Green & Sustainability Wie der Fachkräftemangel die Deutsche Bahn ausbremst

Wie der Fachkräftemangel die Deutsche Bahn ausbremst

Die Deutsche Bahn (DB) nervt nicht nur täglich zahlreiche Kundinnen und Kunden durch Verspätungen und Streiks, sie hat noch ein viel größeres Problem: einen akuten Fachkräftemangel. Immer mehr Stellenanzeigen schaltet die DB deshalb – im Vorjahr sogar über 68.600. Doch offenbar will keiner für den Konzern arbeiten. 

68.600 Stellenanzeigen veröffentlichte die DB in 2023, das ermittelte eine Stellenmarkt-Analyse der Berliner Personalmarktforschung Index Research. Das sind 10 Prozent mehr als noch 2022. Und das ist ein Trend, der sich seit einigen Jahren fortsetzt. So stiegen die Stellenausschreibungen bereits 2021 um fast 40 Prozent und 2022 um über 25 Prozent an, verglichen mit dem Vorjahr. Die DB sucht also händeringend nach zahlreichen Fachkräften, doch schafft es nicht, die Stellen zu besetzen.

Gesucht werden neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in verschiedenen Bereichen. Die meisten Stellen schreibt die DB für Ingenieure, Konstrukteurinnen und Architekten aus. Alleine im Januar 2024 veröffentlichte der Konzern rund 5.200 Positionen für solche Fachkräfte. Auf Platz zwei stehen Handwerkerinnen und Bauarbeiter, die für etwa 4.000 offene Stellen gesucht werden. Mit 2.700 offenen Stellen wurden zum Jahresanfang am drittmeisten Mitarbeitende im Bereich Transport und Logistik gesucht – dazu gehört auch das Lok- und Zugpersonal.

Der Fachkräftemangel der DB ist also tatsächlich sehr breit gefächert. Die meisten Stellenangebote richten sich dabei an gewerbliche Fachkräfte, Fachkräfte mit abgeschlossener akademischer Ausbildung für Technik, Verwaltung und Management sowie an Schülerinnen und Schüler für einen Ausbildungsplatz. In Bayern, Hessen und Baden-Württemberg sind hierbei die meisten offenen Stellen aus dem Januar 2024.

Liest man diese Zahlen, dann kann man sich über die zahlreichen Zugverspätungen, die im letzten Jahr auf einem Rekordniveau waren, eigentlich kaum wundern. Außerdem macht das auch die gute Streikposition der GDL deutlich. Aktuelle Forderungen vonseiten der GDL beinhalten eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich für Schichtarbeitende, eine Lohnsteigerung von 555 Euro, 25 Prozent höhere Zulagen und eine einmalige steuerfreie Inflationsausgleichsprämie von 3.000 Euro. Wobei die GDL mit diesen Forderungen einen Tarifvertrag für lediglich ein Jahr abschließen will, während die DB sich für 32 Monate einigen möchte.

Angesichts der schier endlosen Suche nach qualifiziertem Personal bei der DB drängt sich daher die Frage auf: Kann sich die DB überhaupt leisten, den Forderungen der GDL nicht nachzukommen? Bei über 68.600 Stellenanzeigen im letzten Jahr und einem akuten Fachkräftemangel scheint es, als hätte die DB keine Wahl – sie muss sich den aktuellen Trends und Entwicklungen anpassen, um überhaupt noch eine Chance zu haben, ihre Züge wieder richtig aufzugleisen. Entweder finden sie einen Weg, den Kurs zu halten und das Personalproblem zu lösen, oder sie riskieren, dass ihre Mitarbeitenden den Zug der DB verlassen und auf einen anderen aufspringen.

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