Productivity & New Work Wie der Sieg einer Schlacht – was Startups und das Militär gemeinsam haben

Wie der Sieg einer Schlacht – was Startups und das Militär gemeinsam haben

Gastbeitrag von Stefan Haubner, Co-Founder und COO bei Othis.

Startups und Militär in einem Satz zu sehen ist auf den ersten Blick für viele Personen vermutlich irgendwo zwischen verwunderlich und kurios. Aber auf den zweiten Blick ist ein Vergleich dieser zwei Organisationsformen einer näheren Betrachtung durchaus wert. Vor allem sei das Thema Führung hervorgehoben, bei dem das Militär über extrem viel Knowhow verfügt, dass auf eine jahrtausendelange Historie aufbaut und auch in Startups angewandt werden kann.

Jeder führt: Zumindest sich selbst

Viele Menschen denken beim Militär an strikte, geistlose Hierarchien und das unreflektierte Ausführen von Befehlen von oben. Die moderne Praxis sieht jedoch ganz anders aus, denn beim Militär ist ausnahmslos jeder Führungskraft und hat dementsprechend auch Führungsverantwortung zu übernehmen. Es gilt „Jeder führt – zumindest sich selbst“.  Überträgt man diese Ansätze auf ein Startup, entsteht eine Unternehmenskultur, die jeden Mitarbeiter als Führungskraft versteht und auch ausbildet. Und wenn jeder Führung versteht und lebt, dann weiß auch jeder, wie anspruchsvoll und komplex das Thema sein kann.

Jeder Mitarbeiter ist gefordert Verantwortung für sich selbst, andere um ihn herum, und das Unternehmen selbst zu übernehmen. Auf dieser Basis kann auch eine „no blame culture“ aufgebaut werden, da alle ein gewisses Maß an Führungsverantwortung und -verständnis besitzen.

In der Praxis erfordert dieser Anspruch eine konstante intellektuelle Auseinandersetzung mit Führung und die Schaffung einer Unternehmenskultur, die rund um dieses Thema aufgebaut ist. Einer der zentralen Bausteine für die Unternehmenskultur bei Othis sind die so genannten „Führungsgrundsätze“, die jeder Führungskraft als Grundlage für die tägliche Arbeit dienen.

Militärisch gesehen sind dies aus Theorie und Praxis entwickelte und festgelegte allgemeine Leitlinien zur Führung von Truppen. Das Wesentliche an diesen Grundsätzen ist, dass sie als zeitlos definiert sind und sich über tausenden Jahren Kriegsgeschichte entwickelt haben. In den österreichischen Streitkräften sind 13 Führungsgrundsätze definiert, die auch als zentraler Bestandteil unserer Unternehmenskultur bei Othis implementiert sind. Einer dieser Führungsgrundsätze, die Einheit der Führung, ermöglicht es uns, rasch Entscheidungen zu treffen und konstant handlungsfähig zu bleiben.

Einheit der Führung: Jede Aufgabe hat einen Verantwortlichen

Ein wesentliches Merkmal guter Entscheidungen ist es, aktuelle Informationen zu bewerten und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen. Diese Informationen stammen häufig von anderen Personen im Unternehmen und Entscheidungen werden daher oft in der Zusammenarbeit getroffen. Oft wird unterschätzt oder nicht explizit definiert, dass es nicht nur darum geht, Entscheidungen zu treffen, sondern diese auch umzusetzen. Viele Organisationen haben Meetings nach Meetings und wundern sich, dass dann nichts umgesetzt wird, obwohl dort Entscheidungen getroffen wurden.

Dies liegt oft daran, dass sich niemand für die Aufgaben verantwortlich fühlt, die sich aus Beschlüssen ergeben, insbesondere in Organisationen, die sich mit flachen Hierarchien brüsten. Es ist unabdingbar klare Führungsstrukturen und damit Verantwortlichkeiten zu definieren. Wir haben hier bei Othis eine einfache Regel „Wenn es keinen eindeutigen Verantwortlichen gibt, gibt es auch keine Aufgabe“. So stellen wir sicher, dass für jede Aufgabe auch jemand für die Umsetzung verantwortlich ist.

Gleichzeitig verstehen wir unter Einheit der Führung, dass eindeutig klar ist, wo und wie welche Entscheidungen getroffen werden. Damit muss nicht für jede Kleinigkeit bis zum CEO getragen werden, sondern viele Entscheidungen können „vor Ort“ von den einzelnen Mitarbeitern getroffen werden. Das stärkt die Entscheidungsfähigkeit,  verkürzt die Reaktionszeit und führt dazu, dass Entscheidungen unmittelbarer „erlebt“ werden. Zusätzlich ist das Management freigespielt für die „großen“ strategischen Entscheidungen.

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