Leadership & Karriere Petz-Kultur in Deutschland: Jeder Zweite würde einen Mitarbeitenden verpetzen

Petz-Kultur in Deutschland: Jeder Zweite würde einen Mitarbeitenden verpetzen

Petzen, das ist ein negativ konnotiertes Wort. Bereits im Kindesalter wurde keiner von uns gerne als Petze bezeichnet – dabei ist es manchmal doch sogar richtig, ein Fehlverhalten zu melden, oder?

Das ermittelte eine Umfrage von CVapp.de unter 4.000 deutschen Bürgerinnen und Bürgern zwischen Januar und Februar 2024. Demnach sind es besonders die jungen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Einstiegs- und Juniorpositionen, die gerne einmal kleine Vergehen ihrer Kolleginnen und Kollegen melden, um das eigene Image zu verbessern. Immerhin 31 Prozent solcher Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger würden das tun. Durchschnittlich haben das 27 Prozent aller Befragten bereits gemacht – wobei 54 Prozent schon einmal in Erwägung gezogen haben, das zu tun.

Zu spät kommen ist das größte No-Go

Melden würden die Angestellten ihre Kolleginnen und Kollegen am ehesten, wenn sie zu spät am Arbeitsplatz erscheinen oder ihn zu früh wieder verlassen – fast ein Viertel der Befragten (24,3 Prozent) würde ein solches kleines Vergehen petzen. Auf Platz zwei der Vergehen, die am ehesten gemeldet werden, befindet sich Online-Shopping. Das würden 18,3 Prozent der Befragten ankreiden. Auch würden 17,7 Prozent der Arbeitnehmenden ihre Kolleginnen und Kollegen für zu häufige private Telefonate verpetzen. Knapp über 14 Prozent würden zu lange und häufige Pausen, Romanzen innerhalb des Kollegiums und das Überschreiten von Fristen nicht für sich behalten. Kleinere Verstöße gegen den Dresscode würden hingegen nur 1,2 Prozent der Befragten melden.

Vom Petzen profitiert man nicht

Am Ende würden aber doch die meisten Befragten nicht zur Petze mutieren. Mehr als jeder Zweite (54 Prozent) gab in der Umfrage an, bereits Fehler am Arbeitsplatz beobachtet und sie nicht gemeldet zu haben – da spielt dann auch das eigene Image keine Rolle.

Für Amanda Augustine von CVapp.de ist das Petzen im Arbeitsumfeld sowieso keine gute Option, um langfristig positiv angesehen zu werden: “Der Aufbau eines Rufs als zuverlässiger, vertrauenswürdiger und kooperativer Mitarbeiter wird langfristig zu besseren Karrierechancen führen als die kurzlebigen Vorteile, die damit verbunden sind, dass Kolleg*innen sich gegenseitig melden, um weiterzukommen.” Grundsätzlich kann es zu schlechten Stimmungen innerhalb des Teams führen, wenn Mitarbeitende die Fehler anderer verpetzen. Auch kann ein solches Verhalten das erste Zeichen für Social Undermining sein – ein wahrer Karriere-Killer für Betroffene.

In der Führungsetage werden Fehler am häufigsten ignoriert

Übrigens sind es die Führungskräfte, die am ehesten die Fehler ihrer Mitarbeitenden für sich behalten. So gaben 59 Prozent der Geschäftsführerinnen und Unternehmensinhaber an, dass sie bereits einmal Fehler aktiv ignoriert haben. Auch ist es genau diese Führungsetage, die gar nicht gerne Beschwerden über das Management durchsickern lässt. Denn während 13 Prozent der befragten Managerinnen und Manager eine Beschwerde über das Management vonseiten eines Mitarbeitenden melden würden, würden das lediglich 6,9 Prozent der leitenden Angestellten tun.

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