Innovation & Future Gründen im Studium: Sie haben sich getraut und verraten ihre Tipps – Teil 3

Gründen im Studium: Sie haben sich getraut und verraten ihre Tipps – Teil 3

Studieren und nebenher ein Unternehmen gründen – kann das gut gehen? Jeder, der selbst studiert hat, weiß, dass die Uni viel Stress bereitet und vor allem in den heißen Phasen wenig Zeit für anderes bleibt. Wie soll man da noch ein Unternehmen nebenher gründen? 

Business Punk hat mit drei jungen Gründern gesprochen, die während des Studiums erfolgreich gegründet haben. Sie verraten, wie sie die Doppelbelastung bewältigt haben, was ihre ersten Schritte waren und geben Tipps, worauf dabei unbedingt zu achten ist.

In Teil 3 erklärt CEO Moritz Lindner, wie er Reisetopia gegründet hat. Was 2016 als Hobby neben der Uni begann, fährt heute Millionen-Umsätze ein. Die Vision des Berliner Start-ups ist es, Luxusreisen für jedermann zugänglich zu machen und trotzdem eine diskrete und sichere Atmosphäre beim Buchen der Reisen zu schaffen. 

Moritz, wie bist du auf die Idee gekommen, schon während des Studiums selbst zu gründen?

Gemeinsam mit Kommilitonen bin ich dank Meilen und Punkten in Luxushotels abgestiegen und habe außergewöhnliche Flüge in der Business Class erlebt, ohne mehr zu bezahlen als andere Studenten. Die dazu passenden Tipps und Tricks wollten wir teilen und haben so mit reisetopia angefangen – zuerst gar nicht mit dem Ziel, eine Firma zu gründen.

Gab es ein bestimmtes Ereignis, das dich dazu ermutigt oder inspiriert hat?

Da mein Vater selbstständig ist, konnte ich schon in meiner Kindheit miterleben, wie sich Selbstständigkeit anfühlt. Entsprechend habe ich auch kein besonderes Erlebnis mehr gebraucht, um mich dafür zu entscheiden, selbst zu gründen. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mich entschieden habe, das Hobby zum Beruf zu machen. Das “Ereignis” war hier eine Aktion, die wir gemeinsam mit einem Kreditkartenunternehmen umgesetzt haben. Da haben wir gesehen: Oh wow, da steckt richtig Potenzial drin!

Was waren dann deine ersten Schritte?

Wir haben nie einen Businessplan oder ein Pitch Deck kreiert, sodass die ersten Schritte ganz simpel waren. Zuerst haben wir die Webseite gebaut, dann eine Content- sowie eine Community- und Marketing-Strategie entwickelt. Die klassischen unternehmerischen Themen kamen erst deutlich später.

Was waren Besonderheiten und Probleme auf dem Weg zur Gründung?

Unsere größte Besonderheit war, dass wir es alle zuerst nur als Hobby gesehen hatten. Entsprechend hatten wir andere Dinge zu tun, etwa Arbeiten schreiben und für Klausuren zu lernen. Das größte Problem war dementsprechend die fehlende Zeit. Die Entscheidung zu treffen, andere Dinge liegen zu lassen, ist gar nicht so einfach – gerade wenn man nicht weiß, wo die Reise am Ende hingeht.

Was hat die Doppelbelastung mit dir gemacht?

Ich hatte das Glück, dass ich relativ spät im Studium gegründet habe und somit nur die Doppelbelastung mit meiner Masterarbeit und einem Praktikum hatte. Ich konnte meine Zeit sehr flexibel einplanen. Allerdings muss man sich bewusst machen, dass man in der Gründungszeit kaum Zeit für Hobbys hat. Man arbeitet im Grunde den Tag über und macht dann in der Freizeit noch einmal dasselbe. Gut ist dann natürlich, wenn man sein Hobby zum Beruf macht.

Was sind deiner Meinung nach Vor- und Nachteile bei einer Unternehmensgründung während des Studiums?

Die Doppelbelastung ist bei einer Gründung immer problematisch, wobei ich hier tatsächlich auch Vorteile sehe. In manchen Studiengängen kann man sich die Zeit selbst einteilen – beispielsweise wenn es um Hausarbeiten geht. So hat man mehr Flexibilität als bei einer Gründung während eines klassischen Vollzeitjobs. Der größte Nachteil hingegen ist, dass die Erfahrungen aus der Berufswelt fehlen – retrospektiv hätte es an der einen oder anderen Stelle sicher nicht geschadet, auch anderswo Erfahrungen zu sammeln.

Was würdest du anderen raten, die während des Studiums gründen möchten?

Mein wichtigster Tipp ist, eine gewisse Lockerheit mitzubringen. Wer während des Studiums gründet, geht zwar ins Risiko, allerdings hat man immer noch das Backup durch das Studium. Man muss sich nicht verrückt machen und kann getrost auch einmal scheitern. Diese Mentalität hat mir immer sehr geholfen, weil man auch in schwierigen Zeiten einen klaren Kopf bewahrt und sich nicht zu viel Druck macht.

Was würdest du heute anders machen?

Offen gesagt würde ich fast nichts anders machen, weil ich glaube, dass wir in der damaligen Situation den richtigen Weg gegangen sind. Natürlich hätte ich mir gewünscht, manche Dinge zu wissen, die ich heute weiß. Allerdings ist es schlicht nicht möglich, dieses unternehmerische Vorwissen zu haben, wenn man aus dem Studium heraus gründet. Der einzige Aspekt, bei dem ich mich nachträglich wirklich ärgere und bei dem ich dazu raten kann, sich mehr Gedanken zu machen, ist der Gesellschaftsvertrag. Hier haben wir an der falschen Stelle gespart und das Thema zu wenig beachtet – das hat dann auch Jahre später noch für Ärger gesorgt.

Was würdest du wieder genauso machen?

Im Grunde die Dinge, die wir operativ gemacht haben. Nicht, weil ich glaube, dass alles richtig war (im Gegenteil), sondern weil ich die Zeit enorm genossen habe. Wir haben sehr viel ausprobiert, sind immer mal wieder gescheitert, haben aber auch tolle Erfolge gefeiert. Die Zeit war stressig, aber auch voller Emotionen und Begeisterung, die man sonst in seinem Alltag nicht erlebt. Genau das ist der Grund, warum ich das Gründen so toll finde und so viel aus meiner unternehmerischen Laufbahn ziehe. Deshalb würde ich sogar die Dinge, die ich nachträglich vielleicht nicht so gut finde, noch einmal machen – schlicht, weil ich so viel daraus gelernt habe, was mir heute sehr hilft.

Falls du Teil 1 und 2 zu “Gründen im Studium” verpasst hast:

Hier findest du Teil 1 mit rightmart-CEO Marco Klock.

Hier geht’s zu Teil 2 mit Plancraft-CEO Julian Wiedenhaus.

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