Leadership & Karriere Führung im Wandel: Zwischen digitaler Revolution und Vertrauensverlust

Führung im Wandel: Zwischen digitaler Revolution und Vertrauensverlust

Gastbeitrag von Marlow D. Guttmann, Unternehmensberater, Wirtschaftsjurist und Autor.

Die digitale Transformation revolutioniert nicht nur die Art, wie wir arbeiten, sondern stellt auch Führungskräfte vor bisher ungekannte Herausforderungen. In diesem Artikel erkunden wir die Distanzführung, betonen die Schlüsselrolle des Vertrauensaufbaus und zeigen klare Wege auf, wie moderne Führungskräfte diese Herausforderungen erfolgreich bewältigen können.

Die neue Arbeitswelt eröffnet dank Digitalisierung scheinbar grenzenlose Möglichkeiten der Kommunikation über Kontinente hinweg. Dennoch lauern subtile Fallstricke, wie eine Studie von Remdisch und Schumacher (2015) verdeutlicht. Die vermeintliche Nähe durch digitale Medien kann die Feinheiten persönlicher Interaktion nicht ersetzen. In dieser Ambivalenz ist es entscheidend, dass Führungskräfte ihre neue Rolle in der Distanzführung begreifen und lernen, diese geschickt zu meistern.

In einer Welt, in der physische Zusammenarbeit im Büro nicht mehr selbstverständlich ist, wird der Aufbau von Vertrauen zwingend notwendig. Studien zeigen auf, dass die räumliche Distanz zu einem spürbaren Rückgang informeller Interaktionen führt (Hays & Rheingold, 2021). Hier müssen Führungskräfte neue Wege finden, Vertrauen zu schaffen, und sich bewusst machen, dass dies nicht mehr ausschließlich durch spontane Gespräche und informellen Austausch möglich ist.

Die Anforderung der nonverbalen Kommunikation in der digitalen Welt erfordert von Führungskräften die Fähigkeit, subtile Nuancen zu bewahren, denn elektronische Medien vermögen nicht, die Feinheiten von Mimik, Gestik und Tonfall einzufangen. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt, um die Botschaften richtig zu interpretieren und die unsichtbare Brücke zwischen den Teammitgliedern aufrechtzuerhalten.

In dieser neuen Führungssituation entwickelt sich die Medienkompetenz zu einer zentralen Schlüsselqualifikation für moderne Führungskräfte. Eine von Hays (2021) durchgeführte Studie zeigt jedoch, dass nur 15 Prozent der Befragten die Medienkompetenz ihrer Führungskräfte als ausreichend einschätzen. Daher ist eine gezielte Weiterbildung in diesem Bereich unerlässlich, um nicht nur die technische Infrastruktur bereitzustellen, sondern auch ein tiefgreifendes Verständnis für digitale Tools und deren vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zu entwickeln.

Die Einführung von Remote-Arbeitsmodellen führt bei Führungskräften nicht selten zu einem gefühlten Kontrollverlust (Boos et al., 2020). Dies wiederum resultiert oft in einer zurückhaltenden Delegation von Verantwortung und Entscheidungsbefugnissen. Um diesen Ängsten zu begegnen, bedarf es einer grundlegenden Neuausrichtung der Führungskultur. Die Förderung von Selbstorganisation und das aktive Vorleben von Eigenverantwortung sind hierbei zentrale Elemente.

Selbstführung und Selbstreflexion gewinnen an zentraler Bedeutung. Die Fähigkeit zur kritischen Selbstreflexion ermöglicht es Führungskräften, ihre eigenen Führungsstile zu hinterfragen und an die virtuelle Realität anzupassen. Selbstführung wird nicht nur als individuelle Verantwortung betrachtet, sondern als wesentlicher Beitrag zur Effektivität des gesamten Teams. Authentizität und Selbstbewusstsein ermöglichen es Führungskräften, Vertrauen aufzubauen und das Team erfolgreich zu leiten.

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