Ärzt:innen empfohlen. 

Was sind die Zukunftspläne für Snorefox?

Die App wird weiterentwickelt. Die UX muss so sein, dass User:innen sich wirklich wohlfühlen. Ansonsten beschäftigt man sich nicht gerne mit einem solchen Thema. Wir erweitern natürlich auch immer weiter unsere Datenbank. Da sind wir über jede Datenspende dankbar. In der App kann man das Einverständnis geben, dass die Daten zu wissenschaftlichen Zwecken weiterverarbeitet werden.

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