Person
Interview icon Interview Gast:
Betül Yönak-Bein & Florian Bein
Unternehmer:

- Betül Yönak-Bein & Florian Bein

- Gründer & Geschäftsführer von bedrop

- Background: Persönliche Gründungsgeschichte

- Heute: Unternehmer-Duo

- Ziel: Natürliche Alternativen für moderne Hautpflege etablieren


Unternehmen:

- Name: bedrop

- Gründung: 2020

- Sitz: Mannheim, Baden-Württemberg

- Branche: Bienenprodukte, Alternative Medizin


www.bedrop.de
2. April 2026

Betül Yönak-Bein & Florian Bein

Business im Bienenstock? Wie bedrop Natur skalierbar macht.

Betül Yönak-Bein und Florian Bein haben aus einem sehr persönlichen Thema ein schnell wachsendes D2C-Business gebaut. Was mit persönlichem Leid und der Suche nach Alternativen zur klassischen Medizin begann, ist heute bedrop – eine Marke, die Bienenprodukte neu denkt und sie irgendwo zwischen Health, Beauty und Lifestyle positioniert. Ein Gespräch über Wirkung, Wachstum und die Frage, wie viel „Natur“ in einem Business stecken kann.

[André Patrzek]: Betül, du sprichst offen über Haut- und Gesundheitsprobleme in deiner Kindheit. Wann hast du gemerkt: Die klassische Medizin hat nicht alle Antworten für dich?

[Betül Yönak-Bein]: Ich habe relativ früh gemerkt, dass mir die klassische Medizin nicht alle Antworten geben kann, weil es für mich nie schlüssig war, bei der Anwendung eines Präparates immer Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen. Gleichzeitig wusste ich, dass es in der Traditionellen Chinesischen Medizin schon lange alternative Ansätze gibt – also musste es diese auch für Hautprobleme geben. Vor allem war für mich nie plausibel, warum ich Symptome nur unterdrücken sollte, anstatt die Ursache wirklich ganzheitlich zu behandeln, gerade bei meiner Neurodermitis.

[AP]: Welche Rolle haben Bienenprodukte wie Propolis oder Honig damals konkret gespielt – und wann wurde daraus mehr für dich als nur ein Hausmittel?

[BY-B]: Zur Zeit der Gründung haben Bienenprodukte tatsächlich noch keine große Rolle gespielt, weil ich mich damals nicht intensiv damit beschäftigt habe. Propolis habe ich hin und wieder eher innerlich angewendet, aber nicht gezielt für die Haut. Ich kannte diese Produkte zwar von früher, aber nie im Zusammenhang mit Hautproblemen – und genau das wollte ich mit meiner eigenen Erfahrung verändern.

[AP]: Wie war das bei dir, Florian? Waren Naturheilmittel für dich früh ein Thema – oder eher etwas, das du erstmal skeptisch gesehen hast?

[Florian Bein]: Ich bin durch meine Selbstständigkeit relativ früh als Agentur mit Health & Beautybrands zusammengekommen. Da ich Online-Marketing für diese Brands durchgeführt habe, musste ich mich intensiv mit den Zielgruppen & den Marketingformen beschäftigen. So kam es, dass ich recht schnell bemerkte, dass ich nicht wegen jedem “Wehwehchen” zum Arzt laufen muss und vieles mit klassischen NEM’s beheben konnte.

[AP]: Wie hat dein Umfeld dich geprägt – eher sicherheitsorientiert oder mit Lust auf Risiko?

[FB]: Mein Umfeld bestand zu 99% aus sicherheitsorientierten Menschen. Ich musste mir mein Risiko-Umfeld selbst aneignen und finden. Reaktionen waren bei fast allen Menschen gleich: Sie waren “pissed”, dass ich kaum noch Zeit hatte und immer nur “Business” machen wollte. Letztendlich sind dadurch viele Freundschaften zerbrochen, welche ich aber heute auch nicht mehr als Freundschaften betiteln würde. Mein Kreis wurde innerhalb der letzten 11 Jahre Unternehmertum immer kleiner, jedoch deutlich spannender.

[AP]: Wie stark wirken eure familiären Hintergründe heute noch in euren unternehmerischen Entscheidungen?

[FB]: Stark, mein (leider mittlerweile verstorbener) Vater war ein Workaholic, da er “mehr” für seine Familie haben wollte. Ich hatte das früher nie verstanden, weshalb er um 5 aus dem Haus ist und meist erst um 20 Uhr heim kam. Heute verstehe ich seinen Antrieb, Motivation und Drive. Seine Worte mir gegenüber prägen mich heute noch und sind für mich ein starker Motivationsfaktor, damit ich weiterhin so Gas geben kann, wie ich es aktuell tue.

[BY-B]: Meine so gut wie gar nicht, wenn es nach meinen Eltern gegangen wäre, dann wäre ich jetzt Rechtspsychologin und würde damit mein Geld verdienen. Nichtsdestotrotz haben sie mich immer unterstützt und mir damals für die Gründung der Stammeinlagen etwas Geld geliehen.

[AP]: Betül, du hast Psychologie studiert – und dich dann bewusst dagegen entschieden. Warum?

[BY-B]: Ich würde nicht sagen, dass ich mich bewusst dagegen entschieden habe – ich habe mein Studium wirklich geliebt. Es hat mir Spaß gemacht, meine Noten waren sehr gut und ich hatte eigentlich den klaren Plan, später in die Rechtspsychologie zu gehen und dort zu helfen.
Die Gründung kam eher unbewusst aus dem Impuls heraus, weil es mich schockiert hat, wie sehr Propolis in Deutschland in Vergessenheit geraten ist. Das wollten wir als Team wieder ins Bewusstsein holen.Mit dem Wachstum von bedrop blieb dann irgendwann kaum noch Zeit für mein Studium – und so liegt es aktuell auf Eis.

[AP]: Was aus der Psychologie nutzt du heute konkret für eure Marke oder eure Kommunikation mit Kunden?

[BY-B]: Jein – am Anfang habe ich schon versucht, einiges aus der Psychologie zu adaptieren und umzusetzen, wobei Wirtschaftspsychologie bei mir nur ein Modul war. Mein eigentliches Interesse lag eher im rechtlichen und forensischen Bereich. Für unsere Marke ist mir vor allem wichtig, authentisch und ehrlich zu bleiben – wir wollen unsere Kund nicht austricksen. Gleichzeitig hilft mir mein Hintergrund dabei, Konsumverhalten und Markenloyalität besser zu verstehen und zu analysieren.

[AP]: Florian, du bist früh ins Unternehmertum gestartet. Was hat dich daran gereizt?

[FB]: Das Leben nicht nutzlos für Party & Exzesse zu verlieren, sondern mehr vom Leben haben wollen. Wenn es andere schaffen (vor allem mit deutlich schwierigeren Gegebenheiten) wäre es doch gelacht, wenn ich es nicht auch schaffe. Am Anfang war es die Motivation des Geldes, dann des Erfolges, dann etwas zu erschaffen. Heute ernährt unsere Company weit über 30 Familien & dieses Gefühl, jeden Tag gemeinsam an einer Vision zu arbeiten, macht Unternehmertum aus. Die Menschen auf der Reise, die Reise an mich selbst und mein persönliches Wachstum, wurde durch Unternehmertum so geschaffen und die Reise ist längst nicht zu Ende.

[AP]: Kennen wir alle: Nicht jedes Projekt läuft perfekt. Was war dein erster echter Reality-Check als Gründer?

[FB]: Man arbeitet Wochen und Monate Tag und Nacht für GoLive zB. meiner ersten App, die ich damals gegründet hatte. Man plant den Start, den Durchbruch & dann geht man live: Die Realität, es passiert nichts. Du musst an dir arbeiten, an deinem Mindset und damit klar kommen, dass die Begeisterung, welche du hast, nicht von jedem mitgetragen wird.
Es ist jeden Tag ein Kampf und manchmal verliert man diesen (zumindest als Unternehmen) & man muss hinfallen, man muss wieder aufstehen und man muss lernen, dass dies sehr oft und häufig passiert. Die Realität tut weh, aber noch mehr weh, wenn man liegen bleibt.

[AP]: Wann wurde aus eurer Idee rund um Bienenprodukte ein echtes Geschäftsmodell?

[BY-B]: Eigentlich wurde aus der Idee ziemlich schnell ein echtes Geschäftsmodell – meine Erfahrung mit Bienenprodukten und Florians fehlendes Wissen zu anderen Bienenprodukten außer Honig waren genau der richtige Match. Gemeinsam wollten wir das Thema verstehen und vorantreiben. Ab dem Moment wussten wir, dass wir das knacken und hinbekommen können, auch wenn die Vision damals noch nicht so groß war wie heute. Dass wir anfangs oft belächelt wurden, hat uns eher zusätzlich angespornt, erst recht Gas zu geben.

[AP]: Ihr sprecht von Apitherapie und Aufklärung. Bewegt ihr euch damit bewusst in einem Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Lifestyle?

[BY-B]: Definitiv – für uns gehört beides zusammen. Apitherapie hat ihren Ursprung in sehr alten Heiltraditionen, unter anderem auch in der TCM, und gleichzeitig sehen wir heute im Lifestyle-Bereich, zum Beispiel in der koreanischen Skincare, dass Bienenprodukte wieder eine große Rolle spielen. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns bewusst. Uns ist wichtig, dass jedes Produkt studienbasiert entwickelt und sorgfältig recherchiert ist – immer mit der Frage: Was bringt es unseren Kunden wirklich und wo besteht ein konkreter Bedarf? Am Ende geht es für uns darum, fundierte Erkenntnisse mit moderner Anwendung zu verbinden und die bestmögliche Lösung zu entwickeln.

[AP]: Wo zieht ihr die Grenze zwischen echter Wirkung, persönlicher Erfahrung und Marketing?

[FB]: Wir arbeiten super eng mit unseren Kunden zusammen. Die Bewertungen sind für uns Dreh- & Angelpunkt, wenn es um Marketing geht. Entsprechend ist die Wirkung nicht nur subjektiv, sondern lässt sich durch die Inhaltsstoffe mit vielen Studien belegen. Bei unseren Hero-Produkten haben wir außerdem echte Wirksamkeitsstudien, welche uns 5-stellige Beträge kosten, damit wir mit Wirkung & Marketing werben können. Für uns steht Wirkung (wirksame Produkte) an 1. Stelle, noch bevor wir in die Release-Planung von neuen Produkten denken.

[BY-B]: Die Grenze ziehen wir ganz klar bei der Wahrheit – und das ist für mich kein verhandelbarer Punkt. Gerade weil ich selbst so eine lange Geschichte mit Hautproblemen habe, weiß ich, wie verletzlich man in solchen Momenten ist und wie sehr man sich auf Produkte verlässt. Dieses Vertrauen würde ich niemals ausnutzen. Ich würde kein Produkt vermarkten, das mich nicht wirklich überzeugt oder keine echte Wirkung zeigt, nur um etwas zu verkaufen. Für mich muss sich alles stimmig anfühlen – es muss zu 100 % zu mir, zu unserer Marke und zu unserem Anspruch passen. Nur dann gehört es auch wirklich in unser Sortiment.

[AP]: Ist bedrop für euch eher eine Mission oder ein Business? Oder ist das schwer zu trennen?

[BY-B]: Warum sollte man es überhaupt trennen? Als Gründer musst du das lieben, was du tust – und genau das braucht eine klare Mission. Für uns ist bedrop deshalb beides zugleich: Business und Herzensangelegenheit.
Unser Commitment ist zu 100 %, wir leben für das, was wir tun, und gleichzeitig möchten wir den Menschen die Kraft der Bienenprodukte näherbringen und zeigen, dass es echte Alternativen gibt, die man bewusst für sich nutzen kann.

[AP]: Der Naturprodukt-Markt wächst stark. Wie schafft man es da noch herauszustechen?

[BY-B]: In einem wachsenden Naturprodukt-Markt reicht es nicht, einfach nur „dabei“ zu sein – man muss wirklich für etwas stehen. Bei uns ist es zum einen die starke Verbindung zur Marke: bedrop ist eine Lovebrand, und ich selbst stehe als Mensch und auch als Leidgenossin hinter allem, was wir tun. Zum anderen ist es ganz klar die Qualität unserer Produkte. Wir setzen auf höchste Standards, arbeiten mit zertifizierten Rohstoffen und echten, nicht gekauften Siegeln. Am Ende überzeugt genau diese Kombination aus Authentizität und kompromissloser Qualität.

[AP]: Was seht ihr als euren größten USP? Das Produkt – oder eher Marke, Storytelling und Distribution?

[BY-B]: Für mich ist es das Zusammenspiel aus allem – das eine funktioniert nicht ohne das andere. Unser Storytelling zahlt direkt auf die Marke ein, aber genauso auch auf das Produkt, weil es unsere Philosophie und den Ansatz dahinter greifbar macht. Am Ende ist genau diese Verbindung unser größter USP: eine starke Marke, ehrliches Storytelling und Produkte, die das Ganze wirklich tragen und widerspiegeln.

[AP]: Ihr investiert stark in Performance Marketing. Wie viel Wachstum ist gekauft – und wie viel kommt organisch?

[FB]: Am Anfang haben wir natürlich sehr viel Marketingbudget in Wachstum investieren müssen und auch heute noch. Ca. 30% unseres Wachstums ist Paid, jedoch wachsen wir mittlerweile auch sehr stark über Mund zu Mund Marketing & nicht mehr ausschließlich über Paid-Channels. Wenn wir neue Channels für uns erobern, wie zB. aktuell lineares TV, merken wir sofort, welchen Impact unser Online-Marketing der letzten 5 Jahren bewirkt hat.

[AP]: Wie wichtig sind Paid Ads aktuell für euch?

[FB]: Sehr wichtig, ohne Paid-Advertising könnten wir weder die Marke noch Neukunden auf diesem Wachstum behalten. Ich würde jedem Gründer (vor allem auch Neugründer) empfehlen, dass man sich auf 1-2 Channels fokussiert und dann sukzessive die Paid-Channels aufbaut.

[AP]: Ihr seid privat und beruflich ein Team. Was ist schwieriger – Beziehung oder Business? Oder beides unter einen Hut zu bringen?

[BY-B]: Warum sollte es schwer sein? Es ist herausfordernd – aber das ist es in jeder Beziehung, egal ob mit oder ohne gemeinsames Business. Viele Paare haben eher die Herausforderung, dass sie nicht das Gleiche teilen und trotzdem einen gemeinsamen Nenner finden müssen. Wir haben da eher den Luxus, an etwas Gemeinsamen zu arbeiten.
Wenn man seine eigenen Grenzen kennt und auch die des Partners respektiert, kann man Liebe und Business sehr gut miteinander verbinden, ohne dass eines darunter leidet – und beiden in vollem Maß gerecht werden.

„Ich würde kein Produkt vermarkten, das mich nicht wirklich überzeugt.“
Betül Yönak-Bein & Florian Bein
Betül Yönak-Bein & Florian Bein

[AP]: Wie schafft ihr es, Emotionen von unternehmerischen Entscheidungen zu trennen?

[BY-B]: Emotionen haben in diesem Kontext keinen Platz – unternehmerische Entscheidungen müssen objektiv getroffen und aus einem neutralen Blickwinkel bewertet werden.Natürlich bringt jeder seine Gefühle mit, aber am Ende geht es darum, bewusst einen Schritt zurückzugehen und die Situation rational von außen zu betrachten.

[AP]: Würdet ihr anderen Paaren empfehlen, gemeinsam zu gründen – oder eher nicht?

[FB]: Ich würde die Frage anders gestalten, welche Risiken hat eine Gründung mit & ohne beziehungstechnische Verflechtungen? Ich kenne etliche Gründer, die alleine gegründet und gescheitert sind, dann kenne ich auch viele Gründer, die sich mit Freunden zusammengetan haben und zerstritten sind. Das Risiko ist egal in welchem Bereich gegegeben, ich sehe es hier pragmatisch und freue mich, dass ich privates und berufliches gemeinsam vereinen kann. Ist es immer einfach? Nein! Ist es herausfordernd? Ja! Aber nicht anders, als ob ich alleine gegründet hätte und meine Frau / Partnerin kein Verständnis hätte, dass ich 24/7 für die eigene Firma brenne.

[AP]: Wie kam die Zusammenarbeit mit Judith Williams zustande – Strategie oder Zufall?

[FB]: Zufall. Über die Goodbrands AG aus Mannheim und Bitterliebe Gründer hatten wir die Chance Judith in einem Zoom Meeting kennenzulernen und dann haben wir sie überzeugt bzw. sie war direkt stark “in to it”, da sie Bienenprodukte seit Kindheit selbst nutzt und immer Zuhause hat. Strategisch war es danach, da wir von ihrem Netzwerk und Expertise profitieren konnten.

[AP]: Was habt ihr konkret von ihr gelernt, gerade in Sachen Marke, TV und Inszenierung?

[BY-B]: Vor allem im Bereich Verkauf im Fernsehen habe ich viel gelernt – gerade was Rhetorik angeht, schaue ich mir gerne Dinge ab und nehme Impulse mit.
Bei der Inszenierung hingegen weniger, weil ich glaube, dass jeder seine eigene authentische Art hat, die man nicht kopieren sollte. Ich bin überzeugt, dass man am stärksten ist, wenn man einfach man selbst bleibt.

[AP]: Wie viel Einfluss haben solche Partner wirklich – und wie viel ist am Ende euer eigenes System?

[BY-B]:  Viele denken, ein Investor übernimmt plötzlich das Ruder und „wuppt“ das ganze Business – aber so ist es nicht. Als Gründer bekommt man vielleicht Kapital und Zugang zu einem Netzwerk, aber was man daraus macht, liegt komplett in der eigenen Verantwortung. Genau das wird oft unterschätzt: Viele gehen nicht bedacht genug mit dem Geld um oder wissen nicht, wie sie es sinnvoll einsetzen. Wir waren da immer sehr bewusst – sowohl finanziell als auch bei Netzwerk-Themen. Am Ende basiert alles auf unserem eigenen System und unseren Entscheidungen. Und wir glauben daran, dass sich die richtigen Dinge immer zum richtigen Zeitpunkt ergeben.

[AP]: Ihr sprecht oft vom „BeeSpirit“. Was bedeutet das konkret im Alltag – auch wenn es stressig wird?

[BY-B]: Der „BeeSpirit“ bedeutet für uns im Alltag vor allem: Vollgas geben, weitermachen – aber dabei nie vergessen, füreinander da zu sein. Gerade wenn es stressig wird, zeigt sich, wie wichtig dieser Zusammenhalt im Team wirklich ist. Egal ob vom Chef zum Mitarbeitenden oder unter Kollegen – ohne diesen Spirit geht nichts voran. Er ist das, was uns trägt und antreibt.

[AP]: Wie schafft ihr es, eure Kultur zu halten, während ihr wachst?

[BY-B]: Wir achten extrem stark auf unser Hiring – der Prozess ist bewusst intensiv und geht über mehrere Schritte. Bevor wir jemanden einstellen, wird genau geprüft: Passt die Person wirklich ins Team, stimmen die Skills und wie fühlt sich die Zusammenarbeit an? Wir holen uns intern verschiedene Einschätzungen ein und legen besonders großen Wert darauf, unsere Core Values im Bewerbungsprozess klar zu vermitteln und auch abzugleichen. Und wir sind sehr dankbar, dass unsere Nina hier einen großartigen Job macht und genau weiß, worauf wir in unserem „Bienenstock“ achten.

[AP]: Gab es einen Moment, in dem ihr ernsthaft gezweifelt habt, ob bedrop funktioniert?

[FB]: Ich würde lügen, wenn diese Situation nicht in den ersten Jahren fast täglich, später und heute noch wöchentlich stattfinden würde. Gründertum ist herausfordernd und teilweise auch zerstörerisch. Manchmal grenzt es an Körperverletzung und man nimmt viele Herausforderungen mit nach Hause und auch in den Schlaf. Jedoch wächst man auch unglaublich in diesen Situationen. Also ja, ich zweifel teilweise immer noch daran.

[BY-B]: Gezweifelt habe ich nie – ich hatte immer ein sehr positives und optimistisches Mindset und wusste, dass es funktionieren kann. Was ich am Anfang nicht wusste, war eher das „Wie“: Wie genau wird es aussehen, was wird konkret funktionieren? Mit jedem Jahr ist dann das Verständnis gewachsen – für Prozesse, für den Kostenapparat und vor allem auch für die Verantwortung, die damit einhergeht.

[AP]: Wir alle machen sie, aber was war euer bisher größter unternehmerischer Fehler?

[FB]: Manche Agenturen einfach “vertraut” zu haben und nicht Daten & Zahlen mit eigenen Expertisen zu challengen & zu validieren. Das hätte uns nicht nur einmal bisher fast den Kopf gekostet. Aber auch aus dieser Situation konnten wir für uns vieles herleiten und ableiten und haben Frameworks und Validierung Boards gebaut.

[AP]: Betül, was war für dich persönlich die größte mentale Herausforderung als Gründerin?

[BY-B]: Die größte mentale Herausforderung war für mich, allen gerecht werden zu wollen und niemanden zu enttäuschen – egal ob Kunden oder Mitarbeitende. Dieser Anspruch ist sehr präsent, auch wenn ich weiß, dass man es am Ende nicht allen recht machen kann. Ich gebe trotzdem jeden Tag mein Bestes, um meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und gleichzeitig immer das Wohl der Firma im Blick zu behalten. Denn am Ende sind wir kein Wohlfahrtsamt, sondern ein Unternehmen, das wirtschaftlich arbeiten muss – damit wir sichere Arbeitsplätze bieten und gute Produkte entwickeln können.

[AP]: Was bedeutet Erfolg für euch heute – und hat sich das seit der Gründung verändert?

[BY-B]: Erfolg bedeutet für uns heute vor allem: weitermachen, Vollgas geben und kontinuierlich besser werden. Wirklicher Erfolg ist es dann, wenn unsere Kunden  zufrieden sind und unsere Produkte ihnen wirklich helfen. Das hat sich seit der Gründung gar nicht so stark verändert – dieser Anspruch war von Anfang an da und ist bis heute unser wichtigster Maßstab geblieben. Du bist vor allem dann erfolgreich, wenn du dir selbst treu bleiben kannst.

[AP]: Gibt es einen Punkt, an dem Wachstum für euch eher Risiko als Chance wird?

[BY-B]:  Für mich gehört Risiko immer auch zur Chance – das eine existiert nicht ohne das andere. Schon die Gründung an sich ist ein Risiko, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, wirklich etwas zu verändern und zu bewegen. Am Ende ist es eine Frage der Perspektive. Ich würde heute immer bereit sein, auch in risikoreichere Situationen zu gehen, um die Chancen dahinter überhaupt erkennen und nutzen zu können.

[AP]: Fühlt sich euer Erfolg manchmal fragil an – gerade im schnellen D2C-Markt?

[FB]: Ja, heute bist du der Star und König am Himmel, morgen bist du der Bumann und hast alles falsch gemacht. Diese Schnelllebigkeit im D2C Kosmos ist besonders. Der Markt und die Channels drehen sich sehr schnell. Wenn man nicht mit der Zeit geht, geht man mit der Zeit und das Verständnis immer am Ball zu bleiben, muss man in sein persönliches Momentum einarbeiten.

[AP]: Wo steht bedrop in 5 bis 10 Jahren – globale Brand oder bewusster Spezialist?

[FB]: Im Jahr 2035 ist bedrop eine international führende Lovebrand für funktionelle und hochwertige Produkte mit der Kraft der Bienen und erzielt einen Jahresumsatz vor 100 Millionen Euro.

[AP]: Denkt ihr über einen Exit nach – oder ist bedrop ein Lebensprojekt?

[FB]: Wir haben vor knapp 2 Jahren einen Private-Equity für Wachstum, aber auch für die persönliche Sicherheit hinzugeholt. Bee und mir gehören noch genügend Anteile an der Company und wir können uns vorstellen, dass wir dies noch lange begleiten, sind aber auch mittlerweile dankbar, dass wir C-Levels und Mid-Managements aufbauen. Das soll die Grundlage für alles weitere schaffen. Wo wir in X-Jahren mit bedrop stehen, ist immer schwierig zu nennen. Aktuell macht es Spaß, da wir viele Herausforderungen in einem exzellenten Team meistern und hoffen sehr, dass wir noch lange mit so starken Mitarbeiter und Mitunternehmern an unserer Vision arbeiten dürfen.

[AP]: Könnte bedrop auch ohne euch beide funktionieren?

[BY-B]: Aktueller Stand nein, aber das ist ein Prozess, der sukzessiv angepasst werden kann.

[AP]: Und zum Schluss: Was würdet ihr heute komplett anders machen, wenn ihr nochmal bei null startet?

[FB]: Nichts, nochmal alle Fehler, nochmal alle Herausforderungen und nochmal alle Siege, sowie Niederlagen. Das einzige was ich anders machen würde, würde ich früher auf meine Frau hören und verstehen, dass Mitarbeiter früher zu hiren etwas Positives gewesen wären. Wir haben 17m Umsatz zu 7. und 45m Umsatz zu unter 20 FTE’s gemacht.  Das war alles andere als “Gesund”.

[André Patrzek]: Danke, Betül & Flo, für dieses ehrliche und eindrucksvolle Gespräch. Ich bin echt beeindruckt, wie Ihr Euren Weg als Unternehmer geht und freue mich auch das weiter mit verfolgen zu dürfen. Ihr teilt das ja sehr authentisch und transparent auf LinkedIn. Eure Reise zeigt, wie aus Konsequenz und echtem Glauben an ein Thema eine starke Marke entstehen kann.

Company logo
Unternehmer:

- Betül Yönak-Bein & Florian Bein

- Gründer & Geschäftsführer von bedrop

- Background: Persönliche Gründungsgeschichte

- Heute: Unternehmer-Duo

- Ziel: Natürliche Alternativen für moderne Hautpflege etablieren


Unternehmen:

- Name: bedrop

- Gründung: 2020

- Sitz: Mannheim, Baden-Württemberg

- Branche: Bienenprodukte, Alternative Medizin


www.bedrop.de
2. April 2026

Betül Yönak-Bein & Florian Bein

Business im Bienenstock? Wie bedrop Natur skalierbar macht.

Betül Yönak-Bein und Florian Bein haben aus einem sehr persönlichen Thema ein schnell wachsendes D2C-Business gebaut. Was mit persönlichem Leid und der Suche nach Alternativen zur klassischen Medizin begann, ist heute bedrop – eine Marke, die Bienenprodukte neu denkt und sie irgendwo zwischen Health, Beauty und Lifestyle positioniert. Ein Gespräch über Wirkung, Wachstum und die Frage, wie viel „Natur“ in einem Business stecken kann.

[André Patrzek]: Betül, du sprichst offen über Haut- und Gesundheitsprobleme in deiner Kindheit. Wann hast du gemerkt: Die klassische Medizin hat nicht alle Antworten für dich?

[Betül Yönak-Bein]: Ich habe relativ früh gemerkt, dass mir die klassische Medizin nicht alle Antworten geben kann, weil es für mich nie schlüssig war, bei der Anwendung eines Präparates immer Nebenwirkungen in Kauf nehmen zu müssen. Gleichzeitig wusste ich, dass es in der Traditionellen Chinesischen Medizin schon lange alternative Ansätze gibt – also musste es diese auch für Hautprobleme geben. Vor allem war für mich nie plausibel, warum ich Symptome nur unterdrücken sollte, anstatt die Ursache wirklich ganzheitlich zu behandeln, gerade bei meiner Neurodermitis.

[AP]: Welche Rolle haben Bienenprodukte wie Propolis oder Honig damals konkret gespielt – und wann wurde daraus mehr für dich als nur ein Hausmittel?

[BY-B]: Zur Zeit der Gründung haben Bienenprodukte tatsächlich noch keine große Rolle gespielt, weil ich mich damals nicht intensiv damit beschäftigt habe. Propolis habe ich hin und wieder eher innerlich angewendet, aber nicht gezielt für die Haut. Ich kannte diese Produkte zwar von früher, aber nie im Zusammenhang mit Hautproblemen – und genau das wollte ich mit meiner eigenen Erfahrung verändern.

[AP]: Wie war das bei dir, Florian? Waren Naturheilmittel für dich früh ein Thema – oder eher etwas, das du erstmal skeptisch gesehen hast?

[Florian Bein]: Ich bin durch meine Selbstständigkeit relativ früh als Agentur mit Health & Beautybrands zusammengekommen. Da ich Online-Marketing für diese Brands durchgeführt habe, musste ich mich intensiv mit den Zielgruppen & den Marketingformen beschäftigen. So kam es, dass ich recht schnell bemerkte, dass ich nicht wegen jedem “Wehwehchen” zum Arzt laufen muss und vieles mit klassischen NEM’s beheben konnte.

[AP]: Wie hat dein Umfeld dich geprägt – eher sicherheitsorientiert oder mit Lust auf Risiko?

[FB]: Mein Umfeld bestand zu 99% aus sicherheitsorientierten Menschen. Ich musste mir mein Risiko-Umfeld selbst aneignen und finden. Reaktionen waren bei fast allen Menschen gleich: Sie waren “pissed”, dass ich kaum noch Zeit hatte und immer nur “Business” machen wollte. Letztendlich sind dadurch viele Freundschaften zerbrochen, welche ich aber heute auch nicht mehr als Freundschaften betiteln würde. Mein Kreis wurde innerhalb der letzten 11 Jahre Unternehmertum immer kleiner, jedoch deutlich spannender.

[AP]: Wie stark wirken eure familiären Hintergründe heute noch in euren unternehmerischen Entscheidungen?

[FB]: Stark, mein (leider mittlerweile verstorbener) Vater war ein Workaholic, da er “mehr” für seine Familie haben wollte. Ich hatte das früher nie verstanden, weshalb er um 5 aus dem Haus ist und meist erst um 20 Uhr heim kam. Heute verstehe ich seinen Antrieb, Motivation und Drive. Seine Worte mir gegenüber prägen mich heute noch und sind für mich ein starker Motivationsfaktor, damit ich weiterhin so Gas geben kann, wie ich es aktuell tue.

[BY-B]: Meine so gut wie gar nicht, wenn es nach meinen Eltern gegangen wäre, dann wäre ich jetzt Rechtspsychologin und würde damit mein Geld verdienen. Nichtsdestotrotz haben sie mich immer unterstützt und mir damals für die Gründung der Stammeinlagen etwas Geld geliehen.

[AP]: Betül, du hast Psychologie studiert – und dich dann bewusst dagegen entschieden. Warum?

[BY-B]: Ich würde nicht sagen, dass ich mich bewusst dagegen entschieden habe – ich habe mein Studium wirklich geliebt. Es hat mir Spaß gemacht, meine Noten waren sehr gut und ich hatte eigentlich den klaren Plan, später in die Rechtspsychologie zu gehen und dort zu helfen.
Die Gründung kam eher unbewusst aus dem Impuls heraus, weil es mich schockiert hat, wie sehr Propolis in Deutschland in Vergessenheit geraten ist. Das wollten wir als Team wieder ins Bewusstsein holen.Mit dem Wachstum von bedrop blieb dann irgendwann kaum noch Zeit für mein Studium – und so liegt es aktuell auf Eis.

[AP]: Was aus der Psychologie nutzt du heute konkret für eure Marke oder eure Kommunikation mit Kunden?

[BY-B]: Jein – am Anfang habe ich schon versucht, einiges aus der Psychologie zu adaptieren und umzusetzen, wobei Wirtschaftspsychologie bei mir nur ein Modul war. Mein eigentliches Interesse lag eher im rechtlichen und forensischen Bereich. Für unsere Marke ist mir vor allem wichtig, authentisch und ehrlich zu bleiben – wir wollen unsere Kund nicht austricksen. Gleichzeitig hilft mir mein Hintergrund dabei, Konsumverhalten und Markenloyalität besser zu verstehen und zu analysieren.

[AP]: Florian, du bist früh ins Unternehmertum gestartet. Was hat dich daran gereizt?

[FB]: Das Leben nicht nutzlos für Party & Exzesse zu verlieren, sondern mehr vom Leben haben wollen. Wenn es andere schaffen (vor allem mit deutlich schwierigeren Gegebenheiten) wäre es doch gelacht, wenn ich es nicht auch schaffe. Am Anfang war es die Motivation des Geldes, dann des Erfolges, dann etwas zu erschaffen. Heute ernährt unsere Company weit über 30 Familien & dieses Gefühl, jeden Tag gemeinsam an einer Vision zu arbeiten, macht Unternehmertum aus. Die Menschen auf der Reise, die Reise an mich selbst und mein persönliches Wachstum, wurde durch Unternehmertum so geschaffen und die Reise ist längst nicht zu Ende.

[AP]: Kennen wir alle: Nicht jedes Projekt läuft perfekt. Was war dein erster echter Reality-Check als Gründer?

[FB]: Man arbeitet Wochen und Monate Tag und Nacht für GoLive zB. meiner ersten App, die ich damals gegründet hatte. Man plant den Start, den Durchbruch & dann geht man live: Die Realität, es passiert nichts. Du musst an dir arbeiten, an deinem Mindset und damit klar kommen, dass die Begeisterung, welche du hast, nicht von jedem mitgetragen wird.
Es ist jeden Tag ein Kampf und manchmal verliert man diesen (zumindest als Unternehmen) & man muss hinfallen, man muss wieder aufstehen und man muss lernen, dass dies sehr oft und häufig passiert. Die Realität tut weh, aber noch mehr weh, wenn man liegen bleibt.

[AP]: Wann wurde aus eurer Idee rund um Bienenprodukte ein echtes Geschäftsmodell?

[BY-B]: Eigentlich wurde aus der Idee ziemlich schnell ein echtes Geschäftsmodell – meine Erfahrung mit Bienenprodukten und Florians fehlendes Wissen zu anderen Bienenprodukten außer Honig waren genau der richtige Match. Gemeinsam wollten wir das Thema verstehen und vorantreiben. Ab dem Moment wussten wir, dass wir das knacken und hinbekommen können, auch wenn die Vision damals noch nicht so groß war wie heute. Dass wir anfangs oft belächelt wurden, hat uns eher zusätzlich angespornt, erst recht Gas zu geben.

[AP]: Ihr sprecht von Apitherapie und Aufklärung. Bewegt ihr euch damit bewusst in einem Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Lifestyle?

[BY-B]: Definitiv – für uns gehört beides zusammen. Apitherapie hat ihren Ursprung in sehr alten Heiltraditionen, unter anderem auch in der TCM, und gleichzeitig sehen wir heute im Lifestyle-Bereich, zum Beispiel in der koreanischen Skincare, dass Bienenprodukte wieder eine große Rolle spielen. Genau in diesem Spannungsfeld bewegen wir uns bewusst. Uns ist wichtig, dass jedes Produkt studienbasiert entwickelt und sorgfältig recherchiert ist – immer mit der Frage: Was bringt es unseren Kunden wirklich und wo besteht ein konkreter Bedarf? Am Ende geht es für uns darum, fundierte Erkenntnisse mit moderner Anwendung zu verbinden und die bestmögliche Lösung zu entwickeln.

[AP]: Wo zieht ihr die Grenze zwischen echter Wirkung, persönlicher Erfahrung und Marketing?

[FB]: Wir arbeiten super eng mit unseren Kunden zusammen. Die Bewertungen sind für uns Dreh- & Angelpunkt, wenn es um Marketing geht. Entsprechend ist die Wirkung nicht nur subjektiv, sondern lässt sich durch die Inhaltsstoffe mit vielen Studien belegen. Bei unseren Hero-Produkten haben wir außerdem echte Wirksamkeitsstudien, welche uns 5-stellige Beträge kosten, damit wir mit Wirkung & Marketing werben können. Für uns steht Wirkung (wirksame Produkte) an 1. Stelle, noch bevor wir in die Release-Planung von neuen Produkten denken.

[BY-B]: Die Grenze ziehen wir ganz klar bei der Wahrheit – und das ist für mich kein verhandelbarer Punkt. Gerade weil ich selbst so eine lange Geschichte mit Hautproblemen habe, weiß ich, wie verletzlich man in solchen Momenten ist und wie sehr man sich auf Produkte verlässt. Dieses Vertrauen würde ich niemals ausnutzen. Ich würde kein Produkt vermarkten, das mich nicht wirklich überzeugt oder keine echte Wirkung zeigt, nur um etwas zu verkaufen. Für mich muss sich alles stimmig anfühlen – es muss zu 100 % zu mir, zu unserer Marke und zu unserem Anspruch passen. Nur dann gehört es auch wirklich in unser Sortiment.

[AP]: Ist bedrop für euch eher eine Mission oder ein Business? Oder ist das schwer zu trennen?

[BY-B]: Warum sollte man es überhaupt trennen? Als Gründer musst du das lieben, was du tust – und genau das braucht eine klare Mission. Für uns ist bedrop deshalb beides zugleich: Business und Herzensangelegenheit.
Unser Commitment ist zu 100 %, wir leben für das, was wir tun, und gleichzeitig möchten wir den Menschen die Kraft der Bienenprodukte näherbringen und zeigen, dass es echte Alternativen gibt, die man bewusst für sich nutzen kann.

[AP]: Der Naturprodukt-Markt wächst stark. Wie schafft man es da noch herauszustechen?

[BY-B]: In einem wachsenden Naturprodukt-Markt reicht es nicht, einfach nur „dabei“ zu sein – man muss wirklich für etwas stehen. Bei uns ist es zum einen die starke Verbindung zur Marke: bedrop ist eine Lovebrand, und ich selbst stehe als Mensch und auch als Leidgenossin hinter allem, was wir tun. Zum anderen ist es ganz klar die Qualität unserer Produkte. Wir setzen auf höchste Standards, arbeiten mit zertifizierten Rohstoffen und echten, nicht gekauften Siegeln. Am Ende überzeugt genau diese Kombination aus Authentizität und kompromissloser Qualität.

[AP]: Was seht ihr als euren größten USP? Das Produkt – oder eher Marke, Storytelling und Distribution?

[BY-B]: Für mich ist es das Zusammenspiel aus allem – das eine funktioniert nicht ohne das andere. Unser Storytelling zahlt direkt auf die Marke ein, aber genauso auch auf das Produkt, weil es unsere Philosophie und den Ansatz dahinter greifbar macht. Am Ende ist genau diese Verbindung unser größter USP: eine starke Marke, ehrliches Storytelling und Produkte, die das Ganze wirklich tragen und widerspiegeln.

[AP]: Ihr investiert stark in Performance Marketing. Wie viel Wachstum ist gekauft – und wie viel kommt organisch?

[FB]: Am Anfang haben wir natürlich sehr viel Marketingbudget in Wachstum investieren müssen und auch heute noch. Ca. 30% unseres Wachstums ist Paid, jedoch wachsen wir mittlerweile auch sehr stark über Mund zu Mund Marketing & nicht mehr ausschließlich über Paid-Channels. Wenn wir neue Channels für uns erobern, wie zB. aktuell lineares TV, merken wir sofort, welchen Impact unser Online-Marketing der letzten 5 Jahren bewirkt hat.

[AP]: Wie wichtig sind Paid Ads aktuell für euch?

[FB]: Sehr wichtig, ohne Paid-Advertising könnten wir weder die Marke noch Neukunden auf diesem Wachstum behalten. Ich würde jedem Gründer (vor allem auch Neugründer) empfehlen, dass man sich auf 1-2 Channels fokussiert und dann sukzessive die Paid-Channels aufbaut.

[AP]: Ihr seid privat und beruflich ein Team. Was ist schwieriger – Beziehung oder Business? Oder beides unter einen Hut zu bringen?

[BY-B]: Warum sollte es schwer sein? Es ist herausfordernd – aber das ist es in jeder Beziehung, egal ob mit oder ohne gemeinsames Business. Viele Paare haben eher die Herausforderung, dass sie nicht das Gleiche teilen und trotzdem einen gemeinsamen Nenner finden müssen. Wir haben da eher den Luxus, an etwas Gemeinsamen zu arbeiten.
Wenn man seine eigenen Grenzen kennt und auch die des Partners respektiert, kann man Liebe und Business sehr gut miteinander verbinden, ohne dass eines darunter leidet – und beiden in vollem Maß gerecht werden.

„Ich würde kein Produkt vermarkten, das mich nicht wirklich überzeugt.“
Betül Yönak-Bein & Florian Bein
Betül Yönak-Bein & Florian Bein

[AP]: Wie schafft ihr es, Emotionen von unternehmerischen Entscheidungen zu trennen?

[BY-B]: Emotionen haben in diesem Kontext keinen Platz – unternehmerische Entscheidungen müssen objektiv getroffen und aus einem neutralen Blickwinkel bewertet werden.Natürlich bringt jeder seine Gefühle mit, aber am Ende geht es darum, bewusst einen Schritt zurückzugehen und die Situation rational von außen zu betrachten.

[AP]: Würdet ihr anderen Paaren empfehlen, gemeinsam zu gründen – oder eher nicht?

[FB]: Ich würde die Frage anders gestalten, welche Risiken hat eine Gründung mit & ohne beziehungstechnische Verflechtungen? Ich kenne etliche Gründer, die alleine gegründet und gescheitert sind, dann kenne ich auch viele Gründer, die sich mit Freunden zusammengetan haben und zerstritten sind. Das Risiko ist egal in welchem Bereich gegegeben, ich sehe es hier pragmatisch und freue mich, dass ich privates und berufliches gemeinsam vereinen kann. Ist es immer einfach? Nein! Ist es herausfordernd? Ja! Aber nicht anders, als ob ich alleine gegründet hätte und meine Frau / Partnerin kein Verständnis hätte, dass ich 24/7 für die eigene Firma brenne.

[AP]: Wie kam die Zusammenarbeit mit Judith Williams zustande – Strategie oder Zufall?

[FB]: Zufall. Über die Goodbrands AG aus Mannheim und Bitterliebe Gründer hatten wir die Chance Judith in einem Zoom Meeting kennenzulernen und dann haben wir sie überzeugt bzw. sie war direkt stark “in to it”, da sie Bienenprodukte seit Kindheit selbst nutzt und immer Zuhause hat. Strategisch war es danach, da wir von ihrem Netzwerk und Expertise profitieren konnten.

[AP]: Was habt ihr konkret von ihr gelernt, gerade in Sachen Marke, TV und Inszenierung?

[BY-B]: Vor allem im Bereich Verkauf im Fernsehen habe ich viel gelernt – gerade was Rhetorik angeht, schaue ich mir gerne Dinge ab und nehme Impulse mit.
Bei der Inszenierung hingegen weniger, weil ich glaube, dass jeder seine eigene authentische Art hat, die man nicht kopieren sollte. Ich bin überzeugt, dass man am stärksten ist, wenn man einfach man selbst bleibt.

[AP]: Wie viel Einfluss haben solche Partner wirklich – und wie viel ist am Ende euer eigenes System?

[BY-B]:  Viele denken, ein Investor übernimmt plötzlich das Ruder und „wuppt“ das ganze Business – aber so ist es nicht. Als Gründer bekommt man vielleicht Kapital und Zugang zu einem Netzwerk, aber was man daraus macht, liegt komplett in der eigenen Verantwortung. Genau das wird oft unterschätzt: Viele gehen nicht bedacht genug mit dem Geld um oder wissen nicht, wie sie es sinnvoll einsetzen. Wir waren da immer sehr bewusst – sowohl finanziell als auch bei Netzwerk-Themen. Am Ende basiert alles auf unserem eigenen System und unseren Entscheidungen. Und wir glauben daran, dass sich die richtigen Dinge immer zum richtigen Zeitpunkt ergeben.

[AP]: Ihr sprecht oft vom „BeeSpirit“. Was bedeutet das konkret im Alltag – auch wenn es stressig wird?

[BY-B]: Der „BeeSpirit“ bedeutet für uns im Alltag vor allem: Vollgas geben, weitermachen – aber dabei nie vergessen, füreinander da zu sein. Gerade wenn es stressig wird, zeigt sich, wie wichtig dieser Zusammenhalt im Team wirklich ist. Egal ob vom Chef zum Mitarbeitenden oder unter Kollegen – ohne diesen Spirit geht nichts voran. Er ist das, was uns trägt und antreibt.

[AP]: Wie schafft ihr es, eure Kultur zu halten, während ihr wachst?

[BY-B]: Wir achten extrem stark auf unser Hiring – der Prozess ist bewusst intensiv und geht über mehrere Schritte. Bevor wir jemanden einstellen, wird genau geprüft: Passt die Person wirklich ins Team, stimmen die Skills und wie fühlt sich die Zusammenarbeit an? Wir holen uns intern verschiedene Einschätzungen ein und legen besonders großen Wert darauf, unsere Core Values im Bewerbungsprozess klar zu vermitteln und auch abzugleichen. Und wir sind sehr dankbar, dass unsere Nina hier einen großartigen Job macht und genau weiß, worauf wir in unserem „Bienenstock“ achten.

[AP]: Gab es einen Moment, in dem ihr ernsthaft gezweifelt habt, ob bedrop funktioniert?

[FB]: Ich würde lügen, wenn diese Situation nicht in den ersten Jahren fast täglich, später und heute noch wöchentlich stattfinden würde. Gründertum ist herausfordernd und teilweise auch zerstörerisch. Manchmal grenzt es an Körperverletzung und man nimmt viele Herausforderungen mit nach Hause und auch in den Schlaf. Jedoch wächst man auch unglaublich in diesen Situationen. Also ja, ich zweifel teilweise immer noch daran.

[BY-B]: Gezweifelt habe ich nie – ich hatte immer ein sehr positives und optimistisches Mindset und wusste, dass es funktionieren kann. Was ich am Anfang nicht wusste, war eher das „Wie“: Wie genau wird es aussehen, was wird konkret funktionieren? Mit jedem Jahr ist dann das Verständnis gewachsen – für Prozesse, für den Kostenapparat und vor allem auch für die Verantwortung, die damit einhergeht.

[AP]: Wir alle machen sie, aber was war euer bisher größter unternehmerischer Fehler?

[FB]: Manche Agenturen einfach “vertraut” zu haben und nicht Daten & Zahlen mit eigenen Expertisen zu challengen & zu validieren. Das hätte uns nicht nur einmal bisher fast den Kopf gekostet. Aber auch aus dieser Situation konnten wir für uns vieles herleiten und ableiten und haben Frameworks und Validierung Boards gebaut.

[AP]: Betül, was war für dich persönlich die größte mentale Herausforderung als Gründerin?

[BY-B]: Die größte mentale Herausforderung war für mich, allen gerecht werden zu wollen und niemanden zu enttäuschen – egal ob Kunden oder Mitarbeitende. Dieser Anspruch ist sehr präsent, auch wenn ich weiß, dass man es am Ende nicht allen recht machen kann. Ich gebe trotzdem jeden Tag mein Bestes, um meinen eigenen Ansprüchen gerecht zu werden und gleichzeitig immer das Wohl der Firma im Blick zu behalten. Denn am Ende sind wir kein Wohlfahrtsamt, sondern ein Unternehmen, das wirtschaftlich arbeiten muss – damit wir sichere Arbeitsplätze bieten und gute Produkte entwickeln können.

[AP]: Was bedeutet Erfolg für euch heute – und hat sich das seit der Gründung verändert?

[BY-B]: Erfolg bedeutet für uns heute vor allem: weitermachen, Vollgas geben und kontinuierlich besser werden. Wirklicher Erfolg ist es dann, wenn unsere Kunden  zufrieden sind und unsere Produkte ihnen wirklich helfen. Das hat sich seit der Gründung gar nicht so stark verändert – dieser Anspruch war von Anfang an da und ist bis heute unser wichtigster Maßstab geblieben. Du bist vor allem dann erfolgreich, wenn du dir selbst treu bleiben kannst.

[AP]: Gibt es einen Punkt, an dem Wachstum für euch eher Risiko als Chance wird?

[BY-B]:  Für mich gehört Risiko immer auch zur Chance – das eine existiert nicht ohne das andere. Schon die Gründung an sich ist ein Risiko, aber gleichzeitig auch die Möglichkeit, wirklich etwas zu verändern und zu bewegen. Am Ende ist es eine Frage der Perspektive. Ich würde heute immer bereit sein, auch in risikoreichere Situationen zu gehen, um die Chancen dahinter überhaupt erkennen und nutzen zu können.

[AP]: Fühlt sich euer Erfolg manchmal fragil an – gerade im schnellen D2C-Markt?

[FB]: Ja, heute bist du der Star und König am Himmel, morgen bist du der Bumann und hast alles falsch gemacht. Diese Schnelllebigkeit im D2C Kosmos ist besonders. Der Markt und die Channels drehen sich sehr schnell. Wenn man nicht mit der Zeit geht, geht man mit der Zeit und das Verständnis immer am Ball zu bleiben, muss man in sein persönliches Momentum einarbeiten.

[AP]: Wo steht bedrop in 5 bis 10 Jahren – globale Brand oder bewusster Spezialist?

[FB]: Im Jahr 2035 ist bedrop eine international führende Lovebrand für funktionelle und hochwertige Produkte mit der Kraft der Bienen und erzielt einen Jahresumsatz vor 100 Millionen Euro.

[AP]: Denkt ihr über einen Exit nach – oder ist bedrop ein Lebensprojekt?

[FB]: Wir haben vor knapp 2 Jahren einen Private-Equity für Wachstum, aber auch für die persönliche Sicherheit hinzugeholt. Bee und mir gehören noch genügend Anteile an der Company und wir können uns vorstellen, dass wir dies noch lange begleiten, sind aber auch mittlerweile dankbar, dass wir C-Levels und Mid-Managements aufbauen. Das soll die Grundlage für alles weitere schaffen. Wo wir in X-Jahren mit bedrop stehen, ist immer schwierig zu nennen. Aktuell macht es Spaß, da wir viele Herausforderungen in einem exzellenten Team meistern und hoffen sehr, dass wir noch lange mit so starken Mitarbeiter und Mitunternehmern an unserer Vision arbeiten dürfen.

[AP]: Könnte bedrop auch ohne euch beide funktionieren?

[BY-B]: Aktueller Stand nein, aber das ist ein Prozess, der sukzessiv angepasst werden kann.

[AP]: Und zum Schluss: Was würdet ihr heute komplett anders machen, wenn ihr nochmal bei null startet?

[FB]: Nichts, nochmal alle Fehler, nochmal alle Herausforderungen und nochmal alle Siege, sowie Niederlagen. Das einzige was ich anders machen würde, würde ich früher auf meine Frau hören und verstehen, dass Mitarbeiter früher zu hiren etwas Positives gewesen wären. Wir haben 17m Umsatz zu 7. und 45m Umsatz zu unter 20 FTE’s gemacht.  Das war alles andere als “Gesund”.

[André Patrzek]: Danke, Betül & Flo, für dieses ehrliche und eindrucksvolle Gespräch. Ich bin echt beeindruckt, wie Ihr Euren Weg als Unternehmer geht und freue mich auch das weiter mit verfolgen zu dürfen. Ihr teilt das ja sehr authentisch und transparent auf LinkedIn. Eure Reise zeigt, wie aus Konsequenz und echtem Glauben an ein Thema eine starke Marke entstehen kann.