Productivity & New Work Wie moderne Arbeitsweisen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verwischen

Wie moderne Arbeitsweisen die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verwischen

In unserer modernen Arbeitswelt ist es für viele Arbeitgebende an der Tagesordnung, ihre Mitarbeitenden hin und wieder auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten oder während des Urlaubs zu erreichen, schließlich hat heutzutage fast jeder ein Handy. Aber müssen Arbeitnehmende wirklich ständig erreichbar sein?

In den letzten Jahren ist es immer üblicher geworden, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit verschwimmen und Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen auch außerhalb ihrer Arbeitszeiten weiterarbeiten. Das ist vor allem durch mobile Informations- und Kommunikationsmittel wie Laptops und Smartphones möglich geworden. Work-Life-Blending wird das Konzept genannt, bei welchem die Grenzen zwischen Privatleben und Arbeit verschwimmen. Immer mehr Unternehmen setzen genau darauf, während die Work-Life-Balance mit ihrer klaren Trennung zwischen Freizeit und Arbeit in den Hintergrund rückt.

Doch Work-Life-Blending oder Work-Life-Balance – Ist man als Arbeitnehmer oder Arbeitnehmerin denn wirklich dazu verpflichtet, immer verfügbar zu sein? Klar, heutzutage ist man vielleicht auch nach Feierabend über das Smartphone erreichbar. Aber muss man seinem Chef oder seiner Chefin wirklich nach Feierabend antworten und womöglich sogar noch arbeiten?

Die gesetzliche Regelung

Es gibt keine gesetzliche Grundlage, die Arbeitnehmende dazu verpflichtet, auch außerhalb der Arbeitszeit immer erreichbar zu sein. Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin kann das auch nicht einfach per Klausel im Arbeitsvertrag regeln. Sollte im eigenen Arbeitsvertrag trotzdem so eine Klausel stehen, ist diese unwirksam. Die einzige Ausnahme ist, wenn man Bereitschaftsdienst oder Rufbereitschaft hat.

Die individuelle Arbeitszeit ist gesetzlich geregelt und beträgt in den klassischen Schreibtisch-Jobs in der Regel acht Stunden am Tag. In dieser Zeit kann der Chef oder die Chefin erwarten, dass man erreichbar ist. Aber wie der Feierabend gestaltet wird, liegt ganz bei einem selbst.

Und wie sieht es im Homeoffice aus? 

Da kann es für den Chef oder die Chefin manchmal schwierig sein zu erkennen, wann genau man Feierabend hat und wann man arbeitet. Hier müssen beide Seiten untereinander Regeln vereinbaren und sich an diese halten. Der oder die Arbeitgebende muss darauf vertrauen, dass das, was man angibt, richtig ist, aber man sollte natürlich auch nicht die Arbeitszeit fälschen. Bestenfalls meldet man sich zur Mittagspause oder bei Zwischenfällen kurz über den im Unternehmen genutzten Messenger-Dienst ab und sagt Bescheid, sobald man wieder verfügbar ist

Muss man als Arbeitnehmender im Urlaub erreichbar sein? 

Wenn man im Urlaub ist, darf der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin nicht erwarten, dass man erreichbar ist. Schließlich soll man sich erholen können – und das geht schlecht, wenn man ständig von der Arbeit gestört wird. Es spielt dabei keine Rolle, ob man den Urlaub zu Hause oder an einem anderen Ort verbringt.

Es gibt nur eine Ausnahme, die das Bundesarbeitsgericht zugelassen hat. Der Arbeitgeber oder die Arbeitgeberin darf den Arbeitnehmenden während des Urlaubs kontaktieren, wenn es eine dringende Notwendigkeit gibt, für die es keine andere Lösung gibt. Engpässe allein reichen nicht aus. Es muss vielmehr eine Existenzbedrohung für den oder die Arbeitgebende vorliegen, die nur der oder die Arbeitnehmende abwenden kann.

Die Problematik hinter ständiger Erreichbarkeit

Viele Arbeitnehmende nehmen ihre Arbeit mit nach Hause und opfern dafür ihre Freizeit. Andere schreiben sogar nach Feierabend noch E-Mails, um Kollegen oder Kolleginnen Anweisungen zu geben oder Arbeit zu delegieren.

Homeoffice ist an sich eine tolle Sache, aber es darf nicht dazu führen, dass wir unsere Freizeit vernachlässigen und uns nicht mehr richtig erholen. Studien zeigen, dass ständige Erreichbarkeit gesundheitsschädlich ist. Langfristig kann sie zu Leistungseinbußen führen, da die Fehlerquote steigt und die Konzentration nachlässt. Aber das ist noch nicht alles: Die ständige Arbeitspräsenz kann zu Überlastung, Unruhe und Stress führen, und im schlimmsten Fall sogar zum Burnout. Downshifting ist das Schlüsselwort, um mehr Zeit für das Privatleben zu gewinnen und zu verhindern, dass man im Geiste schon kündigt

Wenn wir außerhalb der regulären Arbeitszeit arbeiten, sollten wir dafür einen Ausgleich erhalten, sei es durch zusätzliche Freizeit oder eine finanzielle Entschädigung. Wenn wir aus dem Urlaub zurückkehren, können wir uns dann die eingegangenen E-Mails ansehen. Oft hat in unserer Abwesenheit ein Kollege oder eine Kollegin unsere Aufgaben übernommen.

Es ist zwar okay, wichtige Arbeitsmails auch außerhalb der Arbeitszeit zu lesen und zu bearbeiten, denn das gehört leider oft zur Arbeit dazu. Aber es sollte nicht zur Regel werden, und die Zeit dafür sollte angemessen sein.

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