Female Entrepreneurship Mütter wollen mehr arbeiten, Väter weniger – Der Spagat zwischen Arbeit und Kind

Mütter wollen mehr arbeiten, Väter weniger – Der Spagat zwischen Arbeit und Kind

Mütter arbeiten in der Regel weniger als Männer und kümmern sich häufiger um Kind(er) und Haushalt. Doch wenngleich das aus verschiedenen Ecken kritisiert wird – ist es nicht so, dass Frauen das eigentlich auch so wollen?

Nicht so ganz. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB). Diese ermittelte die Idealvorstellungen zur Arbeitszeit von Müttern und Vätern im Zusammenhang mit den tatsächlichen Arbeitszeiten. Die Untersuchung zeigt: Auf der einen Seite möchten Frauen mehr arbeiten, auf der anderen Seite möchten Männer aber auch weniger arbeiten.

Familie und Job: Eine Doppelbelastung für Eltern

Betrachtet wurde im Rahmen der Studie die sogenannte Rushhour. Das ist die Lebensphase, in der Familiengründung und der berufliche Einstieg zusammenkommen und somit eine Doppelbelastung für die Eltern gegeben ist. Bezogen wurde sich im Rahmen der Studie vor allem auf die Rushhour in der Phase junger Kinder. Insbesondere diese Zeit ist meist für beide Elternteile ein ständiger Jonglieract – während Mütter in der Regel die Hauptverantwortung für Kinder, Familienalltag und Haushalt tragen müssen, sind sie gleichzeitig zumeist die “Kinkeeperinnen” der Familie. Viele Frauen sind mehr oder weniger freiwillig in dieser Lebensphase dazu verdonnert, ihre Arbeitsstunden zu reduzieren, um das alles unter einen Hut zu bekommen. Doch meist ist die Doppelbelastung auch für Väter spürbar. Sie meistern im besten Fall einen Spagat zwischen dem Vollzeitjob und der Rolle des engagierten Vaters für das Kind.

Rushhour verstärkt traditionelle Geschlechterrollen

Zumindest in vielen Familien sieht das noch heute so aus. Denn auch in gleichberechtigten Partnerschaften verstärkt die Rushhour oft die traditionellen Geschlechterrollen. Die Ankunft eines Kindes führt häufig dazu, dass sich Paare in Rollenmuster zurückziehen, mit Frauen, die vermehrt die Fürsorge- und Hausarbeit übernehmen, während Männer sich verstärkt auf ihre Erwerbsarbeit konzentrieren. Diese Ungleichheit fängt aber bereits bei der Gesetzgebung an. So sollte die sogenannte “Familienstartzeit” bereits seit Anfang des Jahres Vätern zumindest zwei Wochen bezahlten Vaterschaftsurlaub ermöglichen, um für mehr Gleichberechtigung zu sorgen. Doch diese Unterstützung für Eltern steht aktuell auf Eis. Kein Wunder also, dass noch immer die Tendenz besteht, dass Frauen für das Kind zu Hause bleiben und die Männer quasi direkt vom Kreißsaal aus wieder ins Büro fahren.

Mütter möchten mehr Stunden arbeiten und Väter weniger

Doch nun zeigt die Untersuchung, dass sowohl Müttern als auch Vätern ihre durchschnittliche Arbeitszeit gar nicht so recht ist. So arbeiten Mütter mit Kleinkindern durchschnittlich 21,1 Stunden pro Woche, wobei sie idealerweise 2,1 Stunden mehr arbeiten würden. Mit dem Alter des Kindes steigt auch die Diskrepanz zwischen Idealvorstellung und Realität. Ist das Kind vier Jahre alt, dann arbeiten Mütter mit durchschnittlich 26,6 Stunden ungefähr 4,2 Stunden weniger, als sie gerne würden. Sind die Kinder acht bis 18 Jahre alt, dann liegt die ideale Arbeitszeit für Mütter sogar circa acht Stunden über ihrer tatsächlichen Arbeitszeit. Für Väter sehen die Ergebnisse genau andersherum aus: Insbesondere mit jungen Kindern wollen sie am liebsten weniger Stunden arbeiten als sie es tun.

Warum es mehr braucht als die Veränderung gesellschaftlicher Rollenbilder

Die Ergebnisse der Studie unterstreichen die dringende Notwendigkeit einer umfassenden Anpassung von Familien- und Arbeitsmarktpolitik, um gerechte Rollenverhältnisse zu schaffen. Nicht nur die gesellschaftlichen Einstellungen, sondern insbesondere die institutionellen Rahmenbedingungen müssen so gestaltet werden, dass sie den Fürsorgebedarf von Kindern berücksichtigen. Es ist unerlässlich, dass politische Entscheidungstragende und Arbeitgebende Maßnahmen ergreifen, um Familien bei der Bewältigung der Rushhour zu unterstützen.

Konkret sollten Maßnahmen getroffen werden, um Müttern eine schrittweise Rückkehr zu höheren wöchentlichen Arbeitszeiten zu ermöglichen. Hierbei ist es wichtig, Hindernisse wie unzureichende Kinderbetreuungsmöglichkeiten oder mangelnde Flexibilität am Arbeitsplatz zu überwinden. Gleichzeitig sollten Väter in der Lage sein, ihre Erwerbstätigkeit ohne die Gefahr erheblicher Karriere- oder Einkommenseinbußen an die Bedürfnisse ihrer Familie anzupassen.

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