Innovation & Future Gründen im Studium: Sie haben sich getraut und verraten ihre Tipps – Teil 1

Gründen im Studium: Sie haben sich getraut und verraten ihre Tipps – Teil 1

Studieren und nebenher ein Unternehmen gründen – kann das gut gehen? Jeder, der selbst studiert hat, weiß, dass die Uni viel Stress bereitet und vor allem in den heißen Phasen wenig Zeit für anderes bleibt. Wie soll man da noch ein Unternehmen nebenher gründen? 

Business Punk hat mit drei jungen Gründern gesprochen, die während des Studiums erfolgreich gegründet haben. Sie verraten, wie sie die Doppelbelastung bewältigt haben, was ihre ersten Schritte waren und geben Tipps, worauf dabei unbedingt zu achten ist.

In Teil 1 erklärt Marco Klock, CEO der rightmart Group, wie er das Legal-Tech Unternehmen  gegründet hat. Sein Weg dorthin war nicht abzusehen: Nach dem Abitur machte Marco kurzzeitig als Pokerprofi Karriere, bis er sich für ein Jurastudium entschied. Aus diesem heraus hat er rightmart gegründet. Die Vision: Ein gerechter Rechtsmarkt, der für alle zugänglich ist. Zehn Jahre später ist rightmart die größte Kanzlei für Verbraucherrecht Deutschlands und behandelt jährlich über 750.000 Rechtsfälle.

Marco, wie bist du auf die Idee gekommen, schon während des Studiums selbst zu gründen?

Als ich nach meiner Zeit als Profi-Pokerspieler angefangen habe, Jura zu studieren, wollte ich einen Nebenjob, der passt. Gemeinsam mit meinem Kommilitonen Phillip Harsleben habe ich ganz klassisch für Kanzleien gearbeitet. Es war erstmal Mittel zum Zweck. Dabei haben wir gemerkt, dass daraus auch ein Business Case werden könnte. 

2013 gründeten wir dann unser erstes gemeinsames Unternehmen aus dem Studium heraus – ein Legal Tech, das Kanzleien dabei half, juristische Gutachten und Schriftsätze durch Jurastudierende erstellen zu lassen. Das Business gibt es zwar nicht mehr, aber daraus ist letztlich rightmart entstanden – die 2. Gründung im Studium. Wir wollten die herkömmliche Anwaltsarbeit mit Technologie und Daten verbessern. Dahinter steckte unsere Vision, eine Kanzlei zu schaffen, die Recht für alle Menschen zugänglich macht.

Gab es ein bestimmtes Erlebnis, das dich dazu ermutigt oder inspiriert hat?

Ich war auf der Suche, um ehrlich zu sein. Für mich war schon vor dem Studium klar, dass ich irgendwann unternehmerisch tätig werden will und ich habe so schnell wie möglich jede Chance ergriffen. 

Was waren dann deine ersten Schritte?

Website launchen und Flyer drucken. Die haben wir dann in Bremen an Kanzleien verteilt und so die ersten Aufträge generiert. 

Was waren Besonderheiten und Probleme auf dem Weg zur Gründung?

Die größten Probleme waren die fehlende Erfahrung und das fehlende Netzwerk. Selbst bei der zweiten Gründung haben wir zu viele Fehler gemacht, die wir nicht hätten machen müssen, wenn wir Menschen mit Erfahrung gefragt hätten. 

Was hat die Doppelbelastung mit dir gemacht?

Es hat sich nie wie eine Doppelbelastung angefühlt. Das Jurastudium ist ohnehin sehr theorielastig und der Aufwand hat sich bei mir immer auf die Prüfungszeiträume verschoben. Bis dahin (und vor dem Examen) hatte ich immer ausreichend Zeit, um der Gründung nachzugehen. Als rightmart (2. Gründung) dann schnell wuchs, habe ich mich voll auf das Business fokussiert.

Was sind deiner Meinung nach Vor- und Nachteile bei einer Unternehmensgründung während des Studiums?

Als Vorteil könnte man sagen, dass man in der Regel in dieser Lebensphase wenig zu verlieren und viel zu gewinnen hat. Allerdings gilt das auch nur, wenn man mit der Gründung erfolgreich wird. 

Ein Nachteil ist, dass man sich nicht auf nur eine Sache fokussieren kann. Selbst wenn man die Prüfungen absolviert, fehlt einem die Zeit, darüber nachzudenken, was man mit dem Studium machen will. Gleichzeitig fehlt auch im Start-up die Zeit, die gerade am Anfang stark mit dem Erfolg korreliert. 

Was würdest du anderen raten, die während des Studiums gründen möchten?

Calm down. Es gibt nur wenige Möglichkeiten, die es wert sind, dafür sein Studium zu opfern, weil es in zwei bis drei Jahren nicht auch noch geht. Das Studium lehrt auch Lebenserfahrung, bringt Netzwerk und gewährleistet zu guter Letzt Sicherheit. 

Wenn du dich dafür entscheidest zu gründen, würde ich unbedingt empfehlen, mit anderen Gründer:innen zu sprechen. Lass dir vom Alltag erfolgreicher Gründer:innen erzählen und was aus deren Sicht wichtig war. In der Regel merkst du, dass die Ausführung viel wichtiger als die Idee ist.

Und dann: schau dir den Markt genau an. Hast du wirklich einen soliden Business Case, in den das Geld deiner Familie investiert werden sollte? Was macht dich so sicher? Kannst du dein Geschäftsmodell in einem Business Modell Canvas so darstellen, dass du die Fragen eines Experten beantworten kannst? Baue dann ein Pitchdeck und pitche es Freunden und Unternehmen.

Wenn du dann immer noch willst: go!

Was würdest du heute wieder genauso machen und was nicht?

Ich würde alles wieder genauso machen.

Fortsetzung folgt: In Teil 2 (Julian Wiedenhaus – CEO Plancraft) und Teil 3 (Moritz Lindner – CEO reisetopia) erzählen weitere Gründer ihre Geschichte und geben wertvolle Tipps.

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